laut.de-Kritik

Musikalisches Malen nach Zahlen.

Review von

Wir schreiben das Jahr 2018, ganz Deutschland wird langsam aber sicher von Herbst und Winter heimgesucht. Ganz Deutschland? Nein, eine kleine CD namens "Mar De Colores" leistet erbitterten Widerstand. Ihr charismatischer Sänger Alvaro Soler schickt sich an, bewaffnet mit Akustikgitarre und guter Laune, die Sonne in die Radiostationen dieses Landes zu schicken. Dazu hat er tatkräftige Unterstützung von Rolf Zuckowski-Sohn und Conchita Wurst-Songwriter Ali Zuckowski und Juli-Gitarrist Simon Triebel beim Songwriting erhalten.

Diese überfrachten die einzelnen Songs leider maßlos. Spätestens nach der ersten Strophe gehen sie in einem Brei aus Percussions, Gitarren, Drumset, Bass, Piano und Gesang unter, ohne dass auch nur eine einzelne Instrumentalstimme klar herauszuhören ist. Da kann der Beginn wie bei "Ella" noch so reduziert herüberkommen, mit zunehmender Hördauer klingen die Lieder alle irgendwie gleich und auch immer wieder seltsam künstlich.

Da hilft der immer gleich Aufbau auch nicht weiter. Auf eine ruhige Strophe folgt ein schneller Refrain, dann wieder eine ruhige Strophe, ein großer Refrain, ein kurzes Instrumental-Zwischenspiel und ein abschließender, riesengroßer Refrain. Das bügelt alle thematischen Unterschiede weg und reduziert alles zu reiner Gutelaune-Musik.

Besonders grausam klingen hierbei "Bonita", dessen musikalisches Setting an 2000er DSDS-Popschlager à la Mark Medlock erinnert oder "Fuego (ft. Nico Santos)". Hier kann man nur schwerlich einen Unterschied zwischen den beiden Interpreten heraushören, das musikalische Gerüst klingt ähnlich wie bei "Bonita". "Nino Perdido" hingegen wirft sich als dramatischer Film-Soundtrack in Pose, fährt Klavier und Streicher auf und steigert sich immer weiter. Leider zieht dabei vor dem inneren Auge keine Spannung auf, sondern das Gefühl, dass hier zu viel Wollen und zu wenig Können im Spiel ist. Der gesamte Song wirkt wie ein Abziehbild einer Sequenz, bei der der Hauptdarsteller von der Kamera umkreist wird, während er einen großen Rückschlag erleiden muss.

An dieser Überdosis Klischee leidet das gesamte Album. Jeder Song mutet wie ein Malen nach Zahlen an, niemals aber wie ein eigenes Kunstwerk. Dadurch kommt beim Hören niemals ein Gefühl auf, jeder Song rauscht vorbei, ohne Spuren zu hinterlassen. Die eine oder andere Kante, an der man sich reiben kann, hätte der Musik wirklich gut getan. So aber bleibt ein fader Geschmack einer Packung Instant-Tomatensauce, die mit echten Tomaten genau so viel zu tun hat, wie Alvaro Solers Musik mit dem Sommer oder ein All-Inclusive Club auf Ibiza mit Spanien. Um es mit Platons Höhlengleichnis zu sagen: "Mar De Colores" ist das den Höhlenbewohnern präsentierte Abbild, das nichts mit dem gleißenden Sonnenlicht des wirklichen Sommers und echter Musik außerhalb der Höhle zu tun hat.

Trackliste

  1. 1. La Cintura
  2. 2. Histérico
  3. 3. Te Quieto Lento
  4. 4. Ella
  5. 5. Puebla
  6. 6. Au Au Au
  7. 7. Fuego (ft. Nico Santos)
  8. 8. Veneno
  9. 9. Bonita
  10. 10. No Te Vayas
  11. 11. Nino Perdido

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