Der Element Of Crime-Chef bleibt dabei: Downloader überschreiten die Grenze zum Asozialen und treffen damit nicht Labels oder GEMA, sondern Musiker.

Berlin (aba) - Vor ziemlich genau einem Jahr gab Element Of Crime-Sänger Sven Regener dem Zündfunk ein Interview, das als 'Wutrede' riesige Wellen schlug. Der Wahl-Berliner ließ seinem Frust über die öffentliche Verteufelung der Verwertungsgesellschaft GEMA freien Lauf und kritisierte im gleichen Atemzug die Geschäftsmodelle der angeblich coolen Großkonzerne Google und Youtube.

"Es gibt eine Grenze zum Asozialen"

"Ich habe keine Probleme mit dem Internet oder damit, dass man sich mal Sachen umsonst besorgt", bilanziert der Sänger mit einigem Abstand den medialen Wirbel um seine Aussagen im Gespräch mit laut.de.

"Es gibt aber eine Grenze zum Asozialen, eine unsichtbare Linie. Die wird meiner Ansicht nach zu oft überschritten, ist ja auch nicht so schlimm. Aber dann soll man nicht auch noch so tun, als ob das irgendwie toll wäre. Das hat mich genervt, vor allem die Leute, die diese asoziale Haltung propagiert haben, oder auch Urheberrecht für alle", so Regener.

"Es war an der Zeit, das auszusprechen"

Diese Menschen müssten verstehen, dass ihre Anti-Haltung bezüglich Plattenfirmen letztlich auch alle Künstler treffe: "Denn damit werden wir zu Idioten erklärt. Und wir sind ja keine Idioten, wir machen die Verträge mit den Firmen ja nicht, weil wir doof sind, sondern weil das eine große Möglichkeit ist, die Sache auszuwerten (...) Es war an der Zeit, das einmal auszusprechen, weil es ja auch etwas damit zu tun hat, wie die Gesellschaft insgesamt mit Künstlern und mit Kunst umgeht.

Und inwieweit sie bereit ist, dafür zu zahlen oder der Meinung ist, das müssten andere für sie tun. Der Steuerzahler oder sonstwer. Oder die, die sich das noch richtig legal runterladen oder kaufen. Ich glaube, dass diese ganzen Entschuldigungen nur vorgeschoben sind, aber das ist ein ganz banaler Standpunkt. Ich habe viele Musiker gesprochen, die gesagt haben: Ja, gut, dass das mal einer gesagt hat. Aber Bock hat da keiner groß drauf, ich auch nicht."

"Bei der Debatte geht es darum, wie man sich selber verhält"

Es gehe bei der Diskussion auch nicht um den ständig geäußerten Vorwurf der Internetsferne, wie Regener noch einmal klarstellt: "Es geht darum, wie man sich selber verhält. Und da sollte sich einfach jeder genau überlegen, ob das, was er macht, richtig ist oder bis wohin es vertretbar ist und wo nicht mehr. So seh ich das."

Das vollständige Interview, in dem Sven Regener und Leander Haußmann über ihren gemeinsamen Film "Hai-Alarm am Müggelsee" sprechen, zu dem Regener auch die Filmmusik beisteuerte, lest ihr in Kürze auf laut.de.

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47 Kommentare mit 9 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Dieser Kommentar wurde vor einem Jahr durch den Autor entfernt.

  • Vor einem Jahr

    @Skywise ("Für weit ausschlaggebender halte ich den simplen Punkt, daß Musik für viele Konsumenten einfach keinen Wert mehr hat. Da werden Datensammlungen aufgebaut auf Deubel komm raus, aber eine echte Wertschätzung der Musik oder eine ernsthafte Beschäftigung mit dem jeweiligen Output findet doch heute nur noch in den seltensten Fällen statt, das meiste fällt eher unter den Bereich "Konsum statt Kunst".") Wie kommt man auf die Idee, dass man Musik nicht mehr wertschätzt, nur weil man dafür nicht blechen möchte/kann? Man gibt Musik den Wert, wenn man sie hört und nicht indem man sie kauft.

  • Vor einem Jahr

    @RhinoRaiser:
    Welche Einstellung muß man besitzen, einem Urheber oder Interpreten - und sei's auch nur in Gedanken - gegenüberzutreten und zu erklären, daß man sein Stück XY schätzt, wenn man keinen Cent dafür locker gemacht, sprich: eben diesem Menschen für dieses wertgeschätzte Stück ein Entgelt vorenthalten hat, obwohl dieses von ihm gefordert wurde?
    Gruß
    Skywise

    • Vor einem Jahr

      Das stimmt absolut, Künstler müssen auch Geld verdienen.

      Aber den wahren "Wert" von Kunst kann man in Geld ja nicht messen, der entsteht erst bei der Betrachtung / beim Hörgenuss.