Hipster, Normalos, Freaks und vier prall gefüllte Festivalbühnen auf dem Flughafen Tempelhof!

Flughafen Tempelhof (jas) - Erst kürzlich beschallten Die Ärzte und Die Toten Hosen den Flughafen Tempelhof: Das feine Gelände kam einem beim Berlin Festival noch größer vor als sonst. Vielleicht standen aber auch nur weniger Spaßbuden rum.

Wie auch immer: Auf jeden Fall steht übers Wochenende wieder ein Kessel Buntes an. Neben Arty Farty, Hipstern, Normalos, Freaks und bunten Vögeln gabs am ersten Tag vor allem vier prall gefüllte Festivalbühnen!

Fotogalerie Berlin Festival

Dabei standen die 80er und 90er Jahre wieder eindeutig im Vordergrund - und das Highlight namens Blur stand sowieso schon von Anfang an fest.

The Sounds legen mit tanzbarem 80s-Synthiepop ihre souveräne Show auf der Hauptbühne hin. Die Schweden heizen der noch kleinen Menge bereits am frühen Abend ein. Sängerin Maja steppt stets im Vordergrund und wirbelt zu wilden Gitarren über die Bühne. Ähnlich blond, dominant und so 80er: Mieze von Mia. Die Fans mögen das. Jede Menge Hits, u.a. "Ohne Fallschirm", fliegen auf dem Tempelhof. Das passt. Aber an den Kostümen könnte die Band noch feilen.

Schminke, Tanz und Esoterik

Ein guter Zeitpunkt, um sich mal im Art Village umzusehen. Das ist mit viel Liebe eingerichtet: Auch große Kinder lassen sich beispielsweise schminken und posieren anschließend für die Fotografen. Wer esoterisch angehauchte Tanzperformance oder skurrile Pantomime liebt, ist hier ebenfalls bestens aufgehoben.

Uns ziehts derweil zurück zu Get Well Soon. Der melancholische Schwabe Konstantin Gropper lädt mit Band in den Hangar zur schwermütigen Singer/Songwriter-Show. Sein Kernthema bleibt der Weltuntergang, den wir an diesem Abend in der Haupstadt zum Glück nicht erleben.

Pet Shop Boys, Tomahawk, Left Boy ...

Ein freudiges Wiedersehen gibts für die Fans des englischen Popduos Pet Shop Boys. Die beiden waren zur Weltpremiere des elften Albums "Elysium" bereits vergangenes Jahr in Berlin, nun packen sie ihr Hitpackage vor einem größeren Publikum aus.

Und alle Tanzstürmer sind am Start, u.a. "West End Girls", "It's A Sin", "Suburbia" oder "Always On My Mind" und die ungemein massentaugliche Hymne "Go West". Sänger Neil Tennant hatte sich natürlich extra hübsch gemacht - mit einem Lady Gaga-inspirierten Outfit. In Kennerkreisen auch 'Rabenschwarzes Flattertier' genannt. Die Tanzparty ist jedenfalls eröffnet.

Wers lieber rockiger mag, wechselt rüber zu Tomahawk: Mike Patton und Co. zeigen, was eine richtige Rocktruppe ist. Um den Kontrast noch zu toppen, heißt es nach der Halbzeit aber 'Tschüss Mike' und 'Hallo Left Boy'. Der schleppt zahlreiche Tänzer in den Hangar 4. Hier tummeln sich vor allem die jungen Leute, und man lernt von der eigenen Nichte: "Der kommt aus Österreich und ist so 'ne Art Multimediakünstler". Für die Tante bleibt das einfach Hip Hop.

Endlich - Blur

Dann schlägt (nicht nur) das Tanten-Herz höher: Blur geben sich die Ehre und absolvieren ihre einzige Deutschlandshow. Vor neun Jahren traten die Engländer hierzulande das letzte Mal auf und dementsprechend groß ist die Euphorie.

Anderthalb Stunden folgt Hit auf Hit und ein immer noch jugendlich frecher Damon Albarn, der sein Publikum auf Deutsch begrüßt, die Sprache, die er vor über 20 Jahren mal gelernt hat. Alex James ist und bleibt dazu eine coole Socke. Nicht nur weil er eigenen Käse herstellt, sondern weil er gleich beim ersten Gassenhauer ("Boys & Girls") mit Kippe im Mund lässig den Bass und die Hüften schwingen lässt.

Sie spielen wirklich alles!

Blur spielen dann wirklich alles! "There's No Other Way" fehlt nicht, genauso wenig wie "Beetlebum" oder "Country House". Und spätestens als Überraschungsgast Phil Daniels bei "Parklife" auf die Bühne hüpft, tobt die Menge. "Trim Trabb", "To The End" und das großartige "Tender" runden das Repertoire ab.

Und ja, Graham Coxon performt sogar seinen Solotitel "Coffee & TV": Er sieht dabei noch immer so unglücklich aus, als wolle er am liebsten im Erdboden versinken. Bei der Zugabe halten dann wirklich alle die Hände in die Höhe, nur um bei "Song 2" völlig auszurasten. Puste weg, aber so was von glücklich!

Abflug am Samstag

Auch der Samstag beginnt mit herrlichem Spätsommerwetter. Die Stimmung ist spitze - trotz Blurmania-Schädel, der finale musikalische Abflug kann kommen. Einen guten Start erwischen gleich Savages. Endlich mal wieder Frauen auf der Bühne, wobei ihr düsterer Postpunk eher was für den späteren Abend ist - am besten in nebeliger Atmosphäre.

Wütende Gitarren, knochentrockener Bass und eine Knaller-Schlagzeugerin. Die muss mit Sicherheit nicht mehr in die Muckibude. Sängerin Jehnny versucht sich dazu im Ausdruckstanz und wandelt zwischen Annie Lennox und Patti Smith. Auf jeden Fall merken, die Band aus London!

Wortakrobat goes Stadionrock

Casper gibt den eher vergnügten Gegenpart auf der Mainstage. Festivalerprobt in diesem Sommer legt er entsprechend los. Die Menge bespaßen kann er. Der Vorzeige-Rapper mit dem freundlichen Blick hält sein Publikum mit den richtigen Worten und Animationen in Bewegung.

Vor allem die weiblichen Zuschauer sind entzückt. Die einen mögen ihn, die anderen nicht - ein guter Liveact ist der Bielefelder auf jeden Fall. Wortakrobat goes Stadionrock.

Tinnitus ahoi!

Bei My Bloody Valantine fliegen einem gleich mal sämtliche Eingeweide weg. Schon die aufgestapelte Verstärkerwand von Soundmaster Kevin Shields lässt einiges erahnen. Aus Köln Angereiste, die die Kult-Indies bereits zwei Tage zuvor anbeteten, hielten sich diesmal in den hinteren Reihen auf.

Nach fast 21 Jahren kommen die Noise-Experten mit dem neuen Album "MBV" im Gepäck: Und es dröhnt von allen Seiten. Neben Kevin verantwortet Gitarristin Bilinda Butcher die fette Monsterwand. Ihren Bass wählt sie farblich passend zum Kleid (oder auch umgekehrt), aber das bleibt Nebensache: Bude voll, Ohr kaputt, Indie glücklich.

Balsam für die Ohren

Zum Glück bringt Björk einen später ordentlich runter. Fast Balsam für Ohren und Seele. Auch wenn ihre letzte Platte "Biophilia" bei Volk und Journalisten weniger gut ankam, bleibt die Isländerin ein Highlight. Die Pop-Diva lässt sich nur selten auf Bühnen blicken und gibt in Berlin ihr einziges Deutschlandkonzert.

Stimme und Stimmung sind wie immer einzigartig, inklusive Frauenchor und Funkensprühen. Die einen finden sie 'irre', andere 'künstlerisch im Einklang mit Musik und Kosmos'. So oder so genau die richtige Portion Extravaganz fürs Berlin Festival.

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5 Kommentare mit 10 Antworten

  • Vor 11 Monaten

    Der größte und wichtigste Act, nämlich BJÖRK, wurde hier wohl ganz außer Acht gelassen, hmm?

  • Vor 11 Monaten

    Björk ist seit jeher maßlos überschätzt mit ihrem verqueren Geschrammel welches so bemüht nach großer Kunst klingen soll, natürlich ist der wichtigste Act Blur.

  • Vor 11 Monaten

    keine_ahnung und lautjustitia sollten die Nicks tauschen...

    • Vor 11 Monaten

      Letzterer trägt das Prädikat Ahnungslosigkeit schon zu genüge auf der Stirn spazieren.

    • Vor 11 Monaten

      Morpho, wie bitte? Wie kommst Du denn zu so einer Aussage? Kannst Du das an Beispielen festmachen?

    • Vor 11 Monaten

      Schreib Billy Corgan mal ne Mail, dass sein "Daydream Nation" demnächst auch endlich den Meilenstein auf laut.de bekommt.
      Wie so ziemlich jeder hier kann auch Morpho dich sicher unter Beispielen deiner Ahnungslosigkeit begraben - sieht aber von dieser völlig sinnfreien Aktion ab, da die gleiche Ahnungslosigkeit deinerseits ja auch seit jeher verhindert, dass du anhand solcher Beispiele sowas wie Einsicht generieren könntest. nuff said, hmm? Danke.

    • Vor 11 Monaten

      Wat hab ich mit Billy Corgan zu tun, war nie großer Pumpkins-Fan.
      Mich unter Beispielen meiner Ahnungslosigkeit begraben? Da lachen ja die Hühner, da bin ich aber gespannt. Wenn Morpho und "jeder" das kann, dann bitte! Und nein, wenn die Beispiele ohne Übertreibung und wahrheitsgemäß vorgetragen werden und meiner anschließender Prüfung standhalten, dann war ich mir noch nie zu fein das auch zuzugeben und offen Fehler einzugestehen. Also nicht nuffsaid, sondern: Los, großspurigen Ankündigungen mal Taten folgen lassen - sonst sind das alles nur Schwurbel-Sätze aus dem luftleeren Raum.

    • Vor 11 Monaten

      Ist bereits geschehen, du hast meinen Post nur bestätigt und es, wie so oft, gar nicht bemerkt :D
      Deiner eigener beschränkter Horizont verhindert einfach, dass du deine Scheiße als solche erkennen könntest.

    • Vor 11 Monaten

      Genau.. ich habe Deinen Post bestätigt. Es hat doch noch keiner von euch zwei Vögel auch nur ein Beispiel gebracht, yo. Also bitte, nicht aus unverdienter erhöhter Warte pseudo-psychologen-scheiß labern, sondern Butter bei die Fische: Beispiele meiner Ahnungslosigkeit. Danke.

    • Vor 11 Monaten

      Und ganz genau das --^ ist die Situation hier. Der erinnert sich nicht mal mehr an eigene Kommentare, die keine Woche alt sind. Wo ist da der Nährboden für eine Diskussion.
      Aber okay, ein Beispiel für komplette Verblendung: Die Will.I.Am Diskussion, in der wirklich ALLE außer einem kapiert haben, worauf Baudelaire abgezielt hat. Und nein, die Unterhaltung wird nicht noch mal aufgerollt. Ca 200 verzweifelte Kommentare, in denen versucht wurde, die Chose auch dem simpelsten Geist zu erläutern sollten genug der Untermauerung sein.

    • Vor 11 Monaten

      Morpho, klar erinnere ich mich an jedes Kommentar, eine kleine Hilfestellung wäre allerdings nicht schlecht. Spielst Du auf das Björk-Kommentar an? Das war meine Meinung, das hat nichts mit Ahnung zu tun.
      Bzgl. WillIAm musste ich so hartnäckig sein um Baudes eigentliche Gesinnung möglichst hart abzuklopfen und leider bleibt da immernoch ein fader Nachgeschmack, egal ob das ALLE (so geil, dass es sich hier bei so vielen eingebürgert hat für ALLE sprechen zu können, aber gut..) anders gesehen haben, mir ging es um seine WAHRE Haltung und da kann man mich nicht so schnell blenden wie ALLE anderen :).
      Halten wir fest: Dieses Beispiel war leider nicht überzeugend. Noch weitere?

    • Vor 11 Monaten

      Nun gut, in der Vergangenheit habe ich an Punkten wie diesen gerne mal die Fassung verloren. Ich entschuldige mich bei Red. und anderen Usern dafür. Aber sei es drum, heute bin ich reifer, haue nur noch meinen Dank raus an Minus The Bear und die fantastische Zeile aus "The Game Needed Me":
      "We're all just selling time - you got a lot to lose"
      In diesem Sinne - ich bin raus. Und wer es noch nicht kennt: Band und Song sind i.Ü. weniger zeitverschendend als die Diskussion bis zu diesem Punkt und darüber hinaus.
      http://www.youtube.com/watch?v=ZmPL1BB4jzo

    • Vor 11 Monaten

      Souli mit einem Schutzmechanismus. Er kann nur provozieren, nicht aber seine Meinung mit Beispielen untermauern. Er denunziert mich und auf Nachfrage zieht er den Schwanz ein. Werde ich ihn wohl traumatisiert haben, whuat. ;)
      Ja, ist gut - schon Dein Nervenkonstüm und besuch lieber mal Deine promovierten Kollegen im Geiste. Coole Sache, wenn demnächst irgendein Fuzzi kommt und meine Aussagen untermauert haben will verweise ich einfach auf irgendeine superschlaue Lyric-Zeile, schwurbel nen halbflotten Spruch dazu und bin raus, naise!

  • Vor 11 Monaten

    Björk gehört zu den wenigen Künstlern aus dem Mainstream, deren Songs ich wiederholt anhören kann.

  • Vor 11 Monaten

    Casper schaut aus, als hätte er HIV.