laut.de-Kritik

Weinende-Mütter-Rap und eine ganze Menge Geschrei.

Review von

"A.S.S.N. 2" hat eine einzige Mission: Berlin muss wieder hart gemacht werden. Nach den letzten Platten hat sich AK Ausserkontrolle fest in der Szene etabliert, nun gibt es Nachschlag, wie man es von ihm erwartet: Gangster-Rap, kompromisslos und fast schmerzhaft authentisch ins Gesicht, ein Gruselkabinett für die Vorstadt und Hiebe für die Moral. Der Mann schreit sich die Seele aus dem Leib, er stapelt Geld wie Dagobert Duck im Geldspeicher, die toten Körper fallen auf Berlins Straßen wie Laub im Herbst und immer wieder zwischendurch weint die Mama. Für so viel zähnefletschendes Gepöbel muss man erst einmal in der Stimmung sein.

Das fängt schon mit dem Flow an. Subtilität und Anspielungen finden sich nicht in AKs Trickkiste, wohl aber Brecheisen und Vorschlaghammer. Brüllt er dann jeden Tatbestand, den so ein Gesetzbuch hergibt, gegen das schillernde 808-Gewummer von einem Sonus030 oder einem Young Mesh, kommen dabei durchaus ein paar richtig brauchbare Hooks heraus. "Kristall 2" ist ein absoluter Brecher, aber auch der Refrain zu "In Meinem Benz" und der ganze Song mit Gringo "Ninety Seven", geht ab wie Kanone. Gerade im Kombination mit einem ebenso abgedrehten Rapper kommen die exzentrischen Qualitäten der beiden MCs in Schwung.

Aber für jede Banger-Hook gibt es einen Griff ins Klo und mindestens zwei, die wie reines Selbstzitat klingen. Gerade letztere machen die sechzehn Tracks auf "A.S.S.N. 2" wulstig und beizeiten etwas schleppend anzuhören. Es gibt eben nur so viele Hits, die man aus einer musikalischen Idee machen kann und Songs wie "Easy", "Nordpol" oder "Drück" fühlen sich schon beim ersten Mal totgehört an. Im Endeffekt erzählt er eben doch immer nur den gleichen Kram.

Richtig bizarr wird es, wenn AK seine wohltemperierte Komfortzone verlässt. "Gangster Queen" zum Beispiel liefert die traditionelle Sex-Jam des Albums. Wer nur so mittel-scharf auf Storys aus dem Sexleben von AK Ausserkontrolle ist, wird erleichtert sein: Dieses Plattitüden-Feuerwerk geizt mit schmuddeligem Detail, Aussagen über Sex oder Frauen oder irgendeinem Inhalt. Stattdessen schildert er - den Sabber hinter der Maske versteckt - möglichst vage Frauengeschichten auf einem exorbitant mittelmäßigen Plastikbeat mit Capital Bra-Gedächtnishook. Sie sind heiß, sie sind wirklich heiß, anscheinend brauchen sie zwar aufheiternde Drogen, immer wenn sie mit dem Mann herumhängen, aber sie sind echt wirklich heiß. Wirklich!

Generell beeindruckt AK nicht gerade mit Pop-Sensibilität, und alle Hooks, in denen er Gesang anwenden möchte, fallen ziemlich übel flach. "Reich Oder Tot" zum Beispiel: Da wird nicht "rot" auf "Schrot" auf "Koks" auf "tot" gereimt, nein – er reimt zu einer wirklich überhaupt nicht eingängigen Melodie "Ro-o-ot" auf "Schro-o-ot" auf "Ko-o-oks" auf "to-o-ot". Die immens irritierend betonte Autotune-Gesangsline "Mama weint, denn ihr Sohn ist ein Möööör-deeeer" auf "Lau Lau Lau" muss man auch erst mal auf sich wirken lassen. Ich habe selten Moe Phoenix vermisst, aber bitte, ruft ihn in solchen Fällen doch an!

Die Feature-Parts geben der Platte da noch die meiste Textur, denn sie erlauben Abwechslung, ohne dass sich AK außerhalb seines Könnens verheben muss. Shindy klingt auf "Hood" zugegeben gewöhnungsbedürftig, seine schräge Intonation bleibt aber im Kopf und will definitiv wieder gehört werden.

Kontra K, Farid Bang oder 18 Karat kommen mit Standard-Performances weniger markant, man möchte ihnen aber trotzdem ob der Abwechslung denken. Lediglich Hochleistungstrottel Bonez MC klingt auf seinem Gastpart so ambitioniert arschig, dass man sich fragt, wer sich mit so einer Wurst überhaupt identifizieren will. Aber vielleicht bin ich auch einfach nicht gut genug in Schach und im Tanzen, um hier mit ihm zu viben.

So vergeht "A.S.S.N. 2", ohne AK Außerkontrolle nennenswert weiterzuentwickeln. Der Mann hat eben einen roughen, authentischen Sound, der – in seinen besten Momenten – schon richtig donnert. Die Handvoll Songs, die Spaß machen, steht hier aber gegen ein großteils wenig ambitioniertes und anstrengend übellauniges Projekt, das schon sehr tief in der Nische watet. Wer sich von diesem stressigen Berufsgepöbel angesprochen fühlen mag, nur zu, ich glaube aber, ich würde lieber einfach die Straßenseite wechseln.

Trackliste

  1. 1. 136er
  2. 2. Easy
  3. 3. Lau Lau Lau
  4. 4. Kristall 2
  5. 5. Hood (feat. Shindy)
  6. 6. Gangster Hustler
  7. 7. Reich Oder Tot (feat. Kontra K)
  8. 8. Ganster Queen
  9. 9. Das Ist Für Die Diebe
  10. 10. In Meinem Benz (feat. Bonez MC)
  11. 11. Nordpol (feat. Veysel)
  12. 12. FDH (feat. Fux Ausserkontrolle)
  13. 13. Skit
  14. 14. Drück (feat. Farid Bang & 18 Karat)
  15. 15. Kundenkarte (feat. Sa4)
  16. 16. Ninety Seven (feat. Gringo)

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