laut.de-Kritik

Dazu ließe sich wohl eine Lunte schmauchen.

Review von

Yo, Käpt'n Speckmann ist wieder im Haus! Und das sage ich voller Liebe, denn fette Rockstars sind mir grundsätzlich sympathisch. Sie beweisen: Es gibt mehr als Askese im Rockgeschäft - und manche Musiker nehmen sogar mehr als nur ein flüssiges Frühstück zu sich. Dass im Falle Dave Wyndorfs die Cornflakes mit allem verfeinert wurden, was der Medikamentenschrank an chemischen Drogen hergibt: geschenkt. Don't try this at home, kids.

Umso erfreulicher, dass der Gute immer noch lebt und sich für das mittlerweile neunte Monster-Magnet-Album wieder die ölige Lederjacke um den Wanst geschnallt hat. Schnell noch die alte SG entstaubt, die aktuellen Kumpels angerufen und neun neue Lieder eingedröhnt. Überraschenderweise klingen diese Songs wie alles andere von Monster Magnet. Mit Ausnahme der psychedelischen Anfangsphase, versteht sich. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu ewig langen Soundkaleidoskopen zerschellt erneut an der harten Realität - falls wirklich noch jemand welche hatte.

Wyndorf versucht es aber wenigstens, das muss man ihm lassen. Ein über neun Minuten langes Stück gab es länger nicht mehr im Monster-Magnet-Kosmos. So richtig packen und mitzunehmen auf einen Flug durch Raum und Zeit vermag es aber nicht, was auch der recht flachen Produktion geschuldet ist. Schade, dass die Songs nicht mehr Raum bekommen haben. Größeren Eindruck hinterlassen kürzere Songs wie "Three Kingfishers", das mit einigen Sitarklängen aufwartet. Dazu ließe sich wohl eine Lunte schmauchen. Im Original stammt das Ding von Donovan und erfüllt somit den Tatbestand der Coverversion.

"Paradise" düdelt etwas ereignislos vor sich hin. In "Hallelujah" gibt Wyndorf themengemäß einen reisenden Wüstenpriester, der seine schmierigen Finger nach den anwesenden Damen ausstreckt. Mit "Mindless One" schließt sich einer von zwei flotten Song auf dem Album an. Ja, die Nummer rockt ganz gut nach vorne, mehr als Dienst nach Vorschrift hat sie aber auch nicht zu bieten. Mit 56 fällt es vermutlich schwer, noch irgendwo große Energiereserven herzuholen - aber muss deshalb überwiegend mit angezogener Handbremse gefahren werden?

"End Of Time" macht es besser, das Stück hätte Schmackes, wenn die Produktion nicht so schlapp wäre. Dave Wyndorf versucht sich sogar an richtigem Gesang - mit Erfolg. Zum Abschluss noch das ruhigere "Stay Tuned" und zwei Bonustracks, die anscheinend auf jeder Version erhalten sein werden - und das war sie dann, die neue Monster Magnet.

Besser als einiges in den Nullerjahren, schwächer als ihre Großtaten von noch früher. Hart könnte man sagen: Wenn du von "Last Patrol" in den Schlaf gesäuselt worden bist und fünfzehn Minuten später wieder zu dir kommst, hast du nicht viel verpasst. Aber dieses "nicht viel" ist schon deutlich mehr als auf anderen Monster-Magnet-Platten. Ganz nebenbei: bestes Cover-Artwork seit langem.

Trackliste

  1. 1. I Live Behind The Clouds
  2. 2. Last Patrol
  3. 3. Three Kingfishers
  4. 4. Paradise
  5. 5. Hallelujah
  6. 6. Mindless Ones
  7. 7. The Duke (Of Supernature)
  8. 8. End Of Time
  9. 9. Stay Tuned
  10. 10. Strobe Light Beatdown
  11. 11. One Dead Moon

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21 Kommentare mit 10 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 3 Jahren

    Lasst Euch nichts einreden. Das Album ist sehr gut und haut voll rein! ;-) Nach 2-3 Durchläufen zündete es richtig! "Dave! Mach' se fertsch!!!" 8-)

  • Vor 3 Jahren

    Auch finde Last Patrol fantastisch!! Als ich die Scheibe das erste mal hörte, war ich nicht sehr beeindruckt. Ich fand die ein bißchen lahm.

    WEIT gefehlt!! Last Patrol hat es in sich. Die Scheibe ROCKT!

    Ich hatte das GLück sie in Hamburg zu sehen wie sie Last Patrol komplett gespielt haben. Alle haben es geliebt!

    Last Patrol ist eine der besten CDs von Monster Magnet. Die ist sogar eine meiner lieblingsplatten aller Zeiten!

    BTW ich bin 50 Jahre alt und habe alles von Monster Magnet und habe sie 4 mal live gesehen.