laut.de-Kritik

Vom Gangster zum Familienvater.

Review von

"Right now I use love for a medication / Back in the day I'd shoot Cupid with no hesitation." Hoppla, was ist da denn los? Ein ehemaliger Drogenticker auf einmal ganz handzahm? Ist das nicht furchtbar langweilig? Ganz im Gegenteil, 2 Chainz' schöne neue Welt ist hochgradig unterhaltsam.

Der Rapper hat zur großen Feier geladen, und alle sind sie gekommen. Pharrell Williams, Kendrick Lamar, Ariana Grande, und wie sie nicht alle heißen. Klotzen statt kleckern steht auf dem Programm. Deshalb gestaltet man den Einstieg mit Chören im Hintergrund gleich größtmöglich, und 2 Chainz stellt klar, wer hier das Sagen hat: "It's yellow tape and white chalk when I'm on the beat / Yeah, you rich, but your talk is cheap."

Dem eher düsteren und nachdenklichen Einstieg folgt Musik, um im Lowrider bei offenem Fenster die Straßen der Nachbarschaft zu beschallen. "Statue Of Limitations" wummert dunkel aus den Boxen, hat aber noch ein bisschen die Handbremse angezogen. Die wird dann gelöst. Auch mit der freundlichen Unterstützung der Herren Young Thug und Travis Scott gibts gleich drei amtliche Banger auf die Ohren.

Dieser Abriss zur Mitte des Albums findet mit "NCAA" seinen Höhepunkt. 2 Chainz Aussage "I'm playin with that clit like a guitar" sorgt zwar für Bilder, die ich nicht unbedingt im Kopf haben wollte, aber immerhin kümmert sich der Junge um das sexuelle Wohlbefinden der Partnerin. Die kommt im Hip Hop sonst ja oft zu kurz.

Besagte Dame, Ehefrau Kesha, steht dann auch im Mittelpunkt der zweiten Hälfte des Albums. Zusammen mit Pop-Queen Ariana Grande feiert der Rapper das neue Eheleben im großartigen "Rule The World". Tickervergangenheit? War mal. Heute sitzt der ehemalige Tity Boi lieber mit der Familie auf der Couch und guckt sich Musicalschnulzen an. Legt zumindest das Sample aus dem Musical-Klassiker "The Sound of Music" im Song "I Said Me" nahe.

"Rap Or Go To The League" ist und bleibt Teamarbeit. Die große Stärke liegt neben der Produktion, die zwischen fiesem Trap-Banger und astreinem Pop-Hit alles bietet, in den durchgängig starken Features. Wenn Kendrick Lamar noch der schwächste ist, scheint man bei der Auswahl der Gäste ziemlich viel richtig gemacht zu haben. Explizit hervorzuheben sind, neben Ariana Grande, Lil Wayne und E-40, die technisch anspruchsvoll und enorm präsent durch die Zeilen flexen.

Auch 2 Chainz selbst präsentiert sich technisch vielseitig. Grundentspannt beschreitet er den Soundteppich, den das Produzenten-Team vor ihm auslegt. Hier und da reflektiert er noch über die Vergangenheit ("Momma I Hit A Lick"), vor allem darüber, wie man das dem eigenen Nachwuchs klar macht ("I Said Me"). Aber 2 Chainz versucht nie, das Gangster-Image verkrampft aufrechtzuerhalten. Ist doch alles Schnee von gestern.

Groß ärgern muss sich der Familienvater heutzutage höchstens noch darüber, dass er so viele Steuern zahlen muss ("Sam"). Das ist ungewollt komisch - Steuertipps von Puff Daddy gibts inklusive - aber irgendwie auch sympathisch. So kann der Weg zum elder statesman of rap gelingen. Kann sich manch anderer Rapper gerne eine Scheibe von abschneiden.

Trackliste

  1. 1. Forgiven
  2. 2. Threat 2 Society
  3. 3. Money In The Way
  4. 4. Statue Of Limitations
  5. 5. High Top Versace
  6. 6. Whip
  7. 7. NCAA
  8. 8. Momma I Hit A Lick
  9. 9. Rule The World
  10. 10. Girl's Best Friends
  11. 11. 2 Dollar Bill
  12. 12. I Said Me
  13. 13. I'm Not Crazy, Life Is
  14. 14. Sam

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3 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 7 Monaten

    "Momma I Hit A Lick" ist das Beste, was in einiger Zeit im Rap passiert ist

  • Vor 7 Monaten

    Finde das Album komplett gelungen. Vielleicht ist es nicht unkonventionell genug, um 5 Sterne zu bekommen, aber in seiner Konventionalität ist es Top.
    2 Chainz haut gefühlt mit jeder 2. Line ein Statement raus, und passt immer wieder perfekt auf die verschiedenen Beats. Lange kein Album so in dauerschleife gehört, wie dieses. Und selbst Sachen wie Kodak und Chance auf einem Track sind hier einfach stimmig.

  • Vor 7 Monaten

    Gutes Album, wenn auch der Vorgänger um einiges stärker war. Mir fehlen etwas diese extrem locker geflowten Parts, für die ich ihn immer so gefeiert habe (bei Whip zeigt er zB wieder so einen) - die gab es bei PGLTM auf Albumlänge. Desweiteren fehlt so ein richtiges Brett wie Riverdale RD und auch allgemein sind die Beats um einiges schwächer, tue mich leider oft schwer mit dem Poppigen Zeug.

    3/5