laut.de-Kritik

K.I.Z. at its best!

Review von

"Wir haben das Land gefickt", stellte der Vier-Sack-Antrieb 2007 mit "Hahnenkampf" zielsicher fest. Dass sie das mit jedem neuen Output wiederholen, zeigt nicht nur den unglaublichen Unterhaltungswert der Crew, sondern auch ihre Brisanz im Game. "Was bringt uns der Respekt wenn wir nix verdienen?" fragt Maxim in "Geld Essen (Ausgestopfte Rapper)". Nun, zumindest eine kurz vor Weihnachten erscheinende Live-DVD/CD sollte da helfen.

Dabei ist "Live Aus Der Wuhlheide Berlin" nicht einfach nur ein Konzert, sondern allerbeste Unterhaltung. Und das liegt nicht nur am überragenden Live-Gig der Band, sondern auch am Bonusmaterial. Denn die Takatuka TV Livereportage, die hervorragend überspitzt und voller fehlender Meinungsfreiheit den Aufstieg der vier Führer der Taka Tuka Ultras nachzeichnet und den Weg zum Parteitag auf der Wuhlheide mit 17.500 Mitgliedern begleitet, gibt der DVD eine weitere Daseinsberechtigung. Markus Kavka moderiert den autoritären Führungsstil von K.I.Z., während Yassin den Führer-Experten mimt. Das alles gipfelt in dem vorliegenden Konzert. Diese Einleitung glänzt mit Liebe zum Witz, gleichzeitiger Überspitzung autokratisch-politischer Führung und einer MTV-Cribs-Parodie, die zum Kringeln ist. K.I.Z. at it's best!

Zum "Kannibalenlied" betreten die vier Berliner die Wuhlheide, bahnen sich im Schlepptau mit gleich angezogenen Begleitern ihren Weg zur Bühne und bleiben dort zunächst stehen, während das Publikum lauthals "Hater, da habt ihr den Salat" brüllt. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht, denn mit "Ellenbogengesellschaft (Pogen)" treten die Klosterschüler im Zölibat das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Und das vom Regen geplagte Berliner Publikum mit ihnen.

Neben Hits wie "Urlaub Fürs Gehirn" und "Spasst" präsentieren die drei MCs, unterstützt von dem hoch auf einem Panzer thronenden und aus allen Rohren feuernden DJ Craft, auch die "Ganz Oben"-Mixtape-Klassiker wie "Affe Und Ein Pferd" oder "Ich Bin Adolf Hitler". Bei letzterem schieben sie den jüdischen Comedian Oliver Polak in entsprechender Montur durch die Gänge, wobei dieser angemessen grüßt. "Der Starfrisör kämmt die Spinnenweben aus mei'm Hitler-Bart / Damit ich chic ausseh' nach 70 Jahren Mittagsschlaf / Ich leg ne Hakenkreuz-Line aus purem Speed / Hitler, ich ziehe was, was du nicht ziehst."

Ansonsten führt die Tracklist viele Songs ihres 2015er Erfolgalbums "Hurra Die Welt Geht Unter", die auch live bestens funktionieren. Herausstechendes Beispiel hierfür: "Käfigbett". Maxim steigt blutverschmiert und nur mit einer Windel bekleidet aus einer Vagina und rappt aus Kindersicht den Wunsch des schnellen Erwachsenwerdens.

Mit den entsprechenden Feature-Gästen auf der Bühne geben sie "Was Würde Manny Marc Tun?" zum Besten. Diese fürchterliche Realität, die die vier Parts mit Hilfe von Audio88 & Yassin kreieren, verursacht Gänsehaut und ein Kloß bleibt im Hals stecken. Was dagegen hilft bzw. was unsere Antwort darauf ist? "Rummelbums-Disko!" Hier vereinen K.I.Z. all ihre Stärken auf einem Track: Schreckliche Bilder der Gesellschaft kombiniert mit der Fähigkeit zum Durchdrehen. Und genau das machen sie auf der Bühne mithilfe des Hook-singenden Atzen Manny Marc, Schampus und einer feiernden Meute unter sich.

Bevor ihr größter Hit und Rausschmeißer "Hurra Die Welt Geht Unter" erklingt, kruschteln die vier noch ein wenig in der Kiste der Songs, die weniger für die Party- sondern eher für die Hardcore-Fans gedacht ist: "Der Durchdiescheibeboxxxer". Heimlicher Crew-Liebling Nico, der vom Schampus-Konsum während des Konzerts einen leicht glasigen Blick davon trägt, schreit mit seiner Reibeisenstimme in bester Altberliner Manier: "Ja, ick leck Anita und ick fick Steffi / Ick bin 'ne Mischung aus Ekel-Alfred und Vic Mackey / Trink die Berliner Weiße Kottistyle - mit Schuss / Bin drei Tage lang nich' ansprechbar, wie Jesus Christus."

Möchte man denn als Fanboy (auf sehr hohem Niveau) motzen, dann wohl dass es davon zu wenig gibt. Das Bonusmaterial live aus der Max-Schmeling-Halle, das die wirklich kompromisslosen Songs wie "Ariane", "Da Geht Was" und "Walpurgisnacht" im Gepäck hat, lässt auf dem Wuhlheide-Konzert ein wenig die "Duhastaufdeinenkokaturndeinegeistigbehinderteschwestergeficktmucke" vermissen. Doch seis drum, es ist schließlich Weihnachten. Wer will da schon "Du hast deinen Vater erhangen auf dem Dachboden gefunden und alles riecht nach Kacke-Mucke" hören?

Trackliste

Blu-Ray/CD

  1. 1. Kannibalenlied
  2. 2. Ellenbogengesellschaft (Pogen)
  3. 3. Urlaub Fürs Gehirn
  4. 4. Geld
  5. 5. Einritt
  6. 6. AMG Mercedes
  7. 7. Ehrenlos
  8. 8. Ich bin Adolf Hitler
  9. 9. Spasst
  10. 10. Abteilungsleiter Der Liebe
  11. 11. Glücklich Und Satt
  12. 12. Käfigbett
  13. 13. Geld essen
  14. 14. Ein Affe und ein Pferd
  15. 15. Verrückt Nach Dir
  16. 16. Neuruppin (feat. Cannibal Rob)
  17. 17. Wir
  18. 18. Was würde Manny Marc tun (feat. Audio88 & Yassin und Manny Marc)
  19. 19. Biergarten Eden
  20. 20. Boom Boom Boom
  21. 21. Der Durch Die Scheibeboxxxer
  22. 22. Hurra die Welt geht unter

Bonusmaterial

  1. 1. Takatuka TV & Livereportage Aus Der Wuhlheide Berlin
  2. 2. Vorfilm Live Aus Der Max-Schmeling-Halle

Bonusclips Live Aus Der Max-Schmeling-Halle

  1. 1. DuHastAufDeinenKokaturnDeineGeistigBehinderteSchwesterGeficktMucke
  2. 2. Da Geht Was
  3. 3. Ariane
  4. 4. Walpurgisnacht

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LAUT.DE-PORTRÄT K.I.Z.

Wenn vier Rapper gelangweilt aussehende Fans in schweißtriefende Stagediver verwandeln, können sie mit Fug und Recht das Prädikat Rampensäue beanspruchen.

7 Kommentare mit 22 Antworten

  • Vor 15 Tagen

    Heißt der Typ nicht immer noch Markus Kavka?

  • Vor 15 Tagen

    kann man auf der dvd auch die vereinzelten erhobenen und geduldeten rechten arme bei "biergarten eden" erkennen, oder braucht es dafür die blue ray version?

  • Vor 14 Tagen

    Sieht man auf der DVD, wie Tarek, wohl auf Substanzen, ein ums andere Mal den Einsatz verpasst, Text vergisst, aus der Reihe tanzt und einfach abstruses Zeug faselt ?

    Sorry, aber das Konzert in der Wuhlheide war eine bodenlose Frechheit, beginnend beim unkoordinierten Einlass (ca 2 Stunden stehen) bis hin zu einem ziemlich miserablen Auftritt, der durch ein paar Entertainment Highlights, wie dem Bengaloring ums Publikum, ein wenig aufgewertet wurde.

    Im Nachhinein beißen sich wohl auch die 4 Jungs in den Arsch, ausgerechnet diesen Auftritt so groß inszeniert und mitgeschnitten zu haben.