laut.de-Kritik

"Beenie Man and Alpha Blondy teach the nation" - diesmal mit E-Gitarren.

Review von

"Here I come again." Hallo, Mr. Alpha Blondy. "Rastafari on the rise again." Schön! Manchen Zeitgenossen begegnet man einfach immer wieder gerne.

Von Beginn an lässt Alpha Blondy keinen Zweifel an seiner Mission: "Beenie Man and Alpha Blondy teach the nation", verkünden zwei Reggae-Stars gemeinsam in der funky energiegeladenen Eröffnungsnummer "Hope". "This ain't no joke."

Schon hier zeichnet sich ab, was "Mystic Power" in erster Linie ausmacht: die bis hin zur Opulenz üppige Instrumentierung. Im Verbund erschaffen Percussion, glitzernde Bläsersätze und Background-Gesang eine glamouröse Kulisse für den Gesang.

"Bye-bye, America", verabschiedet sich Alpha Blondy in "My American Dream" von demselben und zugleich von seiner Wahlheimat. "I'm going back to Africa." Wenn er beklagt: "My American Dream turned into a nightmare / I can't stand the pressure", klingt das beinahe schon wie ein Blues.

Der packt einen immer wieder. Auch, wenn die satte, zuweilen auch verspielte musikalische Ausgestaltung eine andere Sprache spricht, schwingt doch oft Trauer, zumindest Melancholie in und zwischen den Zeilen mit. Unzufriedenheit mit herrschenden Zuständen bringt Alpha Blondy zum Ausdruck - und Protest.

So legt er Bob Marleys "I Shot The Sheriff" wieder auf - in französischer Sprache: "Mais je ne pas tué son brigardier ... si je suis coupable je vais payer." Er wendet sich entschieden gegen nationalistische Strömungen in seinem Heimatland, der Elfenbeinküste ("Danger Ivoirité") und rügt die französische Politik in dem doppeldeutig betitelten "France A Fric". So zelebriert, ist und bleibt Reggae rebel music, ganz egal, welche Genres er umarmt.

Alpha Blondy erweitert auf "Mystic Power" seinen Wirkungskreis. "Ich wollte aus diesem Ethno-Tribal-Ding ausbrechen", erklärt er. "Ich wollte den Rock-Aspekt in unserer Musik herausarbeiten und betonen." Großzügig eingesetzte E-Gitarren lösen dieses Versprechen ein - auch wenn sie zuweilen ein bisschen angestaubt klingen. Alpha Blondy wagt sich zudem mit seiner Version von "Le Métèque" in Chanson-Gefilde vor.

Die Nummer, im Original von Georges Moustaki, bekommt, wie alles andere auf "Mystic Power", ein solides Groove-Fundament gelegt. Darauf lässt sich wunderbar bauen, ganz unabhängig davon, ob Morricone-Klänge, ein Tarzan-Schrei, eine Klavierballade oder Elektro-Effekte, die Captain Future vorbei gebracht haben könnte, untergebracht werden sollen. Afrikanische, arabische und europäische Klänge reichen sich in Alpha Blondys Sound die Hände, unterstreichen die Sehnsucht nach "love and happiness, devine togetherness".

Schade nur, dass etliche Nummern - allen voran "Reconciliation", das Duett mit seinem Landsmann Tiken Jah Fakoly - deutlich zu lang, und damit unnötig langatmig geraten. "Sometimes it's better if you take things slow", und manchmal hätten drei oder dreieinhalb Minuten statt fünf oder sechs mehr als ausgereicht. Für die ausufernden, sich ein wenig im Kreis drehenden Passagen entschädigen das auf den Rhythmus fokussierte "My American Dream", "La Bataille D'Abidjan", das vor gespannter Erwartung zu zittern scheint, oder das eindringliche "Danger Ivoirité".

In welcher Zunge Alpha Blondy gerade singt fällt dabei so wenig ins Gewicht, wie ob man derer überhaupt mächtig ist: In seiner Stimme schwingt so viel Wärme und Gefühl, sie geht ohnehin ohne Umweg übers Sprachzentrum mitten ins Herz.

Trackliste

  1. 1. Hope feat. Beenie Man
  2. 2. My American Dream
  3. 3. J'Ai Tué Le Commissaire
  4. 4. Seydou
  5. 5. Crime Spirituel
  6. 6. La Bataille D'Abidjan
  7. 7. France A Fric
  8. 8. Ouarzazate
  9. 9. Soutra
  10. 10. Woman
  11. 11. Le Métèque
  12. 12. Danger Ivoirité
  13. 13. Reconciliation feat. Tiken Jah Fakoly
  14. 14. Pardon
  15. 15. Exil (Malavoi)

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