laut.de-Kritik

Als wärs ein komischer Traum von Tim Burton.

Review von

Pure Freude? Oder pures Entsetzen? Für beide Reaktionen taugten Pur stets. "Schein & Sein" ist auf jeden Fall schon mal ein vorzüglicher und passgenauer Faust-aufs-Auge-Titel.

Wer böse sein will, könnte sich aus einzelnen Songtiteln problemlos eine Kurzkritik zusammenbasteln. Etwa so: "Der Bestmögliche Versuch" bedeutet nicht immer Gelingen, sondern driftet "Stark" in Richtung "Parkbank"-Mucke, wo eine tapfere "Lucy" "Jedesmal" hofft, Hartmut Engler und Konsorten würden endlich mal längst fällige persönliche "Hohlraumversiegelung" betreiben.

Die Starttracks "Schein Und Sein", "Ich Bin Dein Lied" und "Stark" vereinen alle altbekannten Zutaten der Pur-Historie: eingänig, harmlos, umarmungsselig. Die Ballade "Sacre-Coeur" kommt dann mit schöner Dramarturgie im Songwriting daher, während "Frei" mit spannender Beat- und Melodieführung überrascht, um im Refrain dann leider in die Niederungen der Schlager-Vorhölle abzustürzen. Überhaupt, der Versuch des harten E-Gitarrensolos bei "Geht Es Dir Gut" würde dergestalt nicht mal Carmen Nebel-Zuschauer abschrecken.

Pop- und Rockmusik wie eine Fototapete - alles irgendwie nicht richtig echt, was da vordergründig so knallig prunkt. Dazu passt das üppige Booklet-Artwork, das einmal mehr kräftig im Abenteuerland überschaubarer Phantasie wildert: Flugpioniere, niedliche Pinguine, ein Fußball-WM-Held und sogar eine Jack Sparrow-Kopie geben sich die Ehre. Als wärs ein komischer Traum von Tim Burton. Immerhin!

Ratlos macht dagegen "Leonie Tamina", dem man die reale Geschichte dahinter nicht absprechen möchte. Doch stellt sich die Frage, ob einem echten persönlichen Schicksal damit gedient ist, es in holprige Reime und Betroffenheitslyrik zu verpacken: "Nach sieben Jahren / und ein Dutzend OP's / war ihr Lachen das / was der Familie half". Hilfreich war im Falle des kranken Mädchens eine Delphin-Therapie - der Song endet folgerichtig mit fröhlichem Flippergeschnatter. Zurück bleibt peinliche Betroffenheit: Das Anliegen mag die Chance für TV-Auftritte von Beckmann bis Jauch aber sichern.

Die Songs wirken inhaltlich oft überladen bzw. geschwätzig und zelebrieren den Nährwert gutmenschlerischen TV-Abend-Talks. Pur wandern auf schmalem Grat. Denn was als Gesellschaftskritik gedacht ist, kann mitunter auch auf die eigene Arbeit umgemünzt werden: ""Nicht mal heiße Luft / die anzeigt / hier arbeitet ein Verstand / stattdessen treibt verbaler Ausstoß / uns an des Wahnsinns Rand". Hartmut Engler gibt dennoch unerschütterlich den 'Rebel without a cause'.

"Geht es dir gut / hast du noch Mut / hast du die Kraft / das auszuhalten?" Ganz so schlimm kommt es auf "Schein & Sein" nicht. Handwerklich ist das alles solide und sauber. Wirkliche Ecken und Kanten braucht man bei den Schwaben auch nicht zu erwarten. Wer sich musikalisch gern weich fallen lässt, dem garantieren Pur die sanfte Landung.

Trackliste

  1. 1. Schein Und Sein
  2. 2. Ich Bin Dein Lied
  3. 3. Stark
  4. 4. Sacre–Coeur
  5. 5. Frei
  6. 6. Der Bestmögliche Versuch
  7. 7. Geht Es Dir gut
  8. 8. Jedesmal
  9. 9. Du Lügst
  10. 10. Lucy
  11. 11. Leonie Tamina
  12. 12. Hohlraumversiegelung
  13. 13. Parkbank
  14. 14. Der Trick Dabei

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