laut.de-Kritik

"DJ Ickarus" offenbart sein wahres Ich.

Review von

Paul Kalkbrenner hat seit seinem Filmerfolg "Berlin Calling" und der anschließenden Tour 2009 nur wenige ruhige Minuten gehabt. Der Ruhm, der ihm durch die Hauptrolle "DJ Ickarus" in dem preisgekrönten Streifen von Hannes Stöhr zuteil wurde, mag für ihn Fluch und Segen zugleich gewesen sein. Viele neue "Fans" kamen hinzu, alteingesessene Anhänger aus frühen Bpitch-Zeiten warfen ihm angewidert "Ausverkauf" vor. Vor allem die Verwechslung und Vermischung des Künstlers Paul Kalkbrenner mit dem fiktiven Ickarus war oft problematisch.

Nun zeigt Paul Kalkbrenner mit seiner DVD "2010 - A LIve Documentary" sein wahres künstlerisches wie privates Ich. Die Kamera begleitet den House-Hypnotiseur auf seiner ausgedehnten Live-Tour durch Europa. Der Aufbau der DVD ist zweigeteilt. Im ersten Teil hat man die Möglichkeit, zehn Aufnahmen verschiedener Tracks und Remixe aus unterschiedlichen Städten, Hallen und Festivals nachzuerleben.

Aufwändige Kamerafahrten, Schnitte und Kamerafilter bewältigten die knifflige Aufgabe, das "Lebendige" eines solchen Auftritts einzufangen. An einigen Stellen, etwa bei Paules Heimspiel in der Arena in Berlin-Treptow vor 9000 Fans kann man sich der Gänsehaut wirklich nicht erwehren. Besonders dann, wenn er nach scheinbar unendlich hinausgezögerten Break endlich die erlösende Bassdrum in die Menge hämmert.

Der zweite Teil ist der eigentliche Dokumentarfilm. Die zwölfköpfige Tour-Crew wird vorgestellt. Vom Busfahrer über den Manager bis zu dem ebenfalls als Musiker erfolgreichen Bruder Fritz Kalkbrenner kommen die verschiedenen Weggefährten zu Wort. Reise- und Auftrittsequenzen, glückliche Fans und tiefe Augenringe vermitteln einen Eindruck des hektischen Touralltags.

Paul verrät im Interview, dass ihm durch die globale Vernetzung jeder Gig mittlerweile wie ein Heimspiel vorkomme. Natürlich merkt man aber die Unterschiede zwischen frenetischem Balkanvolk und reservierteren Mitteleuropäern. Sie alle eint der nur zu freiweillige Messdienst bei den Live-Auftritten ihres Idols.

Kalkbrenners hübsche Freundin, Simina Grigoriu, kommt praktischerweise aus dem selben Metier und ist im DJ-Fach zu Hause. Es war also nur logisch, sie als Support-DJ mit auf Tour zu nehmen. Siminas ruhige Art und der Rückhalt, den sie ihrem Freund gab, wirkten sich positiv auf den sonst Männer-dominierten Tournee-Tross aus, scheint es.

Pauls Manager hingegen kommt geschäftstüchtig und seinem Job entsprechend trocken rüber. Man merkt ihm dennoch die Leidenschaft für dieses Tourprojekt und die freundschaftliche Zusammenarbeit mit seinem besten Pferd im Stall an. Er fasst das seit Jahren bestehende Arbeitsverhältnis lapidar zusammen: "Paul macht die Musik, ich die Anrufe."

Die signalgelbe Aufmachung der DVD verspricht nicht zu viel: Man darf 128 authentische Minuten mit viel kalkgebranntem Rave'N'Roll erwarten. Paul punktet mit seinem uneitlen Auftreten und Verbundenheit zu den Fans, z.B. wenn er als Kartenabreisser vor seinem eigenen Auftritt in Istanbul zu sehen ist. Zudem ist die Einbindung fast aller Tour-Mitarbeiter in das Doku-Geschehen ein Alleinstellungsmerkmal dieses Films.

Trackliste

  1. 1. Altes Kamuffel
  2. 2. Dockyard
  3. 3. Aaron
  4. 4. Square 1
  5. 5. Zulu
  6. 6. Since 77
  7. 7. Wait For Me
  8. 8. Gigahertz
  9. 9. Wir werden sehen
  10. 10. Sky & Sand

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20 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    Ja, das Gefühl wenn jeder Depp quasi durch Zufall grandiose Musik hört stört mich auch immer wieder, aber da sehe ich drüber hinweg. Die Leute hören in ein paar Monaten wieder Scooter oder dergleichen, so what. Passiert immer wieder, da darf man sich nicht zu sehr aufregen. ;)

  • Vor 3 Jahren

    irgendwie auch nix neues mehr...

  • Vor 3 Jahren

    Dummfug, was ihr da zum Teil vom Stapel lasst. Neufans gibt es zu Hauf, aber gleich mit "Scooter-Hörern" zu vergleichen ist nivealos. PK hat nun mal weltweit Fans, und macht diese Musik nicht nur für "alt-Fans", dann würde er weiter ausschließlich in kleineren Clubs spielen. Ziel eines JEDEN Musikers/Künstlers ist es, berühmt zu werden. Außerdem habt ihr "Altfans" seine Musik nicht gepachtet! Musik ist für ALLE da, ob Kommerz oder nicht.
    Und andere Musik wie "Scooter-Musik" als schlecht zu bezeichnen ist auch nicht richtig. es gibt keine gute oder schlechte Musik. Gut ist das, was gefällt meine Damen und Herren! ;-P