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Slut
StillNo1


LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Die Rückkehr von dem Projekt "Dreigroschenoper" zur Popmusik sei ihnen nicht auf Anhieb leicht gefallen, deuteten Slut im laut.de-Interview im Herbst an. Der Sound sei anders als vorher, pompöser auf jeden Fall. Nun denn, lasst mal hören!

Eine fast verträumte Gitarrenlinie macht den Anfang. "Sum It Up" fungiert mehr als Intro denn als eigenständiger Song. Und weist gleich einen gänzlich anderen Sound auf als noch der Vorgänger "All We Need Is Silence".

Von einem typischen Slut-Sound kann auch forthin nicht mehr gesprochen werden. Eine nervöse Klavierfolge führt in "Come On" ein. Doch als die Band einsetzt, wird es groß. Was für ein Juwel so früh im Album. Der Refrain "Come on please stay, cause I'm a little bit paranoid now, I'm scared, I'm afraid, once again" bleibt lange im Ohr.

In der Folge stellt sich nur die Frage: Ist die Band in der Lage, das zu toppen? Antwort: Ist sie nicht, doch sie hält das Niveau! Der Titeltrack mit seiner im positiven Sinne gefälligen Gesangslinie und den kristallklaren Gitarren geht ebenso ins Langzeitgedächtnis über wie die erste Single, das bedächtige Pianostück "Wednesday".

"If I Had A Heart" mit seiner 80er-Reminiszenz in der Gesangsmelodie klingt ebenfalls ungewöhnlich im Vergleich zu den homogenen Tracks des letzten Albums. Manchmal wirkt es fast, als sei die Stimme von Sänger Chris die einzige Konstante.

Abschrecken sollte man sich von einer solchen Einschätzung natürlich nicht, Slut wollen sicher nicht vor den Kopf stoßen, aber "StillNo1" braucht sicher mehrere Durchläufe, um anzukommen. Dann aber hat sie dich beim Wickel, die Band.

"Ariel" setzt die Fahrt in unbekannte Gewässer unbeirrt fort: Perkussive Beats und Synthie-Klangteppiche untermalen einen ungewöhnlich hoch singenden Chris - so hoch, dass man sich dezent an Thom Yorke erinnert fühlt.

Musikalisch das genaue Gegenteil verkörpert "Odds And Ends": Hüpfende Ausgelassenheit irgendwo zwischen Shout Out Louds und Mando Diao trifft den Slut-typischen Pathos-Overload.

Dagegen wirkt "Better Living" geradezu wohlig vertraut, bevor es mit "Failed On You" noch einmal in eine neue Richtung geht. Kaum verständlich klingt der Sänger anfänglich fast ein wenig wie der Sigur Rós-Frontmann Jón Þór Birgisson.

Das ruhelose "Tomorrow Will Be Mine" und das ursprünglich als Titeltrack angedachte, fast etwas beatleske "Say Yes To Everything" beschließen eine Platte, die zwei Dinge zeigt: Slut sind nicht auszurechnen. Und das ist gut so, denn mit "StillNo1" haben sich die Ingolstädter derart weiterentwickelt ist, dass es eine pure Wonne ist.

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