laut.de-Kritik

Prog-Metal auf dem kreativen Zenit.

Review von

Früher oder später landet jede Prog-Metal-Band beim Label InsideOut Music. So auch Haken, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen und mit "The Mountain" ihr bereits drittes Album vorlegen. Nachdem die Vorgänger das Genre zwar nicht revolutioniert, ihm aber zwei hochkarätige Bausteine hinzugefügt haben, lautet die bange Frage: Können Haken dieses Niveau halten?

Sie können, und sie können deshalb, weil sie genau wissen, was sie können. Haken sind sich stets bewusst, dass man im Jahre 2013 einem betagten Genre wie Prog nur sehr bedingt neue Impulse verleiht. Alle Skalen wurden schon tausend Mal gespielt, alle krummen Rhythmen ausprobiert, alle Instrumente eingesetzt, alle stilistischen Grenzen niedergerissen. Die Engländer pfeifen auf das alles, bleiben ihrem Stil treu, aber verfeinern ihn hier und dort.

Ein Berg, also. Wer jetzt auf ein Konzeptalbum über Reinhold Messners Leben gehofft hat, guckt leider in die Röhre: Der Berg dient als Metapher. Zum ersten Mal stammen die Texte nicht von Sänger Ross Jennings alleine, alle sechs Bandmitglieder durften ran. Dazu Gitarrist Charlie Griffiths in einem Interview: "Wir stellten fest, dass jeder Text davon handelte, etwas zu überwinden oder mit etwas fertig zu werden, sei es der Verlust eines geliebten Menschen oder auch der Kampf mit dem eigenen Selbstwertgefühl."

Einzelne Songs herauszugreifen, fällt schwer. Wie auch seine Vorgänger, entpuppt sich "The Mountain" als eine musikalische Reise, die am besten am Stück wirkt. Von melancholisch-ruhig bis euphorisch-metallisch reichen die verschiedenen Stimmungslagen, die die Musiker aus London gekonnt umsetzen. Die großen Vorbilder Dream Theater lugen wie gehabt öfter hinter dem Vorhang hervor, ältere Symphony X in geringerem Ausmaß ebenfalls, auch der Satzgesang à la Gentle Giant kommt erneut zum Einsatz ("Cockroach King").

Überhaupt, der Gesang: Ein großartiges Stück wie "Because It's There" mit seiner zunächst sakralen, dann wunderbar hoffnungsvollen Atmosphäre sucht man bei der aktiven Konkurrenz vergeblich. Jennings' Organ mag nicht jedermanns Sache sein, aber den Mann hört man unter Hunderten heraus. Wie er hier Stimmspur auf Stimmspur stapelt: Chapeau!

Diese Einfälle machen Haken so gut. Bemerkenswert auch die Sequenz am Schluss von "Somebody" - Hans Zimmers Score zu "Inception" mit seinen basslastigen Synthesizern lässt schön grüßen. Per se wirkt das eventuell nicht originell, aber diese Sounds an genau dieser Stelle einzusetzen, darin steckt der Genius dieser Band. Nebenbei: Ein besseres Ende hätte dieses exzellente Album gar nicht haben können.

Haken, die Versatzstückmaschine. Dennoch klingt die Musik bei ihnen eigenständig und so viel frischer und mitreißender als beispielsweise bei den bereits erwähnten New Yorkern. Woran liegt das? Schwer zu sagen. Spielt es überhaupt eine Rolle? Die Engländer orientieren sich mehr am Song, ausufernde Solo-Passagen zum Selbstzweck finden einfach nicht statt, die Instrumentalteile bringen stets die musikalische Narration nach vorne. Letzten Endes haben Haken einfach die geilsten Melodien am Start, die im Prog-Metal momentan zu finden sind.

Mit "The Mountain" legen sie ihr bestes Album vor. Haken dürften arge Probleme bekommen, es noch zu übertreffen. Denn besser kann es kaum noch werden: Diese Band befindet sich auf dem kreativen Zenit.

Trackliste

  1. 1. The Path
  2. 2. Atlas Stone
  3. 3. Cockroach King
  4. 4. In Memoriam
  5. 5. Because It's There
  6. 6. Falling Back To Earth
  7. 7. As Death Embraces
  8. 8. Pareidolia
  9. 9. Somebody

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