Porträt

laut.de-Biographie

Hot Water Music

Gainesville, Florida ist für amerikanische Standards eine eher verschlafene College-Stadt. An der dortigen University Of Florida finden sich vier Local Boys (Chuck Ragan und Chris Wollard - Gesang und Gitarre, Jason Black - Bass und George Rebelo - Drums) und gründen 1994 Hot Water Music. Zu dieser Zeit sind die Jungs noch in zwei verschiedenen Bands vertreten.

Von Rock'n'Roll bis Punk geht damals alles. Zusammen fangen sie an, auf der Couch Akustikgitarre zu spielen und gründen eine Combo, da die Leute aus ihren früheren Bands nach und nach aus der Stadt wegziehen.

Dabei hat die Namensgebung keinen höheren Sinn. Hot Water Music erscheint den vier jungen Männern einfach "abstrakt genug" und "hat sich wie nichts anderes schon mal Dagewesenes angehört", wie Chuck schlicht dazu meint. Die Band ist einfach ein großer Fan des gleichnamigen Bukowski-Kurzgeschichtenbuchs, der Rest ist Zufall.

Wie der Autor kann sich Hot Water Music nach eigenen Aussagen vom betrunkenen, sexistischen, alten Schwein um 180 Grad zu romantischen und poetischen Lyriks hinreißen lassen, so der Sänger.

Trotz ihrer geographischen Abseitssituation gelingt es dem Vierer schnell, Aufmerksamkeit zu erregen. Bereits 1996 erscheint "Finding The Rhythms". Dabei schreibt jeder an den Alben mit, am Ende tragen sie das Material zusammen, aus dem sie eine CD releasen.

Aufgrund der Tatsache, dass einige Bandmitglieder noch am College studieren, hängen Hot Water Music häufig in Gainesville fest. Auch als der letzte seine universitäre Laufbahn abgeschlossen hat, tourt die Band nur so lange, wie es sich jedes Bandmitglied finanziell leisten kann. Dank dieser Situation gibt es sehr viel Song-Material von der Band.

So veröffentlichen sie 1997 mit "Fuel For The Hate Game" und "Forever And Counting" gleich zwei Alben. Als sie das erste Mal in Europa auf Tour gehen, kommt es zum Split. Da die Gigs und das Merchandise die einzige Einnahmequellen der Combo sind, stehen sie unter ständigem Druck. Auch ihre alten Jobs behalten sie aufgrund der zehn Monate langen Abwesenheit in Amerika nicht.

Also haben sie bei ihrer Ankunft im Heimatland weder die Aussicht auf den alten Arbeitsplatz, noch auf eine Wohnung. Das bedeutet eine ständige Suche nach einem freien Sofa bei einem Freund oder Bekannten. "Live At The Hardback" ist 1999 als Abschiedskonzert geplant. Trotzdem fühlen sie sich immer wie eine Familie und finden schnell wieder zusammen.

Zwei Jahre später wechseln Chuck und Co. das Lager und bringen auf Some Records "No Division" heraus. Jetzt werden auch die größeren Labels auf die Post-Core-Pioniere aufmerksam. So ist es nur eine logische Folge, dass sie weitere zwei Jahre später erneut woanders unterkommen. Sie suchen ein Label, das genauso hart arbeitet, wie sie selbst.

Mit Epitaph veröffentlichen Hot Water Music im Mai 2001 das Album, das ihnen so etwas wie einen Durchbruch beschert. Von "A Flight And A Crash" wird Jason Black später sagen, dass es das schwerste Album der Band gewesen sei. Jason muss sich damals wegen einer Verletzung an der Hand operieren lassen und begibt sich in physiotherapeutische Behandlung.

Außerdem meint Ragan, das Besondere an dem Album sei, dass sie noch einmal ganz bei Null angefangen hätten. Keiner hatte zu Beginn der Arbeit daran schon Songs im Gepäck und so hätten sie noch enger zusammen gearbeitet, Parts kreiert und verbessert, bis sie ein absolut zufriedenstellendes Ergebnis gehabt hätten. Ganz ohne Zeitdruck und Kompromisse. Es habe einfach Spaß gemacht.

Trotz des ganzen Trubels verliert die Gruppe nicht den Kontakt zu No Idea, das 2000 die Live-Platte auf den Markt gebracht hatte. Es bürgert sich ein, dass No Idea das Vinyl rausbringt und das Label mit der größeren Reichweite, Epitaph, die CDs.

Nur ein gutes Jahr nach "A Flight And A Crash" schiebt die Band "Caution" nach, das zwar durchweg gute Kritiken bekommt, von Black später aber als "zu austauschbar" kritisiert wird. So strengen sie sich zum zehnten Bandjubiläum besonders an und feiern dies im September 2004 mit "The New What Next". Das Album wirkt sehr entspannt und routiniert. Wie man es halt erwarten kann von einer Band, die seit zehn Jahren im Geschäft ist und sich mit dem Erwachsenwerden beschäftigt.

Ungefähr zur selben Zeit erscheint mit "Rumbleseat" ein Album, das Ragan und Wollard zusammen mit Samantha Jones aufnehmen. 2005 verkünden Hot Water Music eine unbefristete Pause, während der sie sich ihren Familien widmen möchten. Im Mai 2006 verkündet Ragan, dass er die Band endgültig verlässt. Nur kurze Zeit später macht der Rest der Band schon mit Tod Rockhill (Discount) statt Ragan unter dem Namen The Draft weiter.

Bereits im September 2006 steht deren erstes Album "In A Million Pieces" in den Läden, auf dem sich allerdings deutlich heraushören lässt, in welcher Band drei Viertel der Gruppe zuvor gedient haben. Die Bandmitglieder gehen ihre eigenen Wege, im Frühjahr 2007 erscheint mit der EP "Los Feliz" ein Lebenszeichen von Sänger Chuck Ragan.

Die Platte ist vor Livepublikum eingespielt und gibt einen ersten Vorgeschmack auf ein Studioalbum, das im Spätsommer erscheint. "Feast Or Famine" ist, ebenso wie die vorangegangene EP ein intensives und dichtes Singer/Songwriter-Album, das Chuck von einer anderen Seite zeigt.

Im Herbst 2007 kursieren schon wieder Gerüchte über eine erneute Reunion von HWM. Sänger Chuck signalisiert grundsätzliche Bereitschaft, wieder mit den anderen Kumpanen zusammen auf der Bühne zu stehen. Anfang November bestätigt die Band vier Live-Dates für Orlando, Sayersville und Chicago.

Gleichzeitig kündigt das Quartett die Veröffentlichung einer B-Seiten und Raritätensammlung namens "Till The Wheels Fall Off" für Ende Januar 2008 an. Mitte Juni erscheint das gute Teil auch in Deutschland.

Es folgen immer wieder Shows und kleinere Tourneen, während Chuck weiterhin an der Solo-Karriere schraubt, 2009 und 2011 Alben herausbringt und viel unterwegs ist.

Mit der Mini-EP "The Fire, The Steel, The Tread / Adds Up To Nothing" gibt es Mitte 2011 auch endlich wieder was von den Jungs gemeinsam zu hören. Der EP folgen Tourneen und schließlich das Album "Exister" Mitte 2012, das wieder vor gewonnener Spielfreude strotzt, auch wenn die Stimmung eher deprimiert und düster ist.

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Hot Water Music - Exister: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2012 Exister

Kritik von Andreas Dittmann

Die Postcore-Helden schieben noch ordentlich Frust. (0 Kommentare)

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