laut.de-Kritik

Amerikas Bad Ass wildert in Country, Rock und Gangster-Hip Hop.

Review von

Mehrköpfige Monster in schillernden Regenbogenfarben sind in Mode. Zumindest was die Musikbranche betrifft: Viele Bands setzen auf aus verschiedensten Musikstilen zusammengesetzte Sounds, einer der Vorreiter war Kid Rock. Jetzt stellt der Rap-Hard-Rocker aus Detroit sein neues Album vor.

"Cocky" heißt das neue Werk und vereinigt wie gehabt Rap mit harten Gitarren-Riffs, Country mit Hip Hop-Beats sowie gewaltverherrlichende und obszöne Texte mit schmeichelhaften Akustikgitarren-Klängen. Dementsprechend vielfältig fallen die verschiedenen Tracks aus. Beginnt das Album noch sehr rockig, begibt es sich schon beim dritten Track "Lay It On Me" in ruhigere Gefilde: Unverfälschte Gitarren und choralähnlicher Gesang auf Hip Hop–Beats zeigen, dass es auch anders geht.

Danach arbeitet sich das Album aufwärts: Wo bei "Cocky" das E-Gitarren-Sample noch ziemlich nervt, ist das Riff im nächsten Track "What I Learned Out On The Road" sehr eingängig. Auch "I'm Wrong But You Ain't Right" weiß zu gefallen: Harte Gitarren und Vocals im Rage-Against-The-Machine-Style sind eine Klasse für sich. Danach gehts leider wieder abwärts. Nach dem schnulzigen "Lonely Road Of Fait" mit Fingerschnipsen und Piano wildert Kid Rock ein wenig im Altrocker-Gebiet, bevor er dem Ganzen mit "Picture" die Krone aufsetzt: "Different Girl Every Night At The Hotel / [...] I'm Fuelin' Up On Cocaine And Whisky" und das Ganze hübsch verpackt als Schunkel-Country-Ballade, na vielen Dank!

Erwähnenswert sind noch "Midnight Train To Memphis", das inzwischen fast öfter gecovert wurde als "Highway To Hell" - keine echte Bereicherung des Albums also, und letztendlich der Bonustrack mit Snoop Dogg. Tja. Um es klar zu sagen: Das Teil ist vollkommen durchgedreht. Bei Snoops Texten wie z.B. "Let Me See If You Got Some Gangsta Shit / Oh Shit Some Gangsta Shit / All I Need Is A Gangsta Bitch / Coz Gangsta Shit Is All I Kick" ist klar, dass die beiden beim Schreiben nicht ganz nüchtern waren: "Money Whores Tits And Asses / We Got The Goods And The Bullshit Passes / We Got Whatever You Need / I Got Ecstasy / I Got Pounds Of Wheed".

Und die Musik erst: Hip Hop-Beats, schwere Gitarren, und perverse Reime, dann böse subfrequentiges Synthesizer-geblubber ...

Vielseitig ist die Platte also auf jeden Fall, die pompöse Soundkulisse des "Pimp Of The Nation" hat wenig ihrer Faszination verloren. Doch die Mischung an verschiedensten Musikstilen und die Texte mögen vielleicht den Musikgeschmack der nationalistischen Amerikaner treffen, an meinem gehen sie vielerorts gnadenlos vorbei. Da auch keine Superhits mit Zitaten von Metallica wie einst in "American Bad Ass" zu finden sind, bleibt die Platte eher ein Tipp für einen kleineren Kreis an Fans.

Trackliste

  1. 1. Trucker Anthem
  2. 2. Forever
  3. 3. Lay It On Me
  4. 4. Cocky
  5. 5. What I Learned Out On The Road
  6. 6. I'm Wrong, But You Ain't Right
  7. 7. Lonely Road Of Faith
  8. 8. You Never Met A Motherf**ker Quite Like Me
  9. 9. Picture
  10. 10. I'm A Dog
  11. 11. Midnight Train To Memphis
  12. 12. Baby Come Home
  13. 13. Drunk In The Morning
  14. 14. WCSR feat. Snoop Dogg

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