2009 begann in den USA der Aufstieg von Cloud Rap zum Massenphänomen. Auch bei uns bringen Gangs inzwischen frischen Wind ins Game.

Deutschland/Österreich (ton) - Rapper und Produzenten im Cloud Rap verfügen über eine ausgeprägte Do-It-Yourself-Attitüde. Videos entstehen mit sehr geringem Budget. Die noch unfertig produzierten Songs erscheinen über YouTube und Soundcloud. Die gängigen Vermarktungsstrategien haben im Cloud Rap keine Gültigkeit mehr. Die Songs schweben in einer virtuellen Wolke.

Von der virtuellen Wolke zum Massenphänomen

Das Album "6 Kiss" des kalifornischen Rappers Lil B, der mit "I'm God" die erste Hymne dieser Bewegung liefert, löste 2009 die Cloud Rap-Welle aus. Produzenten wie Main Attraktionz, Clams Casino und A$ap Rocky erlangten große Bekanntheit. Inhaltlich geht es um emotionale, sozialkritische und teils philosophische Themen. Das sieht bei den deutschsprachigen Akteuren allerdings ein wenig anders aus:

Die 25 besten deutschsprachigen Cloud Rap-Songs

Hustensaft immer dabei

Der Schwede Yung Lean versucht Anfang der 2010er, die Attitüde der amerikanischen Vorbilder zu kopieren, avanciert aber für viele deutschsprachige Cloud-Rapper zum Vorbild. Lean trägt in seinen Videos oft einen Hustensaft (engl.: "lean") mit sich herum, der als Aushängeschild der Bewegung dient.

Von Hamburg bis Wien

Das "Swag Tape" des Salzburgers Crack Ignaz aus dem Jahr 2012 gilt gemeinhin als der Startschuss für die Cloud Rap-Welle im deutschsprachigen Raum. Reduzierte, langsame Beats und Synthie-Wolken dominieren von nun an den Sound. Um ihn als Impulsgeber bildet sich zwischen Salzburg und Hamburg die Glo Up Dinero Gang, die im Gefolge des Swaggers MoneyBoy über soziale Netzwerke wie Twitter immer mehr Anhänger gewinnt. Neben Hoffnungsträgern wie dem Kölner LGoony schließen sich auch der Münsterländer Juicy Gay und die Hamburgerin Haiyti an. Zwischen den Trap-Konstruktionen LGoonys, der Raperfahrung Hayitis und dem verdrogten Swag vom Hustensaft Jüngling und dem Medikamenten Manfred liegen qualitativ allerdings Welten.

Spaß an der Provokation

Im Gegenzug bildet sich vor allem in Österreich die Berg Money Gang heraus, eine lose, um Authentizität bemühte Gruppe von Rappern mit Spaß an der jugendlichen Provokation. Zu den Vorreitern zählen der Salzburger Young Krillin und der Wiener Yung Hurn, der mittlerweile beim Künstlerkollektiv Live From Earth agiert.

Verdrogte Synthieschwaden, massiver Autotuneeinsatz zu zeitgemäßem Trap und Nonsense-Texte, die im Falle von Yung Hurn auch spontan während einer Zigarettenpause entstehen können, zeichnen den Stil dieser Crew aus. Viele Künstler beziehen sich auf die professionell unprofessionelle Realness eines MoneyBoy und pflegen Kontakte zur Glo Up Dinero Gang.

Mehr als nur ein kurzlebiger Trend

Das kreative Potenzial dieser Szene sprudelte in den letzten Monaten über. In rasantem Tempo erscheinen über Soundcloud und Bandcamp neue Tracks, Mixtapes und Alben, die inzwischen teils qualitativ hochwertig produziert sind. Neue Shootingstars wie der Stuttgarter Rin und der Berliner Marvin Game lassen ahnen, dass dieses Phänomen nicht so schnell aus dem Fokus der Wahrnehmung verschwinden wird wie viele andere musikalische Trends in den letzten Jahren.​​​​​

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