laut.de-Kritik

Der Produzent provoziert – und das nicht zu knapp.

Review von

Sie sieht nicht unbedingt aus wie ein Superstar, und bei Dieter Bohlen wäre sie höchstwahrscheinlich auch nicht durch die Augenkontrolle gekommen. Trotzdem hat es die 19-jährige Britin mit ihrem Debütalbum "19" an die Spitze der UK-Charts geschafft. Ihre Positionierungssingle "Chasing Pavements" kletterte zuvor auf Platz zwei und ist seit einigen Wochen auch im deutschen Radio zu hören. Jetzt erscheint ihr Album auch in Deutschland.

Der erste Song auf der Platte heißt "Daydreamer". Warum aber gerade er als Opener herhalten musste, wird an dieser Stelle nicht so recht klar. Denn irgendwie steht er ein wenig nackt im Raum. Akustikgitarre und Gesang, das war's. Hätte ich ihn mir als Kritiker nicht anhören müssen, hätte ich wohl weitergedrückt. Trotzdem konnte ich ihm am Ende eine kleinere Funktion abgewinnen. Er zeigt, dass die überflüssigen Kilos bei Adele bestens angelegt sind, denn sie sorgen für ein ordentliches Stimmvolumen.

"Best For Last" kommt an zweiter Stelle. Was ist das bloß für ein Tracklisting? Die Bassgitarre beginnt – aber nicht mit einem tollen Groove, nein, sie beginnt mit langen Terzakkorden in der tiefen Lage. Außerdem wurde der Amp mit einer Brillanz abgenommen, dass man jeden Slide auf den Saiten mindestens genauso laut hört, wie die Akkorde selbst. Was jetzt folgt, tut weh. Gesang mit Bassgitarre, die lange Terzakkorde in der tiefen Lage spielt. Das hört sich an wie Herzklappenflimmern. Im Refrain setzt ein Klavier ein – ebenfalls in der tiefen Lage –, wird im Vers aber wieder vom Bass niedergestreckt. Ich möchte weiterschalten.

Jetzt kommt die Radiosingle "Chasing Pavements", und man kann die Absicht dieses Songs erkennen. Wäre er nämlich nicht auf dem Album, hätte es die Promotionabteilung des Labels sicherlich schwer gehabt, einen Airplay zu bekommen. Die Instrumentierung fiel dieses Mal etwas üppiger aus. Hinzu kommen Drums, Fender Rhodes und eine synthetisch aufgetunte Hammond-Orgel, die man gut und gerne auch mit einem Orchester verwechseln könnte.

Ein geordnetes Muster im Album lässt sich beim ersten Hören nicht feststellen. "Cold Shoulder" ist ebenfalls verhältnismäßig üppig instrumentiert und ungewohnt rhythmisch. Bereits bei "Crazy For You" fällt man aber wieder in ein tiefes Loch. Ähnlich wie bei "Best For Last" übernimmt hier eine brillant abgenommene Gitarre die Begleitung mit gebrochenen Akkorden in der tiefen Lage, die hier wenigstens nicht so tief ist wie bei der Bassgitarre.

Der Produzent provoziert – und das nicht zu knapp. "First Love" wird nur von Rhodes begleitet. Allerdings werden sie gespielt wie von einem Kinderschüler: Einmal die Hand richtig einstellen, und wenn ein anderer Akkord verlangt wird, rutscht man einfach um die gewünschte Anzahl an Tasten nach oben oder nach unten. Dann wird das Ganze auch noch so hoch gespielt und derart präsent abgemischt, dass es in den Ohren kneift. Indiestyle hin oder her, aber das nervt.

Ebenso bei "My Same". Lernstunde bei laut.de: Was ist ein Tritonus? Ein Tritonus ist ein Intervall mit drei Ganztönen Abstand. Eingebettet in einen Akkord, fällt er überhaupt nicht auf. Steht er allerdings alleine da, grenzt sein Einsatz an Körperverletzung – vor allem, wenn er dann noch mit "aiiii, aiiiiiiiii" vertextet wird.

Wären da nicht die drei bis vier potentiellen Radiosingles wie "Chasing Pavements", "Right As Rain" oder "Make You Feel My Love", hätte es das Album auf dem Markt sicher recht schwer. Adele hat zweifellos eine großartige Stimme und kann damit auch hervorragend umgehen, auch wenn bei ihrer Artikulation und Phrasierung jede Gesangslehrerin handgreiflich werden würde. Auch die Idee, die Produktion im Vintagestyle aufzunehmen, ist nicht die schlechteste – wenn sie nicht schon von Amy Winehouse abgefrühstückt worden wäre.

Leider hebt sich der Gesang auch nicht genug von Winehouse, Bedingfield und Konsorten ab – und die gibt es leider schon. Dennoch wäre es schade, wenn Adele den Durchbruch nicht irgendwann schaffen würde, denn die Sängerin besitzt ein kaum zu überhörendes Talent.

Trackliste

  1. 1. Daydreamer
  2. 2. Best For Last
  3. 3. Chasing Pavements
  4. 4. Cold Shoulder
  5. 5. Crazy For You
  6. 6. Melt My Heart To Stone
  7. 7. First Love
  8. 8. Right As Rain
  9. 9. Make You Feel My Love
  10. 10. My Same
  11. 11. Tired
  12. 12. Hometown Glory

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18 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    3,5 Balken, mehr hat die Scheibe IMHO nicht verdient. Aber die Sängerin hat wirklich was. Muss noch ihren Weg finden, hoffen wir auf den richtigen Produzenten in der Zukunft.

  • Vor 10 Jahren

    ich kenne ausser chasing pavements nichts weiter von ihr.aber die single hat's in sich.aber vertrauen wir mal auf laut.de das das album wirklich nich so rosig ist.

  • Vor 10 Jahren

    Naja, auch wenn ichs doch eher bei 3 Punkten ansiedeln würde kann man schon sagen dass die Single ziemlich positiv hervortritt, sind schon einige Hänger bzw überflüssige Nummern dabei wo außer der Stimme nichts hängen bleibt.
    Nur ums nochmal zu erwähnen : Der Song des Albums imo Hometown Glory. Zumal der die ganze Geschichte ja auch ins Rollen brachte letzten Herbst sollte man ihn schon im Review anmerken.

  • Vor 6 Jahren

    es ist schön, dass du endlich gelernt hast andere meinungen zu akzeptieren.

  • Vor 6 Jahren

    @stummerzeuge (« Rhyme, das geht den guten Leuten doch bei so gut wie jedem Künstler so. Rückblickend im übrigen ne pure Dummheit diesem Album ernsthaft ne 2/5 zu geben.. »):

    1/5 wären berechtigter für diesen Schrott. Aber klar, dass es der drogensüchtige Querbeethörer feiert. Immerhin will er ja auch gern in die Riege der gebildeten Alternativen aufsteigen.

  • Vor 6 Jahren

    @stummerzeuge (« Rhyme, das geht den guten Leuten doch bei so gut wie jedem Künstler so. Rückblickend im übrigen ne pure Dummheit diesem Album ernsthaft ne 2/5 zu geben.. »):

    1/5 wären berechtigter für diesen Schrott. Aber klar, dass es der drogensüchtige Querbeethörer feiert. Immerhin will er ja auch gern in die Riege der gebildeten Alternativen aufsteigen.