Für das Vorwort unserer Reihe "Die Frau In Der Musik" äußern sich Tori Amos und Steven Wilson über die Rollenverteilung von Frau und Mann im Rock.

Konstanz (dani) - Schon komisch, wie sich manche Leute zieren. Die Frau in der Musik: doch eigentlich ein Thema, mit dem sich musikmachende, musikinteressierte Menschen irgendwann schon einmal konfrontiert gesehen haben müssten. Die Suche nach Autoren für die Vorrede zu Sven Kabelitz' "Die Frau in der Musik"-Reihe sollte sich also nicht allzu kompliziert gestalten.

Für die etwas bemüht "Rock, Art-Rock und Folk" betitelte Folge (die eigentlich "Großartige Rock-, Blues-, Art-Rock und Folk-Legenden aus den 1960ern und 1970ern, ergänzt um Country, Beat Music und einige nicht weniger tolle Nachfolgerinnen aus den 1980ern" hätte heißen müssen), fragte der Kollege gewohnt frohgemut in die Runde - und kassierte von deutschen Rockern Absage um Absage.

Man "stecke nicht tief genug drin, in der Thematik", befand der eine. Frauen in diesem Gebiet müsse man "mit der Lupe suchen", drückte sich der nächste. Na gut! Wenn die hiesige Szene nicht kann oder will, dann werfen wir eben jede Bescheidenheit über Bord, und fragen die, die einem eigentlich zwei bis drei Nummern zu groß vorkommen. Die gingen dann liebend gern an Bord. Die großartige Tori Amos nämlich, und Mr. Porcupine Tree, Steven Wilson.

Tori Amos beklagt: "Eine beunruhigende Entwicklung"

"Für die großen Labels geht es momentan mehr um Show und Entertainment", teilt Tori Amos ihre Einschätzung der Lage mit uns. "Für mich ist das eine sehr beunruhigende Entwicklung. Ich schätze die Künstlerinnen, die heutzutage große Hallen füllen und das Publikum unterhalten. Sie machen das toll. Aber das hat alles nur noch wenig mit der Künstlerin selbst zu tun. Die meisten Songs, die vorgetragen werden, wurden von professionellen Songwritern geschrieben. Dadurch verliert das Ganze an künstlerischer Authentizität (...) Natürlich gab es immer wieder Momente, in denen ich es als Mann einfacher gehabt hätte. Für eine Künstlerin über 50 ist es ein stetiger Kampf. Es gibt schon Gründe dafür, dass heutzutage weit mehr ältere Männer als Frauen im Musikbusiness unterwegs sind. Es liegt aber nicht daran, dass es nicht genug Frauen gibt, die das Zeug dazu hätten. Es ist einfach so, dass Männer bei den großen Labels ein besseres Standing genießen." Sie betont in ihren Ausführungen besonders die Hürden, die ältere Frauen im Musikgeschäft nehmen müssen.

Steven Wilson rät: "Erweitere deinen Horizont!"

Ihm fehlt zwar notgedrungen die Innenperspektive. Steven Wilson gibt aber jedem, der behauptet, es gebe keine oder nicht genug Frauen im Prog-Rock, trotzdem den guten Rat mit auf den Weg: "Fang' an, deinen Horizont zu erweitern!" Er erkennt durchaus Unterschiede zwischen den Geschlechtern: "Generell würde ich sagen, du triffst deutlich weniger Frauen, die mehr an Technik als an Emotion interessiert sind. Sich an Technik und Geschwindigkeit aufzuhängen und dabei die Wichtigkeit von Emotion, Raum und Stille in der Musik zu vergessen ist, glaube ich, eher ein Männer-Ding. (...) Frauen sind manchmal in der Lage, breitere Bilder zu sehen. Und so etwas kann sich dann eben auch in der Musik niederschlagen. Die besten Kombinationen kriegst du wie immer mit beiden Perspektiven."

Beide Perspektiven in voller Breite und Schönheit, und obendrein eine Liste mit 30 + 1 Frauen im Rock, Art-Rock, Folk und was sich sonst noch so alles unter diesem Dach versammeln lässt, bekommt ihr am Freitag serviert - in der 9. Folge der Reihe "Die Frau in der Musik". Zur Überbrückung empfehlen wir so lange die bisherigen Ausgaben.

Fotos

Steven Wilson und Tori Amos

Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Simon Langemann) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Steven Wilson und Tori Amos,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

Weiterlesen

laut.de-Porträt Tori Amos

Eigentlich spielt Tori Amos nur Klavier und singt dazu. Aber das tut sie eben einmalig schön. Sie erblickt am 22. August 1963 als Myra Ellen Amos in …

laut.de-Porträt Steven Wilson

Das Jahr 1967 ist nicht nur die Geburtsstunde des Beatles-Jahrhundertalbums "St. Peppers Lonely Hearts Club Band" oder von Jimi Hendrix Gitarren-Lehrstunde …

4 Kommentare