laut.de-Kritik

Hat der unkaputtbare MC etwa Muffensausen?

Review von

50 Cents Erfolg basierte stets auf seiner Biografie. "Get Rich Or Die Tryin" war immer mehr Pose als Pathos. Das Vom Gangster zum Rap-Millionär-Konzept speiste als Perpetuum Mobile seine Karriere und führte diesen Curtis Jackson schließlich in die heiligen Hallen der berühmtesten Weltstars.

Mittlerweile hat sich seine Geschichte jedoch selbst kannibalisiert. Die Story fehlt, der Erfolg hat sich eingestellt. Inzwischen erscheinen die Erzählungen eines ehemaligen Gefängniswärters, der sich zum Gangster stilisiert, oder die des neuen Rap-Superstars, der derzeit im Knast sitzt, interessanter.

Auf "The Massacre" offenbarte sich die Misere bereits, die poppige Auslegung bewahrte den Rapper jedoch vor dem Abstieg. "Curtis" fehlte erneut die Verquickung mit der eigenen Geschichte, zudem suchte man den Pop-Appeal (abgesehen von der Timbolake-Kollaboration) vergebens.

Abgesehen von ein paar Beef-Geschichten hier und ein paar dickhosigen Brunftgebaren hatte 50 Cent nichts mehr zu erzählen. Dass erfolgreicher Hip Hop andersartig weitaus massentauglicher funktioniert, zeigte die peinlich humoristische Battle-Episode mit Kanye West.

Trotz beeindruckender Platzierungen in der Forbes-Liste der bestverdienenden Entertainer musste sich Fiddy wahre Sorgen um seinen Stand in der Rap-Industrie machen. Im Jahr 2009 zeichnet die Realität für ihn kein allzu rosiges Bild: "Before I Self Destruct" ist 50 Cents Moment of Truth. Es steht nicht weniger als sein Stand im Game auf dem Spiel.

Doch tatsächlich bringt die Drucksituation etwas Gutes: Das Damoklesschwert des Karriere-Endes liefert dem Rapper Material, mit dem er seine Biografie erneut interessant gestalten kann, um daraus schließlich künstlerisches Kapital zu schlagen. Nach dem opulenten Aufstieg und dem imposanten Leben auf dem Zenit steht er jetzt einen Schritt vor dem Abgrund. Auf "Before I Self Destruct" muss sich der Superstar seinen inneren Geistern stellen und kämpft dabei damit, sich nicht selbst zu zerstören. Fiddy hat endlich wieder eine Story!

Die passende Beat-Kulisse für die Schlacht mit sich selbst baut sich bereits bei "The Invitation" bedrohlich auf. Verdichtete Orchester-Klänge, drückende Drums und treibende Schellen läuten die Auseinandersetzung mit den inneren Dämonen ein. Einsatz Fifty: "I tell myself in the mirror, you ain't dead." Der misslichen Lage scheint sich der ehemalige Rap-Titan bewusst zu sein.

Jackson 5-Sample und melodische Rhodes-Sätze bringen auf "The Day Went By" nur bedingt Beruhigung. Die Raps behalten trotz patentierten Nuschel-Flows die einschüchternde Prägnanz. "Keep fuckin with me and you gonna turn me back to Boo Boo." Lieber Fifty, genau das wünschen sich nicht wenige Fans!

Der erwünschte musikalische Blick in die Vergangenheit folgt sogleich. Dr. Dre lanciert die Marschmusik, streut dreckige Bassgitarren-Licks unter und scheucht den Protagonist in die Arena: "I bring money to my ni***s and death to my enemies.. Auch das folgende Piano von Tha Bizness feiert die klassische Dre'sche Schule, 50 Cent bleibt dabei zufriedenstellend "So Disrespectful".

"Psycho", das Gipfeltreffen des Shady/Aftermath-Camps, zelebriert Fifty sichtlich zufrieden mit seinen beiden Bossen: Dre wieder am Beat (diesmal Streicher) und Eminem am Mikrofon. Seit sechs Jahren hat sich an diesem Trio nichts verändert - das ist der Stoff, aus dem Fan-Träume sind.

Eine Riege weit unbekannterer Produzent hält in Folge die Sound-Kulisse bedrohlich. Team Ready, Team Demo, Rick Rock, Black Key, Dual Output - alles Namen, die man zwar nicht kennt, aber dank dramatischen Instrumental-Walzen durchaus auf dem Schirm behalten sollte. 50 Cents hungrige Ansagen wissen es zu schätzen. Mit diesem Beat-Gerüst im Nacken, nimmt Fifty wie eh und je kein Blatt vor den Mund.

Sogar wenn Nascents klassisch Sample-basiertes "Strong Enough" musikalisch ein wenig aus dem Konzept fällt, bleiben die Machtphantasien des Protagonisten und Schüsse in alle Richtungen die Regel. Havocs Synthie-Donnergrollen fährt da eine ganz andere Schiene, aber zeigt dank gerappten Oldschool-Referenzen, dass 50 die unterhaltsamen Ideen noch nicht ausgegangen sind ("Gangsta's Delight").

Auf die zutiefst käsige Ne-Yo-Kollaboration "Baby By Me" hätte man dennoch getrost verzichten können. Ohne den Kalauer-Bogen zu überspannen, aber so zerstört man sich in den Ohren Pop-müder Hip Hop-Fans ganz leicht selbst.

Trotz der omnipräsenten Härte von "Before I Self Destruct" hat die Veranstaltung unterschwellig einen schalen Beigeschmack. Hat der unkaputtbare 50 Cent etwa Muffensausen? Über die 16 Tracks wird man das Gefühl nicht los, dass die Brisanz der Lage an dem scheinbar unverwundbaren Rapper nicht spurlos vorbei gegangen ist. Oftmals klingen die Tiraden und Selbstbeweihräucherungen nicht losgelöst, sondern erzwungen. 50 Cent feiert sich stellenweise selbst, als wäre Sauersein allein schon ein Verdienst.

Wo sind die eingängigen Ideen? Wo der nonchalante Mainstream-Appeal? Die todsichere Mischung aus Hardcore-Schlagworten und simplen Musik-Phrasen beherrschte Curtis Jackson spielend, als er auf dem Zenit seiner Karriere und damit im Mittelpunkt des Musikzirkus' stand. Diese Erfolgsformel ist dem letzten großen Hardcore Rap-Superstar, der die Massen bewegen konnte, abhanden gekommen. Aus dem Kampf mit sich selbst ist so lediglich ein Teilsieg geworden.

Trackliste

  1. 1. The Invitation
  2. 2. Then Days Went By
  3. 3. Death To My Enemies
  4. 4. So Disrespectful
  5. 5. Psycho feat. Eminem
  6. 6. Hold Me Down
  7. 7. Crime Wave
  8. 8. Stretch
  9. 9. Strong Enough
  10. 10. Get It Hot
  11. 11. Gangsta's Delight
  12. 12. I Got Swag
  13. 13. Baby By Me feat. Ne-Yo
  14. 14. Do You Think About Me
  15. 15. Ok, You're Right
  16. 16. Could've Been You feat. R. Kelly

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77 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Herzlich willkommen zu einem weitern Kampf zwischen Sodhahn/Garret und den bösen stinkenden läuseverseuchten Kuttenträgern... und Lautuser :D

  • Vor 9 Jahren

    Ich bezweifle, dass Sodhahn, Garret und lautuser hier grossartig kaempfen werden, ich bin sogar recht sicher, dass diesmal alle 3 einer Meinung sein werden: 50 war, ist und bleibt fuer immer scheisse.

    Seit seinem ersten Track war dieser Typ bloss in seiner voelligen Talentlosigkeit ueberragend. Ich verstehe auch nicht, wieso Eminem noch immer was mit dem macht, der schwebt in ganz anderen Sphaeren. Ausserdem hat 50 Mobb Deep fast kaputtgemacht, das ist unverzeihlich.

  • Vor 9 Jahren

    3/5 überrascht mich schon. Naja reinhören werde ich, Erwartungen habe ich keine. Baude hat meine Meinung zu 50 schon sehr treffend eingeschätzt (mit 1-2 Ausnahmen).

  • Vor 9 Jahren

    @arahf (« @sreetbeatz (« before i self destruct ist gangsta rap vom feinsten...ich bekomme nicht genug vom album ;-)
    you want some? come get some! nigga its murder one when you taste my gun, you might see me let it off you might see me run, but you wont see shit till da police come! You want some? come get some! nigga its murder one when you see my gun, i just squeeze n´ squeeze till da hole clip done, you just bleed n´ bleed till da police come! You want some??? »):

    kann zustimmen, das album wirkt ingesamt schlüssiger als curtis, von 1-12 gangsta-programm auf höchstem niveau, danach noch "Baby by me" (tolle single), "Do you think about me" (extrem gut gelungen) und "Could've Been You" (ruhiger, passender Abschluss) die halt zu einem 50-album dazu gehören.

    3-4 auf 5 kann man ruhig vergeben. »):

    komisch, eben das sind die schwachen songs, die damals auch curtis und the massacre kaputt gemacht haben.

    zu 50 gehört maul aufreißen, über niggas, battles und knarren zu rappen. aber nicht sowas softes.

  • Vor 9 Jahren

    @Jack the Rapper (« Ich habe das letzte Prodigy nicht angehört. Ich werde mir, wenn nichts unvorhergesehenes passiert, wohl kein neues Mobb Deep Album mehr anhören.

    Mir ging es aber sowieso nur um die unbestreitbar schlechten Group-Alben(Infamy, Amerikaz Nightmarez und Blood Money). »):

    Das Return of the Mac solltest du dir definitiv mal geben, ist sehr gelungen, find ich.

    @Garret&Lautuser

    CDs sind doch wertlos. Vinyl! Vinyl, sag ich!

  • Vor 9 Jahren

    Mr Freaky

    keine Frage, Vinyl regiert.