laut.de-Kritik

Der selbsternannte Sexgott zeigt sich zerrissen und verletzt.

Review von

Vier Jahre nach "The Golden Age Of Grotesque" kehrt der Lord Of Fucking Darkness und selbsternannte Sexgott Marilyn Manson zurück. Das Video zu "Heart-Shaped Glass" wurde vorab von der Plattenfirma schon mal zum Skandal erklärt, in der Tat kopuliert Manson mit neuer Freundin dort in Gallonen von (Kunst)blut, dass es nur so "Provokation" schreit. Versuchen wir aber mal, den Künstler hinter seinem unbändigen Willen zur Konfrontation zu sehen.

Der fast sechs Minuten lange Opener fließt noch reichlich gemächlich durchs Gehör, das folgende "Putting Holes In Happiness" trägt eine pumpkineske Schwerfälligkeit. Der dritte Track "The Red Carpet Grave" überrascht dann doch. Manson balanciert immer wieder erstaunlich nah am Rand zum musikalisch Anspruchsvollen. Wirklich hörenswert, was er an tonaler Wandlungsfähigkeit in einen Song packt.

In "They Said That Hell's Not Hot" verarbeitet Manson offensichtlich seine gescheiterte Beziehung zu Dita Von Teese: "I kill myself in small amounts, in each relationship it's not about love, just another funeral and just another girl left in tears."

In "Just A Car Crash Away" scheint er sich selbst zu parodieren, ohne technische Unterstützung wirkt der Sänger zerrissen und verletzt. Musikalisch bewegt sich der blasse Rocker weiter weg vom Industrial-angehauchten Sound als je zuvor, mitunter hört man auf "Eat Me, Drink Me" gar Indierock-Referenzen, die an Pixies-Harmonien erinnern, oder an einen zum Düsterrocker mutierten George Harrison.

Das ist hörbarer als erwartet. Viele Stücke geben den Gitarristen Tim Sköld und Rob Holliday sogar reichlich Freiraum für ihre Soli! Eine entfernt an die Drums von "Sunday Bloody Sunday" erinnernde Sequenz eröffnet den düster-verspielten Single-Track, der auch ohne "Skandal-Video" sehr gut funktioniert.

Düstere, aber irgendwie auch heimelige Soundlandschaften entwerfen Brian Warner und seine Mitstreiter auch in der Folge, ich weiß nicht, ob das Adjektiv 'virtuos' angebracht ist, aber das Laut-Leise-Spiel in "Evidence" lässt sich doch ganz schicklich an. In "Are You The Rabbit?" ertränken die Äxte Mansons Stimme in ihren Soli, hier hört man den typisch rhythmischen Singsang des exzentrischen Frontmanns durch. Auch "Mutilation Is The Most Sincere Form Of Flattery" (war auch Verstümmelung nicht ein von den Pixies gern bemühtes Thema?) erinnert an vergangene Warner-Tage und fällt im Vergleich zu den ersten Songs des Albums etwas ab.

Das verhalten druckvolle "You And Me And The Devil Makes 3" leitet über zum Titeltrack. Ein kruder Tanz-Remix der ersten Single schließt "Eat Me, Drink Me" ab. Fest steht: Manson und Konsorten liefern ein solides Album ab, das in der ersten Hälfte mehr Spannung bietet als nach hinten raus, auch, weil Manson nicht total die Sau rauslässt, sondern die Handbremse ordentlich durchglüht. Diese Verhaltenheit passt sehr gut zu "Eat Me, Drink Me".

Trackliste

  1. 1. If I Was Your Vampire
  2. 2. Putting Holes In Happiness
  3. 3. The Red Carpet Grave
  4. 4. They Said That Hell's Not Hot
  5. 5. Just A Car Crash Away
  6. 6. Heart-Shaped Glasses (When The Heart Guides The Hand)
  7. 7. Evidence
  8. 8. Are You The Rabbit?
  9. 9. Mutilation Is The Most Sincere Form Of Flattery
  10. 10. You And Me And The Devil Makes 3
  11. 11. Eat Me, Drink Me
  12. 12. Heart-Shaped Glass - Inhuman Remix By Jade E Puget

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58 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Ich weiß auch nicht... hab mir das album jetzt teilweise über seine myspace seite angehört, aber irgendwie finde ich es so belanglos. langweilig, zurückhaltend. wahrscheinlich sollte es auch zurückhaltender werden, aber bei mir wirkt es nicht. vielleicht muss ich das album nochmal "richtig" hören, mit besserem sound als bei myspace. aber ich glaube, das wird meine meinung nicht ändern.

  • Vor 10 Jahren

    Ich bin froh, dass Manson wieder halbwegs hörbare Musik machen, spätestens "The Golden Age Of Grotesque" enttäuschte maßlos.
    Und auch jene [allerdings wirklich nicht sonderlich hörbare] Anleihen aus sanfteren Genres tun ihm nur gut.

    Scheint so, als hätte der kreative Part des Projekts Marilyn Manson den Abgang Ramirez' endlich überwunden.

    Pearl Jam, NIN, die Pumpkins und jetzt Manson - Gute Güte, die 90er haben uns wieder.

  • Vor 10 Jahren

    @schmeisses (« Pearl Jam, NIN, die Pumpkins und jetzt Manson - Gute Güte, die 90er haben uns wieder. »):

    word! das fasst eigentlich ganz gut zusammen!

  • Vor 9 Jahren

    also ich weiß überhaupt nicht was ihr alle wollt, daß das album zu soft sein soll.

    Schaut euch den vergleich an und seht/hört selbst :

    Song 1 - If i was your vampire = speed of pain
    Song 2 - Putting holes in happiness = i dont like the drugs but the drugs like me
    Song 3 - the red carpet grave = the great big white world
    Song 4 - they said hells not hot = last day on earth
    Song 5 - Just a car crash away = Fundamentally Loathsome
    Song 6 - heart shaped glasses = user friendly / new model No.15
    Song 7 - evidence = the nobodies
    Song 8 - are you the rabbit = dope show
    Song 9 - Mutilation is the most sincere = posthuman
    Song 10 - you and me and the devil makes 3 = rock is dead
    Song 11 - Eat Me, Drink Me = Coma White

    Auch wenn einige Songs nicht 100% übereinstimmen im vergleich.. hey.. das rad wurde nun echt nicht neu erfunden!
    Und eins muss man Manson echt mal lassen, dieser ganze kram sei es nun von Linkin Park oder von irgend ner andere NuMetall Band, das hat Manson schon mit Mechanical Animal vor Jahren vorgemacht das man mit viel Synthis verdammt irre geniale Musik machen kann..

    Auch wenns wieder bisschen ruhiger geworden ist das Album, es ist definitive ein Manson album und das rockt, auch wenns nur soft ist ;)

    WORD !

  • Vor 9 Jahren

    na, so verglichen habe ich das nich nicht, aber bei manson gibt es immer " verwandte" songs, irgendwie. und wie es der zufall will; die ,die es auf eat me,drink me sind, sinds denn auch fast alle auf den alten platten. rock is dead ist doch großes manson-kino, oder nicht? :D
    ebenso the dope show, was mein 1.kontakt zu manson war :)
    und coma white is , für mich, einer der allerbesten songs( video gleich dazu)
    der arme kerl hat sich ja mit beautiful people so ein denkmal gesetzt, zu dem er selber andauernd " blumen hinbringen" muß :D

  • Vor 8 Jahren

    da er ja nun die letzte olle auch abgeschossen hat und keine frau ihn von seiner hoffentlich noch vorhandenen kreativität abhält, wäre das der logische schluß....;-)