laut.de-Kritik

Exquisite Teufelsbeschwörung mit prominenten Gästen.

Review von

Abseits gängiger Stereotypen bietet die griechische Musikszene seit langem wesentlich mehr, als Sorbas-selig zu den Klängen der Moussaka den Tzatziki zu tanzen. Rotting Christ, die Uraltmeister der Gegenkultur, befinden sich seit dem letzten Album "Aealo" in bestechender Hochform. Das ebenso exquisite wie unterhaltende "Rituals" markiert nun den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere. Elf Songs malen auf Teufel komm raus den Leibhaftigen an die Wand.

Was auf den flüchtigen Blick nach gängigem Beelzebub-Metal-Gedöns aussehen mag, entpuppt sich hier als hochinteressantes Konzept. Die ambitionierten Rottis graben hier echte (!) Überlieferungen verschiedenster Beschwörungsrituale aus und setzen diese in bandeigenen metallischen Zusammenhang. Aus den verschiedensten Teilen der Welt nehmen sie hierfür archaische Zeilen, die Metaphysiker, Ketzer und Okkultisten in grauer Vorzeit nutzten.

So gebären die hellenischen Berserker mit "Rituals" ihre authentische Variante bekannter Grimoires. Vergesst das "Necronomicon" oder "De Vermis Mysteriis". This is the real Thing! Nebenbei eignet sich die Platte hervorragend als galliger Seitenhieb gegen die von Rotting Christ seit jeher als fundamentalistisch und individualistenfeindlich verabscheute orthodoxe Staatskirche.

Alles was Spaß macht, kommt in den schwarzen Topf. Eine rudimentäre Prise Black Metal, ein Hauch Gothic, zum Abschmecken schleppender Doom, schwere Heavy Metal-Riffs und überbordend sinistre Atmosphäre. Das Songwriting ist erfrischend rund ("Les Litanies De Satan (Les Fleurs Du Mal)" oder "Του Θάνατου (Tou Thanatou)") und sollte auch viele Metalheads ansprechen, die ansonsten mit den Oberbegriff "Extrem-Metal" oder "Dark Metal" eher wenig am Helm haben. Alle Freunde dunkler Grenzgänger von Moonspell bis Primordial sollten ohnehin einen Versuch wagen. Ein höllisches Brückenalbum!

Auch großartige Gäste geben sich hier die Klinke in die Klaue. Neben Paradise Lost-Sänger Nick Holmes (im stolzen "For A Voice Like Thunder") treten u.a. auch Samaels Vorph oder Magus (Necromantia) auf. Frontman Sakis Tolis zeigt eine sehr variable Vorstellung. Growls, Chants, Wispern, Geschrei, Sprechgesang etc zitieren in wechselnden Gemütslagen Dämonen, Götzen und den Gehörnten herbei, wie es die ursprünglichen Quellen verlangen. Spätestens bei "देवदेवं (Devadevam)" mit Rudras Kathir als Gastpriester und "The Four Horseman" zappelt der Hörer willenlos im Netz dieses abseitigen Klangtempels.

Zwei Bestien stechen als besondere Anspieltipps heraus. "Του Θάνατου (Tou Thanatou)" erfrischt mit anmutiger, geradezu nobler Melodie und webt einen interessanten Chor-Flüster-Kontrast ein. So hypnotisch wie das Auge Saurons, so lichtlos wie Mordor. Doch der Höhepunkt und mit Abstand großartigste Gast steht noch aus:

Die wundervolle Danai Katsameni, Edelaktrice vom National Hellenic Theater, ist noch viel gruseliger und machtvoller als alle verdienten Herren auf dieser Platte zusammen. Ihre brillanten Vocals in "Ἐλθὲ Κύριε (Elthe Kyrie)" ("Komm', Herr") lassen all restliche Helligkeit der Welt welken wie (un)totes Gestrüpp. Als waschechte Voodoo-Magierin gibt sie den "Rituals" ihren pfortenbrechenden Tritt gen Raserei, Ekstase und Ankunft des ewigen Verneiners. Untopbares Charisma!

Wenn das Album dann sein Ende findet, ist man entweder so irre wie Renfield oder bestens unterhalten von echten Künstlern der Spitzenklasse. Es muss 2016 wahrlich viel passieren, diesen unheilvollen Monolithen vom verdienten Thron zu stürzen. Den goldenen Lovecraft am Bande haben sie jetzt schon verdient.

Trackliste

  1. 1. In Nomine Dei Nostri
  2. 2. זה נגמר (Ze Nigmar)
  3. 3. Ἐλθὲ Κύριε (Elthe Kyrie)
  4. 4. Les Litanies De Satan (Les Fleurs Du Mal)
  5. 5. Ἄπαγε Σατανά (Apage Satana)
  6. 6. Του Θάνατου (Tou Thanatou)
  7. 7. For A Voice Like Thunder
  8. 8. Konx Om Pax
  9. 9. देवदेवं (Devadevam)
  10. 10. The Four Horsemen
  11. 11. Lok’tar Ogar

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