Der Kölner Musiksender Viva hat dem Major-Label Universal Music Sendeplätze für deren Künstler verkauft. Skandal!, schreien jetzt die Anderen.

Köln (mmö) - In Köln ist das Wort Klüngel ja nicht negativ besetzt. Das hatte wohl auch Viva-Chef Dieter Gorny im Sinn, als er sich im September 2002 mit Universal-Häuptling Tim Renner traf. Bei einem Meeting der beiden wurde die Idee geboren, Universal Sendeplätze in Vivas Rotation gegen gutes Geld einzuräumen.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, Viva habe Universal 50 Sendeplätze für Videos der Firma angeboten, Universal sollte dafür 18.000 Euro pro Video, also 900.000 Euro zahlen. Außerdem sollte Viva mit ca. 20 Cent an jeder verkauften CD der rotierenden Künstler beteiligt werden.

Der Hintergrund: jede Woche werden nur sechs bis acht Videos in die Rotation des Musikfernsehens aufgenommen, die nicht ohnehin schon in den Charts vertreten sind und somit auf Viva laufen. Selbstredend sind diese Plätze bei den Künstlern, vor allem aber bei den Plattenfirmen, die ihr Geld in die Produktion der Videos stecken, sehr begehrt.

Wird das Video nicht in die Rotation aufgenommen, und ist es auch nicht in den Hitparaden vertreten, läuft es nicht im TV - die Labels haben das Geld in den Sand gesetzt. Dieses Problem wollte Universal, die übrigens mit 15,3% bei der Viva Media AG beteiligt sind, durch den Deal umgehen.

Diese Verabredung wurde nicht vertraglich festgehalten, zu heikel war das Thema wohl. Für Viva ist das Geld wichtig, Universal muss sich auf einem hart umkämpften Markt behaupten, der überdies noch in der Krise steckt. Demzufolge möchte niemand die Absprache zugeben.

Viva könnte, nachdem der unlautere Wettbewerb bekannt geworden ist, auch medienrechtliche Probleme bekommen. Bereits bei der Gründung des Senders vor zehn Jahre stellte sich die Landesanstalt für Rundfunk die Frage, ob die redaktionelle Unabhängigkeit bei einem von der Industrie dermaßen abhängigen Medium gewährleistet sein kann. Der Deal mit Universal könnte als Werbeabsprache gewertet werden.

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