8. August 2013

"Ich freue mich wie Dagobert Duck über jeden Cent"

Interview geführt von

Kaum einer traute es dem Wiener YouTube-Star zu. Doch knapp drei Jahre nach "Dreh Den Swag Auf" hat sich MoneyBoy dank unerschöpflicher Produktivität als skurriler und viel diskutierter Rap-Act etabliert. Manche ignorieren ihn gelangweilt, viele hassen ihn, einige lieben ihn - und mit dieser jahrelangen Polarisation hat der Kommunikationswissenschafts-Magister sein größtes Ziel sowieso schon erreicht.

Ich persönlich zähle mich spätestens seit Ende des letzten Jahres mit Leib und Seele zur dritten Fraktion. Daher fackelte ich nicht lange, als mich gerade noch rechtzeitig die frohe Kunde ereilte, dass der Internet-Hype endlich eine Show in erreichbaren Gefilden, genauer gesagt in Leutkirch spielt.

Die 80 Kilometer lange Fahrt ins Allgäu und der wenig glamouröse Rahmen der "School Is Out"-Party im Hans-Multscher-Gymnasium: keine wirkliche Hemmschwelle. Vom Wiener persönlich gab es recht schnell grünes Licht, die Suche nach Begleitpersonen gestaltete sich da schon zäher.

Im Endeffekt waren immerhin zwei weitere Kollegen für den Spaß zu haben. Und so machten wir uns an einem sommerlichen Mittwochabend auf ins Hinterland - um dort kurz vor dessen Show auf einen gesprächigen MoneyBoy im Los Angeles Lakers-Dress zu treffen.

Du spielst heute in Leutkirch - um deinen wievielten Auftritt in 2013 handelt es sich denn?

Ich würde sagen, das ist circa mein 15. Auftritt in diesem Jahr.

Hast du denn auch mal wieder eine Tour geplant? Oder läuft das im Moment nicht so?

Also ich habe jetzt schon einige Dates für den Herbst, so ab September. Da ist der Terminkalender ein bisschen gefüllt, mit fixen Dates und Optionen. Es schaut also schon besser aus als zuletzt. Das freut mich natürlich. Eine richtige Tour habe ich aber eigentlich nie gemacht, sondern immer nur an Wochenenden meine Dates gespielt.

An Wochenenden spielen - das klingt, als würdest du unter der Woche noch anderweitig arbeiten. Wie sieht denn MoneyBoys Alltag aus?

Ich arbeite schon jeden Tag. Aber an meiner Musik und an allem was dazugehört. An Organisation, aktuellen Projekten und Kontakt mit Partnern und Sponsoren. Es würde mir nie langweilig werden, selbst wenn ich jetzt im Lamborghini-Modus oder doppelt so schnell arbeiten würde. Ich würde nie damit anfangen, am Nachmittag fernzusehen oder Playstation 3 zu spielen. Es gibt immer genug zu tun.

Und wie sieht die Arbeitsweise aus? Läuft das alles über deine Wohnung, dein Home-Office?

Ja, eigentlich schon. Das Studio habe ich mir auch zuhause eingerichtet. Das ist mir am liebsten, so kann ich auch um vier Uhr in der Früh was aufnehmen. Wenn ich gerade Bock hab', kann ich sofort in die Booth gehen und rappen. Ein Kumpel von mir hat auch ein richtiges Studio, bei dem mache ich auch hin und wieder Sessions. Aber ich kann eigentlich alles von zuhause aus machen. Das ist so mein MoneyBoy-Batcave.

Wieso haust du eigentlich am laufenden Band Mixtapes raus? Wenn man das mal mit dem kreativen Ausschuss anderer Deutschrapper vergleicht, ist das schon enorm. Was hast du denen voraus? Die arbeiten im Prinzip ja auch ständig an ihrer Musik.

Das ist eben eine Philosophie, wie man's halt machen will. Eine bestimmte Arbeitsweise. Meine Vorbilder sind aus Amerika - Leute wie 2 Chainz, Lil Wayne oder Lil B und viele andere. Und da gibt es eben diese Mixtape-Kultur. Die droppen auch mehrere Sachen in einem Jahr, bringen teilweise im Wochentakt Mixtapes raus.

Ich halte sogar noch Material zurück. Das will ich aber eigentlich gar nicht. Ich muss dieses Material eigentlich auch rauskriegen. Denn sonst geht mir irgendwann die Motivation aus, Tracks zu machen. Weil ich doch schon so einen großen Stapel habe. Und darum werde ich die jetzt einfach immer passend zusammenfassen und veröffentlichen. "Dipset Worldwide" hatte beispielsweise diesen Dipset-Sound.

Diesen Sommer werden auf jeden Fall noch einige Mixtapes und Videos kommen. Ich möchte mein Tempo jetzt noch mal beschleunigen. Ich fragte mich zwar immer mal wieder: Muss man die Leute vielleicht ein bisschen hungrig werden lassen? Aber mittlerweile scheiß' ich auf dieses Taktieren. Denn ich habe ja auch keine Studien oder Belege, dass das so funktioniert. Ich mache das jetzt so, wie ich's machen will. Ich will die Sachen loswerden und raushauen.

Du erzählst ja oft, dass du ziemlich viel Geld scheffelst. Wobei handelt es sich denn um deine Haupteinnahmequelle? Merchandise? Holzketten?

Liveauftritte sind über die Jahre gesehen schon die größere Einnahmequelle. Auf jeden Fall. Aber Merchandise ist auch gut. Ich bin eben ein Hustler und verticke auch Holzketten. Die Doublecups sind auch sehr beliebt. Nicht nur weil ich die selber bemale, sondern weil die Leute das auch mit diesem Sizzurp-Sippen und den Sachen verbinden, die sie aus meinen Videos kennen. Ich hätte nicht erwartet, dass diese Cups so beliebt sind. Aber ich habe richtig Spaß daran, die alle zu designen. Die Designs werden auch immer crazyer, letztens habe ich so eine Skyline gezeichnet. Die sind richtig nice, diese Cups.

Das Merchandise ist jedenfalls nicht zu unterschätzen. Die Statistik ist natürlich jeden Tag schön zu sehen. Du siehst halt, dass das Money eintrudelt. YouTube-Werbung kommt auch noch dazu. Es gibt verschiedenste Quellen. Wenn du an einem Abend 1500 oder 2000 Euro Gage kriegst, ist das natürlich noch mehr. Aber ich freue mich trotzdem über jeden verkauften Doublecup. Ich freue mich wie Dagobert Duck über jeden Cent.

Mehrere Kumpels haben mir den "Widerstand ist Swaglos"-Hoodie zum Geburtstag geschenkt. Da gab es allerdings Lieferschwierigkeiten - läuft das Ding so gut?

Nee, ich hab' das jetzt auch geändert. Aber war das vor Weihnachten?

Nein, erst im April.

Ja, es gab Probleme. Und das stört mich auch sehr. Denn ich bestelle auch viele meiner Klamotten im Internet und will die dann eigentlich auch innerhalb von zwei Tagen haben. Daher kann ich die Leute total verstehen. Ich hatte so einen Merchandise-Partner, die haben die Sachen teilweise in Slowenien produziert. On-Demand, damit wir viele Designs anbieten können, ohne alles vorzudrucken. Ich habe mir das lange angesehen und mich irgendwann dazu entschieden, das in die eigene Hand zu nehmen.

Im Moment gibt es daher nur ein T-Shirt-Design, aber ich habe schon viele neue. Es wird auch bald eine größere Auswahl geben. Es wird jetzt alles - und das ist mir das allerwichtigste - am selben Tag versandt. Ich habe zwei Kumpels die sich darum kümmern. Alles geht sofort weg. Ich möchte hands-on sein. Auch wenn E-Mails kommen, beantworte ich die oft selber.

Lass uns mal über deine selbstgezeichneten Comics sprechen. In meiner WG in Düsseldorf haben wir damit nämlich vor einer Party unseren Flur tapeziert - und sie sind richtig gut angekommen. Woher nimmst du denn die Inspiration für die Storys? Aus Filmen? Oder etwa aus dem wahren Leben?

Ach, ein paar Sachen sind schon aus Filmen, die mir dann einfach zufliegen. Ich mache diese Comics mittlerweile nur noch, wenn ich Bock darauf habe. Nicht weil heute Mittwoch ist oder weil ich jetzt ein Sammelband rausbringen will.

Das willst du nicht? Schade.

Das will ich schon, ich hatte da auch mal mehr geplant. Aber dann habe ich das auch wieder verworfen. Ich habe zwar viele gesammelt, in letzter Zeit aber nicht mehr so regelmäßig veröffentlicht.

Leider.

Ja, eigentlich muss ich wieder anfangen. Mir macht es schon Spaß. Wenn ich Bock hab', lebe ich diese Story selber kurz mit. Das ist dann auch für mich Entertainment. Das kann ich dann verwerten, indem ich es poste. Vieles ist schon aus Filmen, aus "Blow" war schon irgendwas dabei. Ich feier' die Comics auch, ich lese sie mir auch selber gerne durch.

"Ich habe einen Hang zu Filmen, bei denen man weinen muss."


Lass uns mal über deine Songs sprechen, am Beispiel "An Diesem Einen Tag Am Rummelplatz". Der ist ja schon ordentlich durch die Decke gegangen, lief in meinem Freundeskreis sogar auf Partys rauf und runter. Obwohl er eigentlich nicht gerade die klassische Partyhymne darstellt. Hat der traurige Text über die nach seltener Krankheit verstorbene Freundin denn einen realen Hintergrund?

Ehrlich gesagt: Als ich diesen Track geschrieben habe, war ich emotional total involviert. Die Geschichte hat mich selber zu Tränen gerührt, das habe ich sogar auf Twitter gepostet. Ich habe eben einen Hang zu so dramatischen Filmen, bei denen man dann weinen muss. Das habe ich versucht, in diesem Song rüberzubringen. Ich habe das wie in einem Film vor mir gesehen. Deshalb habe ich dann auch kein Video dazu gedreht, sondern einfach mal rausgehauen.

Ich wusste nicht, ob das jetzt 15.000 Klicks kriegt und dann niemanden mehr interessiert. Aber ich hatte ein gutes Gefühl. Für mich ist es immer ein gutes Zeichen, wenn ich mir die Songs selber zehn Mal anhöre. Andere Songs nehme ich auf, höre sie mir zwei mal an und habe kein Bedürfnis mehr danach. Aber diesen habe ich mir wirklich in Dauerschleife reingezogen. Ich wusste, dass das nice ist. Dann habe ich ihn gepostet und nach zwei, drei Tagen gemerkt, dass die Leute ihn oft klicken.

Sogar Cro hat ihn gepostet.

Genau. Das ist dann ziemlich nice explodiert und so. Aber ich dachte mir natürlich schon, dass der Track was Besonderes, mal was Anderes ist. Allein der Beat war schon ein Glücksgriff. Ich hab' dann teilweise auch versucht, noch mal so was Ähnliches zu machen. Aber so was funktioniert natürlich nicht.

Wo ist der Beat eigentlich her?

Von Soundclick.

Also eine Art Free-Beat?

Beziehungsweise ein geleaster Beat. Den können andere Leute zwar auch noch nehmen, aber ich habe mir halt die Rechte drauf gesichert.

Deine Beats hast du in dem Fall alle geleast oder von Amis übernommen?

Seit Neuestem habe ich auch einen Produzenten, der heißt ... ich weiß den Namen nicht mehr. Jedenfalls habe ich auch ein paar Producer an der Hand. Die schicken mir Beats, die ich genauso nehmen kann. Und Soundclick ist halt so eine Plattform, auf der sich sowohl amerikanische, als auch richtig erfolgreiche deutsche Produzenten bewegen. Die machen richtig Kohle mit diesen Beats für Hobbyrapper.

Mittlerweile lease ich die Beats eben, für 25 Euro kann man die für eine Stückzahl von bis zu 3000 verkaufen. Auf iTunes verkaufe ich einen Song ja so oft nicht. Beziehungsweise ich biete ihn nicht mal an. Auf YouTube findet man übrigens auch viele Producer, da kann man ewig herumsuchen. Ich hatte dieses "Bravestarr"-Mixtape, da habe ich hauptsächlich nach Filmsamples oder 1980er-Jahre-Fernsehserien gesucht. MacGyver, dies das. Da habe ich total viel gefunden.

A propos "Bravestarr": Basiert denn der Track "Ich Vermisse Meine Homies" über deinen in der Hood erschossenen Kumpel auf einer wahren Geschichte?

Ich erwähne da jetzt keine Namen oder so. Es existiert schon ein wahrer Kern. Aber insgesamt hat der Track eben das Thema, das ist jetzt keine komplett wahre Geschichte.

Wie gehst du eigentlich mit Kritik und den ganzen Hatern um? Nimmst du dir die konstruktiven Sachen auch mal zu Herzen oder scheißt du einfach drauf?

Es wechselt sich immer ein bisschen ab. Wenn du etwas siehst und es ärgert dich, dann hat es dich schon geärgert. Dann kannst du dir noch irgendwie denken, du scheißt jetzt drauf. Aber wenn's einen ärgert, ärgert es einen. Das kommt auch vor. Oft hat man aber das Gefühl, man ist super unterwegs, kriegt Props, hatte einen geilen Auftritt und denkt sich: Yeah, ich bin nice im Game. Ich scheiß' drauf, ich hustle und mach mein Ding. Dann kann's einem auch egal sein.

Wann hast du eigentlich das Autotune-Plugin für dich entdeckt? Das hat in letzter Zeit ja auffällig zugenommen.

Ja. Ich kenne es eigentlich schon lange, habe es auch bei älteren Songs verwendet. Etwa bei "Ich Find Die Barfrau Sexy". Und irgendwann habe ich auch gemerkt, dass das im Ami-Rap sehr oft verwendet wird, etwa bei Future. Wobei der sogar in normalen Interviews so eine krasse Stimme hat, die sich wie Autotune anhört. Das kann ich jetzt gar nicht so beurteilen. Aber ich habe gemerkt, dass es wieder mehr im Kommen ist. Ich hatte es schon vor fünf, sechs Jahren gefeiert, wie Lil Wayne so abgegangen ist mit Autotune. Aber die Zeit war ein bisschen vorbei. Aber jetzt kommt es wieder und ich habe Bock drauf.

Legst du auch Wert auf die richtigen Töne? Es klingt ja schon immer ziemlich wild.

Für mich ist das auch ein Stilmittel. Max B und French Montana haben ja auch diese Off-Key-Hooks, in denen sie singen, aber oft nicht den Ton treffen. Ich versuche schon, das so zu machen, dass es sich gut anhört. Aber wenn's nicht hinhaut, dann ist das halt meine Persönlichkeit, die da mit ins Spiel kommt.

"Sizzurp sippen, Mollys poppen, MDMA nehmen."


Du hattest dieses Jahr schon öfter Beef am Start, etwa mit KC Rebell oder JuliensBlog. Macht dir das Spaß oder fühlt sich das auch ernst an? Muss man Angst haben, dass heute wie damals bei Selfmade das Konzert gestürmt wird?

Für mich ist es nie ernst, sondern immer ein Spaßding. Das wächst so in mir, dieser competitive Spirit. Da kann ich mich dann nicht mehr zurückhalten. Vielleicht wäre es klüger, das zu ignorieren. Aber meistens gibt es dann so naheliegende Sprüche, mit denen man den Anderen verarschen kann. Ich habe auch einen Disstrack gegen einen bekannten Rapper geschrieben - wie rapupdate.de schreiben würde: gegen einen Top-Ten-Rapper. Den habe ich dann aber nicht recordet.

Ich weiß zwar, dass das viele Klicks kriegen würde, vor allem mit großen Namen. Aber nur aus dem Grund wollte ich dann doch keinen Disstrack machen. Sondern wenn, dann weil es mich irgendwie kitzelt. Einmal hatte ich total Bock, habe die erste Gelegenheit genutzt und Jimi Blue gedisst. Ich schwör', an dem Tag wollte ich einfach irgendwas dissen. Dann habe ich den wegen eines Features angefragt. Und er hat mir nicht einfach zurückgeschrieben, sondern das veröffentlicht. Dann habe ich gedacht: Perfekt.

PA Sports hat mich mal in Wien eingeladen. Er hatte einen Auftritt, ich sollte auf die Bühne kommen und ihn battlen. Das geht natürlich nicht, denn das ist sein Konzert, da hat er eindeutig Heimvorteil. Die Leute sind ja alle wegen ihm dort. Warum sollte ich dort auf die Bühne gehen? Aber da habe ich mich trotzdem schon vorbereitet und Zeilen gesammelt.

In Amerika gibt es ja auch diese Battle-Turniere, das sind aber keine Freestyle-Battles. Viele Leute sagen immer, dass Battles aus dem Stehgreif gefreestylt sein müssen. Das finde ich nicht. Wenn du dich vorbereitest, kannst du viel mehr auf die persönlichen Schwächen des Anderen eingehen. Und dann ist es ja trotzdem schwierig genug, es rüberzubringen.

So ein Battle könnte ich mir vorstellen, mit allen möglichen Rappern. Dann schreibe ich drei Tage lang Zeilen, zehn Seiten voll, lerne die auswendig und bin bewaffnet. Aber für ein Freestyle-Battle gehe ich nicht auf die Bühne. Das kann man eher in gechillten Situationen machen, wenn man kifft und dann ein paar witzige Sachen spittet. Aber nicht auf der Bühne. Mit jahrelanger Erfahrung geht das vielleicht, aber ich kann das nicht.

Deine YouTube-Freestyles genießen mittlerweile einen ziemlichen Kult. Die sind aber auch nicht aus dem Stehgreif gerappt, oder?

Nee, bis auf zwei Ausnahmen. Alle anderen sind kurz davor schnell überlegt und auswendig gelernt. Aber das ist für mich auch ein Freestyle. Es ist kein Song, es gibt keine Hook und keine Parts, kein Thema. Es ist einfach Freestyle.

Was du offensichtlich auch ziemlich feierst, sind die ganzen Adlibs. Findest du, dass das im deutschen Rap ein bisschen fehlt? Oder warum hast du das zu deinem Markenzeichen gemacht?

Dass ich das verbreiten will, ist nie meine Intention. Für mich ist es normal, weil ich halt die Amirapper höre. Die hatten schon vor Jahren ihre Adlibs. Ich habe das daher auch ganz natürlich reingebracht, ohne mir etwas dabei zu denken. Das macht einfach Spaß.

Über die Jahre vor deiner Rapkarriere gibt es etliche Gerüchte. Vielleicht kannst du uns an dieser Stelle mal über deren Wahrheitsgehalt aufklären. Hast du studiert?

Ja, Kommunikationswissenschaft.

Das nächste Gerücht: Beim Projekt MoneyBoy handelt es sich um eine Bachelor-Arbeit.

Nee, ich habe schon eine Magister-, also eine Master-Arbeit geschrieben. Also wenn, dann müsste es seine Doktorarbeit sein. Das haben mich die Leute schon oft gefragt - viele haben es mir auch empfohlen. Ich denk mir immer so: No Way. Ich hab' keinen Bock, in meinem Leben noch mal einen wissenschaftlichen Text zu schreiben. Vielleicht kommt das irgendwann, aber dann nicht damit. Im Moment habe ich auf gar nichts Wissenschaftliches Bock. Diese Sache ist auch nicht so angelegt. Wirklich nicht.

Du hast in der zweiten Liga Basketball gespielt. Wieso hast du diese Karriere aufgegeben?

Im Endeffekt auch ein bisschen wegen der Rapkarriere. Da konnte ich nicht mehr so oft trainieren und musste einfach aufhören. Aber schon davor hatte ich wahrscheinlich nicht genug Liebe dafür, um das durchzuziehen. Beim Rappen ist das was anderes, du kannst ständig Sizzurp sippen und was weiß ich ... Mollys poppen und MDMA nehmen. Und trotzdem kannst du deine Karriere machen.

Aber als Basketballer musst du viel disziplinierter sein. Und das konnte ich nicht länger durchhalten. Ich kann mich nicht an irgendwelche Regeln und Vorgaben halten, selbst wenn ich sie mir selber stelle. Irgendwann ist einfach der Reiz da und dann denk' ich: Fuck it, wer verbietet mir das?

Die Sache mit dem Sizzurp ist in Deutschland ja noch nicht wirklich angekommen.

Nein, ich bin auch schon gespannt, wann das ankommen wird. Ich glaube aber, dass viele Rapper das zwar kennen. Die wollen diese Schiene vielleicht auch fahren, aber die können es sich nicht erlauben. Weil die Leute dann sagen: "Ach, der macht das nach. Der kopiert das, was soll die Scheiße? Niemand sippt in Deutschland Sizzurp." Mir ist das aber scheißegal, deshalb kann ich mir das auch erlauben. Ich habe keine Angst davor, Niederlagen oder Vorwürfe einzustecken.

Ich glaube auch nicht, dass mir das so sehr schaden kann, wie es Fler schaden würde, wenn er irgendeine peinliche Aktion brächte. Ich habe mich bewusst nie auf so ein Image versteift, von dem ich nie abweichen darf. Ich könnte auch knallhart die French Montana-Schiene fahren und dürfte dann nie mit einem Chicken-Kostüm im Video auftreten. Das würde der nämlich auch nicht machen. Aber ich habe mir gesagt: Ich kann mir alles erlauben, was ich cool finde, und verkörpere trotzdem diesen Swag.

Ein weiteres hartnäckiges Gerücht: MoneyBoy ist ein komplettes Deutschrap-Satireprojekt.

Nein, es ist keine Satire. Es ist schon viel Entertainment und Fun. Aber weißt du ... letztens habe ich ein Interview mit Ludacris gesehen und der wurde gefragt, warum er bei den Top-Rappern eigentlich nie genannt wird. Skill-mäßig gehört er da nämlich schon dazu. Das ist einfach ein überkrasser Rapper. Und er hat geantwortet, er werde halt nicht so ernst genommen, weil er viel diesen Comic-Charakter spielt und dieses Fun-Ding dabei hat.

Dasselbe gilt für Cam'ron. Der hat so viele Hardcore-Fans, die ihn für den besten Rapper aller Zeiten halten. Dann gibt es aber auch Leute, die ihn für eine Witzfigur halten, die nicht rappen kann. Die halten ihm immer noch den Text von vor zehn Jahren vor: "I keep computers puting." Aber das hat sich einfach nice angehört.

Mich würde mal interessieren, ob den das nicht manchmal anpisst, wenn ständig diese Kommentare kommen - als ob der nicht 100.000 Tracks gemacht hätte. Es ist halt schwer, den Respekt zu kriegen. Aber ich persönlich erwarte auch Lines, die funny sind. Vielleich nicht in deepen Tracks von Eminem. Aber grundsätzlich, wenn es um Swag und Battlen geht, muss das nicht nur hart sein, sondern auch funny. Für mich ist das dann aber keine Satire, sondern einfach Fun oder Comedy.

Manche Leute werfen dir aber ernsthaft vor, dass du den Ruf der Rapmusik schädigst. Haben die das falsch verstanden?

Das ist ja nichts, was man irgendwie beschützen muss. Jeder kann das machen. Die ersten Rapper haben auch "Hip Hop / hippie to the hippie (...)" gerappt und irgendwelche Sachen gefreestylt. Nur weil in Deutschland eine gewisse Art von Hip Hop definiert wird, heißt das jetzt nicht, dass alles genau so sein muss. Was würden die sagen, wenn ein Gucci Mane oder ein Waka Flocka Flame auf deutsch übersetzt wird?

Ich bin eine Person. Dass man mir die Macht zuschreibt, alles in den Dreck zu ziehen, wundert mich. Das sind so diese Leute ... ich kenne das von früher. Ich war früher viel in Hip Hop-Foren unterwegs, mich interessiert ja dieses ganze Ding. Da haben immer User geschrieben, ihnen sei es peinlich vor anderen Leuten, deutschen Rap zu hören. Weil die dann sofort herkommen und sagen: "Yo yo, wir sind die Gs von der Street" oder bla bla bla. Ich hatte dieses Problem nie. Ich habe mich nie dafür geniert.

Das ist ähnlich wie bei Bushido. Selbst in seiner Mega-Hype-Phase habe ich selten erlebt, dass Leute darauf nicht abfällig reagieren. Da hatte man auch den Eindruck: Wer mag den denn eigentlich überhaupt, wenn's niemand öffentlich sagen kann? Selbst wenn ich gesagt habe, ich pumpe Bushido und feier' den heftig, hat man das für eine Verarsche gehalten. Mir war es aber immer scheißegal, was die Leute davon halten. Denn im Endeffekt ist das sowieso nicht ihr Ding, das wird ihnen alles nie gefallen.

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