laut.de-Kritik

Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

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Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Zu letzteren zählt, dass es "True North" überhaupt gibt. Wer den Doku-Film "A-ha - The Movie" gesehen hat, rechnete wohl eher mit der baldigen Besiedlung des Mars als mit einem neuen A-ha-Longplayer. Zu zerstritten zeigte sich das Trio, zu entschieden und verständlich fiel Furuholmens "Nein" zu irgendwelchen in diese Richtung gehenden Ideen aus.

So gesehen stellt das ungewöhnliche Konzept, "True North" innerhalb von zwei Tagen weitestgehend live einzuspielen, nicht nur einen interessanten Ansatz dar, sondern auch die Möglichkeit, die drei Streithammel bei möglichst großen Output die möglichst kürzeste Zeit zusammen zu bringen. Es ist ihnen geglückt. Nicht nur irgendwie, sondern mit ihrem besten Werk seit 1993.

Ihr mittlerweile elftes Studio-Album sehen A-ha als norwegische Antwort auf Bruce Springsteens "Western Stars". Einen liebevollen Brief an ihre Heimat Norwegen, aufgenommen in Bodø, einer der nördlichsten Städte des Landes. Eine Beschreibung, wie sich das Leben in Norwegen anfühlt, aber auch wie sich die dunklen Schatten der Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung zunehmend über das Land legen. Waaktaar-Savoys Lieder fügen mit der Geschichte seines Vaters noch einen familiären Hintergrund hinzu.

Stand bisher das misslungene "Cast In Steel" als unnützes Comeback nach einem mit lauten Tamtam verkündetem und gefeierten Karriereende ("Ending On A High Note - The Final Concert") leer im Raum, heilt "True North" diese Wunde nun. Den Norwegern glückt eine ungewöhnliche, seltsame Mixtur aus allen Phasen A-has. Mit dem Live-Sound und den schwelgerisch eingesetzten Arctic Philharmonic Orchester bietet es eine neue Herangehensweise, mit dem Synth-Bluckern in "As If" und "Make Me Understand" aber auch Anleihen bei ihren ersten Demos. Gerne überschneiden sich diese einzelnen Band-Stadien innerhalb eines einzelnen Tracks.

Das Songwriting der zwölf Stücke teilen sich Furuholmen und Waaktaar-Savoy fair auf. Harket und sein oft schlageresker Ansatz bleibt diesmal glücklicherweise außen vor. Dafür zeigt er sich mit seinen einfühlsamen Vocals bereits ab der mit jedem Durchgang wachsenden Ballade "I'm In" so brillant wie eh und je. Diesem Lied über Liebe und Freundschaft und bedingungslose Unterstützung, egal wie schwierig die Zeit, wie aussichtslos das Unterfangen auch sein mag. "Whatever you want or need / Wherever you have to be / Whatever you have to believe / I'm in / Begin."

Anstatt diesen Weg nun sicher durch ganz "True North" zu verfolgen, überrascht "Hunter In The Hills" mit seinem unverblümten Live-Sound, Streichern wie aus einem Doris Day-Film und einem für A-ha-Verhältnisse ungewohnt verspieltem Rhythmus-Duo. Erstmals nach "East Of The Sun West Of The Moon", "Memorial Beach" und "Minor Earth | Major Sky" kehrt Schlagzeuger Per Hillestad zurück.

Der Titeltrack wirkt wie eine entspannte Mischung aus "Stay On These Roads" und "Lifelines", packt deren Stimmung in ein Gleichnis über Seefahrt und das Leben. "We'll sail to the end of the world / But good sailors always return / So hold on to hope / And pray there will be / Fair wind and following sea."

Zusammen mit "Locust", "Dragonfly" und "Butterfly, Butterfly (The Last Hurrah)" bildet das von Flöten begleitete "Bumblebee" nun die Tierchen-Tetralogie. Spannend stehen sich das ausufernde Arrangement und der an "Memorial Beach" erinnernde dunkle Unterton des Songs gegenüber. In einem anderen Gewand hätte das bezaubernde "You Have What It Takes" das Zeug zu einem typischen A-ha-Hit, doch hat sich die Band entschieden, ihn so ruhig und minimal wie möglich zu begleiten. Der "Summer Rain" regnet melancholisch gegen die Fenster, der verträumte Walzer "Oh My Word" bietet ein gelungenes Schlusswort. Nur für was?

"True North" wäre wohl der schönste Schlusspunkt, den sich A-ha setzen könnte. Ein Album zwischen nach vorne gerichtetem Experiment und Nostalgie. Ein Meisterwerk, das all ihre Stärken vereint. Der sehnsuchtsvolle Schlussankord, den diese Band verdient hätte. Schöner wird es nicht mehr.

(Zeitgleich drehte Stian Andersen einen den Longplayer erweiternden Film, der beim Erstellen dieser Kritik leider nicht zur Bewertung vorlag.)

Trackliste

  1. 1. I'm In
  2. 2. Hunter In The Hills
  3. 3. As If
  4. 4. Between The Halo And The Horn
  5. 5. True North
  6. 6. Bumblebee
  7. 7. Forest For The Trees
  8. 8. Bluest Of Blue
  9. 9. Make Me Understand
  10. 10. You Have What It Takes
  11. 11. Summer Rain
  12. 12. Oh My Word

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13 Kommentare mit 13 Antworten

  • Vor 29 Tagen

    Schönes Album. "I'm in", "True North" und "As If" finde ich am besten gelungen.

  • Vor 24 Tagen

    Großartiges Album, das einfach etwas Zeit benötigt (die sich heutzutage kaum jemand mehr nimmt/nehmen kann). Ich habe mir am Anfang - auf die Schnelle - auch etwas schwer getan. Inzwischen läuft das Album in „heavy rotation“ und ist nachhaltiger, als viele andere, die nach anfänglicher Begeisterung relativ schnell wieder im Plattenschrank verschwunden sind. Trotz der ruhigen Ausrichtung musikalisch abwechslungsreich: einerseits gespickt mit Trademarks, andererseits dank des Entstehungsprozesses auch neu und viel organischer als bisher. Lediglich die „Band“ (Gitarre, Bass, Schlagzeug) könnte im Verhältnis zum Orchester etwas präsenter, dynamischer sein. Unterm Strich: mir gefällt es - jeden Tag mehr!

  • Vor 24 Tagen

    Nette Barmusik. Egal wie kalt der Norden ist, 12 Balladen müssen es nicht sein. Die Kollegen von Duran Duran (großartiges Album) und Tears for Fears haben es besser gemacht. Paar Tackte schneller hätten gut getan Aber es reicht für einen langsamen melodischen Tod. Eher Grabstein als Meilenstein. Schade... Potenziale verschenkt .