laut.de-Kritik

Man hört, welche Artists auf Repeat laufen.

Review von

In Zeiten, in denen sich viele gerne von vorgefertigten Playlists füttern lassen und Songs innerhalb der ersten Sekunden skippen, wenn sie nicht direkt abgeholt werden, ist ein Opener wie "Intro" schon mutig. Knapp eine Minute lang sprechsingt Jenny Apelmo über einen minimalistischen Basslauf, bis irgendwann eine Gitarre einsteigt, die aber eher gegen den Strom zu spielen scheint. Es dauert nochmal 40 Sekunden, bis Jenobi dem Hörer den Refrain und einen richtigen Rhythmus geben, und der Track Sinn ergibt. Alles fügt sich zu einem düsteren, treibenden Ganzen zusammen. Dass die Truppe zu dem Zeitpunkt vermutlich den ein oder anderen vergrault hat, bleibt verkraftbar. Der Moment der Erlösung belohnt das Warten.

Die Geschichte der Band geht so: Die schwedische Bassistin Apelmo nimmt vor knapp zehn Jahren einen Nachtzug von Göteborg nach Berlin, um für einige Monate Stadt und Land kennenzulernen. Aus einigen Monaten werden Jahre, ein Engagement in der Band Torpus & The Art Directors lässt sie bleiben. Nebenher musiziert sie unter dem Namen Felicia Försvann auch solo und veröffentlicht 2016 eine EP. In den folgenden Jahren arbeitet Apelmo an neuen Songs, schließt mit dem Namen Felicia Försvann ab und gründet Jenobi: Drummer Felix Roll, Gitarristin Dorothee Möller und später noch Keyboarderin Lorena Clasen komplettieren die Band. Als Label erhält Grand Hotel van Cleef den Zuschlag.

Das oben beschriebene "Intro" führt auch auf eine falsche Fährte, denn so düster und eigensinnig ist die Musik auf "Patterns" nicht - was durchaus schade ist. "Turn Off The Light" bedient sich zwar noch an ähnlichen Garage-Elementen, ist dabei aber melodischer angelegt und liefert vor allem einen eingängigen Refrain: "Turn off the light / It hurts in my eye / And hide from the sun / Fool everyone", singt Apelmo. Ab hier offenbart die Schwedin ihre eigentlichen Einflüsse.

Wie verzerrte E-Gitarren neben gezupften akustischen stehen, und wie es häufig musikalisch brodelt, bis der Refrain die Stücke aufreißt, erinnert stark an "Pleasure" von Feist. Auch die Kanadierin experimentiert mit der Verzahnung von Folk- und Lo-Fi-Rock-Elementen, ganz besonders stark klingt das in "Jonas" durch. An anderer Stelle wecken die Tracks Erinnerungen an die oft reduzierten und trotzdem fordernden Kompositionen von Laura Marling, vor allem "Awake With The Walking Dead". Selbst dem kehligen Gesang von Marling scheint Apelmo stellenweise nachzueifern.

Nach dem Hören von "Patterns" kann man sich jedenfalls bestens vorstellen, welche Künstler bei Apelmo auf Repeat laufen, was man gleichzeitig als Kritik anführen kann. Jenobi machen ihre Sache ausgesprochen gut, versäumen es zwischen all den Reminiszenzen aber einen wirklich eigenen Sound zu entwickeln. "Mad, Sad & Crazy" klingt wie eine poppigere Variante eines Big Thief-Songs, "From Now On" wie ein Titel der schwedischen Band Shout Out Louds.

Wenn man die Tracks abseits der Ähnlichkeiten betrachtet, bleiben vor allem die tolle Stimme der Sängerin, die durch den schwedischen Akzent noch charmanter klingt sowi ein gute Gespür für Dynamik und Fülle. "Hundred Times" und der Closer "Rewind" sind dafür gute Beispiele und gehören zu den besten Stücken der Platte. Ein Großteil der Titel ist auf das Nötigste reduziert, lässt auch mal Raum, aber wirkt gerade dadurch eindringlich. Vieles auf "Patterns" macht Lust auf eine zweite Platte von Jenobi, auf der die Band dann hoffentlich noch mehr nur sie selbst ist.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Turn Off The Light
  3. 3. Patterns
  4. 4. Hundred Times
  5. 5. Awake With The Walking Dead
  6. 6. Mad, Sad & Crazy
  7. 7. From Now On
  8. 8. Jonas
  9. 9. Where Do You Always Run To?
  10. 10. Rewind

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