laut.de-Kritik

Die norwegischen Smartboys versuchen ein Comeback

Review von

Lasst mich vorab eines klarstellen: Ich war damals der größte A-ha Fan auf Gottes Erdboden. Meine Tapete bestand aus A-ha Postern inklusiv der Zimmerdecke und ich hatte 10 cm Lederbändel am rechten Arm und am linken auch, an jedem Fussgelenk und um den Hals. Und hätte Morten Ledernasenringe getragen, ich hätte drei davon gehabt - in jeder Nase einen.

Was könnte ich mir also schöneres vorstellen, rein retro-technisch, als wenn meine Band ein neues Album rausbringt?

Au Backe, hätten sie's gelassen. Kein Platz eins der Charts täuscht darüber hinweg, dass mit dieser Scheibe nicht mal die Wochenproduktion einer Wackeldackel-Fabrik zum Zucken gebracht werden könnte: Die Songs ziehen sich wie Kaugummi entlang der 13 Tracks umfassenden Scheibe.

Irgendjemand hätte den norwegischen Smartboys mal erzählen sollen, dass es neben Streichern und Oboen auch noch Instrumente gibt wie eine Bassgitarre, die einem Song den richtigen Groove verleihen kann. Auch geht das Schlagzeug immer und immer "bumm tschack, bummbumm tschack" - nur eine Woche intensivere Arbeit an den Rhythmus-Elementen hätte allen Songs wirklich nicht geschadet.

Natürlich kommt hier und da die für A-ha so typische theatralische Symphonie-Inzenierung zum Vorschein und Mortens Stimme trällert an einigen Stellen so glasklar wie ein norwegischer Gletscherbach. Nur wenn man genauer hinhört, entdeckt man ab und an ein Flackern und Quäken und bei "The Company Man" hört sie sich an wie Tom Petty nach drei durchsoffenen Nächten.

Die Vorabsingle "Summer Moved On" besticht durch genau zwei tolle Ideen: Erstens der falsettierte Aufschrei mit einer Mega-Fermate ("STAY!!!!") und zweitens das darauf folgende, fast a-rhythmisch anmutende Aufbrausen des Orchesters. Durch ständige Wiederholung aber werden brilliante Ideen nicht besser und auch dieser Song schleppt sich dann hinkend dem Ende zu.

Wer gedacht hätte, Mortens selbstkomponierte Lieder würden den Pål Waakktar-Savoy Kompositionen der ersten fünf Songs endlich Abwechslung verleihen, wird mit "To Let You Win" bitter enttäuscht: Das Stück erinnert an nicht mehr als "Weihnachten mit Roger Whittacker".

Melodisch haben A-ha schon besser gezeigt, was sie auf dem Kasten haben. Die Produktion dieser Platte ist einfach mies und auch lyrisch-inhaltlich kann "The Company Man" den Fans und denen, die es eigentlich gerne noch wären (ICH!!!) nicht wirklich weissmachen, dass irgendein alter Bandmanager namens Andy so ein böser Saftsack war und die armen Skandinavier so fürchterlich gemein ausgenommen hat, dass sie dann alle gar kein Geld mehr hatten....ooooooohhh.

Oh jeh, was soll ich nur sagen. Hätte ich damals mit 13 Jahren gewußt, dass ich über die Band meines Lebens mal so eine CD-Kritik schreiben würde, hätte ich die Lederbändel aus Trotz eintätowieren lassen. So leid es mir tut, und das tut es tatsächlich, gebe ich dieser Platte vernichtende zwei Punkte - einen davon aus Nostalgiegründen!

Trackliste

  1. 1. Minor Earth Major Sky
  2. 2. Little Black Heart
  3. 3. Velvet
  4. 4. Summer Moved On
  5. 5. The Sun never Shone that Day
  6. 6. To Let you Win
  7. 7. The Company Man
  8. 8. Thought that it was You
  9. 9. I Wish I Cared
  10. 10. Barely Hanging on
  11. 11. You'll Never Get over Me
  12. 12. I Won't Forget Her
  13. 13. Mary Ellen Makes the Moment Count

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1 Kommentar

  • Vor 8 Jahren

    Was für ein besch...eidenes und schwaches Review für eine wirklich gute Platte. Manche haben es gar nicht verdient, Kritik zu äussern. Ich möchte hier jetzt zwar nicht Dieter Nuhr zitieren, aber ...besser den Mund halten! Erst denken, dann schreiben.