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Was war das für eine Aufregung im Frühjahr 2005 als das Debütalbum "Funeral" erschien. Indiefolk war auf einem Höhepunkt angekommen, die Konzerte des Kollektivs sorgten für zusätzliche Begeisterung. Alles völlig zurecht, auch in diesem Hause zeigte man sich beeindruckt, der Kollege Fuchs vergab gleich fünf Punkte. Resultat: "Funeral" schmückte laut.de als Album des Monats März.
Zwei Jahre später schlagen Arcade Fire also die "Neon Bible" auf. Die Implikationen, die der Titel trägt, liegen offen: Neon, eigentlich ein Edelgas, wirkt in der Beleuchtung doch eher billig, kalt, eher selten schmückend. Eine Neonbibel als billige und schnelle Absolution für unterwegs? Die Texte im Booklet gleichen vom Layout her Kapiteln aus der Bibel. Schon gleich zu Anfang wird klar: Arcade Fire malen Bilder in deinem Kopf. Genau das gelingt ihnen auch mit der Musik.
TRACKLISTE
Verhalten, aber hochmelodiös leitet "Black Mirror" das Album ein. Ganz langsam, fast unmerklich steigert sich der Song, halb auf englisch, halb auf französisch gesungen. Und genauso langsam beginnt man, sich in "Neon Bible" zu verlieren, ja, sogar zu verlieben. Die Stimme Win Butlers erleichtert das sich fallen lassen. Die Bläser und Streicher bereiten ein weiches Bett. Dann verschwindet "Black Mirror" wie ein Traum und weicht dem etwas schnelleren "Keep The Car Running". Hier schleicht sich so etwas wie Tanzbarkeit ein. Auch dieser Song steigert sich zum Ende hin. Was für ein Spaß wird das live werden!Der kurze Titeltrack stellt sich als einer der zurückhaltendsten auf dem Album heraus, doch ihm folgt der Hammer auf dem Fuß. Am Beginn von "Intervention" steht eine verdammt massive Kirchenorgel. Von dieser Stelle möchte ich mich tausend Mal am Tag wegblasen lassen. Butler singt leicht unterwürfig gegen das übermächtige Tasteninstrument an, erst als nach dem Refrain der Rest der Band zur Unterstützung eilt, gewinnt er etwas an Stärke. Hier ziehen Arcade Fire alle Register, im wahrsten Sinne des Wortes. Die volle Instrumentierung kommt zum Tragen, der Backgroundchor liefert sich ein äußerst liebliches Wechselspiel mit dem Sänger.Wieder deutlich leiser wird es mit "Black Wave/Bad Vibrations", wenn Régine Chassagne die erste Strophe singt und danach mit Ehemann Butler im Duett trällert. Nachdem der "Ocean Of Noise" durchschwommen ist, glätten sich hier die Wogen und ein schöner, leiser Song schwebt auf der Wasseroberfläche. Hier wiederum ist es der Frontmann, der sein ganzes Können unter Beweis stellt. Eine schönere Gesangslinie findet sich auf "Neon Bible" nicht. Zum Schluss des Stücks rufen mit der Bläsersektion ein paar äußerst verlockende Sirenen übers Meer.Wieder etwas schneller folgt "The Well And The Lighthouse", das gegen Ende allerdings das Tempo etwas verschleppt. Wiederum im oberen Geschwindigkeitsbereich angesiedelt, fast mit einem Rock'n'Roll-Rythmus versehen, stellt "(Antichrist Television Blues)" einen weiteren Höhepunkt dar. Hier klingt Win Butler fast wie Bruce Springsteen. Im hinteren Teil bricht der Song freudig aus und der Sänger fragt abschließend: "Tell me, Lord, am I the Antichrist?"Die Achterbahnfahrt neigt sich langsam dem Ende entgegen. Nach der rasanten Talfahrt folgt mit schöner Bläseruntermalung ein schattiger Abschnitt namens "Windowstill". Hier klingt, wie an anderen Stellen auch, dezent Kritik an den bestehenden Verhältnissen durch: "I don't want to live in America no more." Doch diese gefühlsmäßige Verschnaufpause weist schon darauf hin: danach kommt’s nochmal Dicke. Die Ahnung wird nicht enttäuscht, "No Cars Go", wiederum ein schön verschrobenes Duett Butlers und Chassagnes, lohnt das Hören bis zum Ende. Hier spielt übrigens wie auch beim Opener und bei "Keep The Car Running" ein ganzes Orchester mit, das in Budapest eingespielt wurde.Das langsam getragene, an Blues erinnernde "My Body Is A Cage" rundet "Neon Bible" ab. Arcade Fire werden den Erwartungen gerecht und haben ein Werk geschaffen, das den schmalen Grat zwischen Hörbarkeit und Sperrigkeit traumwandlerisch sicher beschreitet.MEHR INFO
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