laut.de-Kritik

Wieder diese Melodien, deren Einfachheit die Schönheit ausmacht.

Review von

Wahrscheinlich wäre man enttäuscht, wenn Oasis plötzlich anders klingen würden. Tun sie aber nicht. "Heathen Chemistry" klingt nach Oasis, wie man sie kennt. Bei den von Noel geschriebenen Stücken wirkt es teilweise schon fast ein wenig zu abgekaut. Was wohl daran liegt, dass der Mann - trotz dem ewigen Vorwurf, nur Beatles-Plagiate zu schreiben - einen ganz eigenen Stil hat. Und der erinnert einen beim Hören neuer Songs immer an ihn selbst. So kam es, dass ich bei "Force Of Nature", das mit einem Iggy Pop-Beat einsteigt, alle alten Oasis-Platten durchhörte um den Song zu finden, der sich genau so anhört. Den gab es aber gar nicht.

Zwischenbilanz: "Heathen Chemistry" ist ein nettes neues Oasis Album, um das es viel Wirbel geben wird, das man so oder ähnlich aber schon gehört haben könnte. Groß sind die beiden Vorab-Auskopplungen. "The Hindutimes" ist ein fetter Tanzbodenkracher, der alles gibt, was Oasis zu bieten haben: catchy Melodien, fette Gitarren und druckvoller Bass. "Stop Crying Your Heart Out" kommt einem beim ersten Hören vielleicht vor wie eine schreckliche Schnulze. Doch je öfter man das Stück hört, desto mehr wächst die Melodie und man entdeckt hinter dem, was man erst für Kitsch hielt eine vorsichtige Zurückgenommenheit. Die fragile Schönheit beginnt sich langsam zu entfalten, man spürt eine angenehme Melancholie. "You'll never change what's been and gone/ May your smile/ Shine on." Ich bin traurig und glücklich zugleich.

"Hung In A Bad Place" wurde von Gem Archer geschrieben, man hört jedoch kaum einen Unterschied zu Noels Kompositionen. Ein solider Oasis-Song, das war's dann aber schon. "Songbird" ist der erste von drei Liam-Kompositionen auf dem Album. Auch hier regiert ein wenig die Belanglosigkeit. Er erinnert an "Little James", Liams Beitrag auf "Standing On The Shoulder Of Giants". Wieder eine Huldigung an seine Familie. Mit "Little By Little" folgt eine schöne Popballade, die von der variablen Gallagher-Stimme Noels veredelt wird. Mit der Zeile "I know that that sounds foolish but it's true" beschreiben sie den Text, der den Psychologenzeigefinger erhebt, selbst ganz gut.

Das rein instrumentale "A Quick Peep" hat Andy Bell geschrieben. Deutlicher könnte man seine Ride-Vergangenheit nicht hören. Ein psychedelisch angehauchtes, verdammt gutes Stück Musik. Spätestens hier merkt man, dass es für Oasis nur den Weg gab, endlich alle Bandmitglieder schreiben zu lassen, um nicht in unerträglicher Eintönigkeit zu enden. "(Probably) All In The Mind", eine sehr eingängige Sommerpopballade, schafft es immer wieder, die Intensität des Stückes zu verdichten, zwischendurch den Gitarren freien Lauf zu lassen und mit Einsatz des Gesangs wieder auf den Punkt zu kommen.

An "She Is Love" scheiden sich die Geister: Noel und Kollege Friedrich halten den Song für große Klasse, ich denke eher an einen späten John Lennon, der Instrumente im Hintergrund einsetzt, die sich auch in Kirchen- und Kinderliedern finden. Dazu hippyeskes Geklatsche und eine Akustikgitarre. Aber eins muss man diesem Stück lassen: Es hat wieder diese unglaubliche Oasis-Melodie, deren überlegte Einfachheit die Schönheit ausmacht.

Mit "Born On A Different Cloud" und "Better Man" folgen zwei Stücke, bei denen ich sofort dachte: Ist Liam vielleicht doch der bessere Songwriter der Gallagher-Brüder? Oder kann er einfach nur besser bei den Beatles klauen? Letzteres macht er auf jeden Fall sehr schön, bewahrt dabei immer seine Identität. Heraus kommen wunderbare Melodien, Harmonien und sehr, sehr schön anzuhörende Songs. Nicht ganz so direkt nach vorne wie die von Noel. Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb die besten des Albums.

Trackliste

  1. 1. The Hindutimes
  2. 2. Force Of Nature
  3. 3. Hung In A Bad Place
  4. 4. Stop Crying Your Heart Out
  5. 5. Songbird
  6. 6. Little By Little
  7. 7. A Quick Peep
  8. 8. (Probably) All In The Mind
  9. 9. She Is Love
  10. 10. Born On A Different Cloud
  11. 11. Better Man

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4 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 9 Jahren

    @laut.de (« "Songbird" ist der erste von drei Liam-Kompositionen auf dem Album. Auch hier regiert ein wenig die Belanglosigkeit. Er erinnert an "Little James", Liams Beitrag auf "Standing On The Shoulder Of Giants". »):

    Ich weiß das es schon eine Weile her ist, aber DAS geht nun wirklich nicht :eek:

  • Vor 9 Jahren

    Little James - In meinen Augen ein unvollkommenes, unreifes, langweiliges Lied ohne jegliche Originalität, das im Übrigen Noel zufolge nur auf SOTSOG erschienen ist um Liam im Bezug auf seine Songschreiberfähigkeiten etwas aufzubauen.

    SongBird - Ein erfrischendes, erheiterdes, lebendiges, geiles Stück Musik.
    Kurz und knackig, so wie's sein soll
    Also bei meiner Oasis-All-Time-Favorits-Liste kriegt Songbird ohne Frage einen Top 5 Platz

  • Vor 3 Jahren

    Gott warum hasst die Welt dieses Album denn so ? Saemtliche Magazine zuecken die schlechteste Wertung. Ich finde es ist sogar ihr bestes nach Morning Glory und Dig Out. Mit Maybe konnte ich bis auf Live Forever nie was anfangen.
    Im neuen ME ist uebrigends ein toller Dossier ueber die Band.

    • Vor 3 Jahren

      Für mich sind Oasis ja von Album zu Album konstant schlechter geworden (wenn man den "Masterplan", wie es ja streng genommen sein müsste, auf vor 1997 datiert). Bloß "Dig Out Your Soul" fällt da aus der Reihe, das fand ich tatsächlich auch sehr sehr cool.