laut.de-Kritik

Groteskes Pamphlet voller lyrischer Sinnlosigkeit.

Review von

Frida Golds "Alina" strotzt vor aufgesetzter Attitüde. Die Band hätte sich am besten unter dem Cover-Handtuch verstecken sollen, denn was hier auf zwölf Songs stattfindet, ist nur schwer nachzuvollziehen. Dabei agieren diese Zeilen aus "DBNMMF" wie ein zynischer Spiegel: "Deine Aktion war Hochverrat / Und es tut mir nicht leid, was ich gleich sag".

Dabei startet das Album mit "Andis Song" gar nicht mal so schlecht. Eine sanfte Pianoballade über Alinas treuen Bandkollegen und eine zärtlich einsetzende Flöte malen ein ansprechendes musikalisches Bild. Nur der Gesang gerät dabei etwas zu einschläfernd.

Auch der Song zum wegen seiner Nacktszenen kontrovers diskutierten Video "Langsam" ist passabler Alltagspop, der zum Ende hin repetitiv wird und schon erste sinnlose Metaphern aufweist: "Auch wenn Tonnen Tränen entgegenkommen kannst du's wagen." Eine Tonne Tränen – sagt man das heutzutage so oder nur in Witten, wo Alina herkommt? Noch ein Beispiel für missglückte sprachliche Bilder bietet "Burn The Boats": "Aus meinen Tränen hört ihr's raus / Ich weiß jetzt endlich was es braucht." Vielleicht eine Einführungsliteratur über Semantik, denn aus Tränen kann man sicherlich nichts heraushören, man kann höchstens etwas aus ihnen lesen, wenn man schon auf metaphorischen Pfaden wandert.

Mit Tonnen hat sie es auch in "Ich Hab Angst", wenn sie singt: "Denn es braucht Tonnenkraft und zehn Sonnen voll Licht / Bist du stark genug für meine Monster und mich?." Es beschleicht einen das Gefühl, dass Alina nicht so recht mit der deutschen Sprache zurecht kommt. 'Tonnenkraft' ist weder ein geflügeltes Wort noch in der Physik präsent. Dieses mangelnde Sprachgefühl macht auch der sinister wirkende R'n'B-Beat nicht wett.

"Himmel" treibt die Verwirrung auf die Spitze: "Immer schauen wir Richtung Himmel / Was, wenn's den gar nicht gibt? / Kein Gott kein Paradies? / Nur du und mich." Wenn es den biblischen Himmel nicht gibt, dann gibt es halt nur noch uns beide – diese Zeilen sind an Unverständlichkeit kaum zu übertreffen. Dabei möchte Frida Gold uns offenbar doch direkt ansprechen mit auffordernden 'Eys' in diesem Song, wenn sie vor jeder Zeile in der zweiten Strophe ein "Ey, gib mal" oder "Ey, du bist" setzt. Plumpe Lyrik at its best.

Dem Kinderspruch 'Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht' setzt sie in "Wer Einmal Lügt" ein Denkmal mit einer Instrumentalisierung für den Kindergarten. Ein Haufen Eys und folgende unsinnige Zeile vollenden dieses schreckliche Stück: "Es gibt so vieles was man überwinden kann / Was schon viertelt gegen ein Leben lang." Hä, bitte was?

Wo schon die deutschen Texte unverständlich sind, führt eine weitere Sprache nur zu bilingualen Verwirrungen wie "Die Lust, die Wut entdrivet dafür" oder "Und klar wurd' ich dann anstrengend, denn was faked ist deck' ich auf". Trotzig ist Fräulein Süggeler ebenfalls, denn als letzten Song klatscht sie das englischsprachige "Run Run Run" aufs Album, das beim Publikum völlig zurecht nicht gut ankam. Ein jaulender Chorus, zu viel Pathos und eine halbe Zeile auf Deutsch kredenzen ein Festmahl der Grausamkeit.

Schlagerlyrics und -beats auch in "Wir Sind Zuhaus" oder "Zurück Zu Mir" mit abermals abstrusen Anglizismen und einem ekelhaften Bumsbeat-Refrain, den selbst Avicii besser hinbekommen hätte. In "DBNMMF", was für "Du Bist Nicht Mehr Mein Freund" steht, zitieren Frida Gold die Refrainmelodie samt verzerrter Stimme aus The Weeknds "The Hills", wobei Alinas Vortrag sehr an den Nerven zerrt. Darüber hinaus schielt sie auf Ellie Goulding, wenn sie in "In My Sleep" deren falsett-artige Uuhhs nachahmt. Dieser Song ist der Soundtrack für 15-jährige Mädchen, die ihrer einzig großen Liebe hinterher weinen und dabei ihren Kajal verschmieren.

"Alina" ist an vielen Punkten dermaßen ohne Sinn und voller peinlicher Lyrics, dass nur resignatives Kopfschütteln übrig bleibt. Den abschließenden Aphorismus zu diesem Album schaffen Frida Gold wieder selbst: "Ich bin nicht okay, nichts ist okay / Manchmal denk' ich ich geh' drauf / Weil es keiner versteht wie's sich in mir dreht / Dann denk' ich 'Ach komm, hör auf.'"

Trackliste

  1. 1. Andis Song
  2. 2. Burn The Boats
  3. 3. Wir Sind Zuhaus
  4. 4. Ich Hab Angst
  5. 5. Langsam
  6. 6. Rebel In Chanel
  7. 7. Zurück Zu Mir
  8. 8. Himmel
  9. 9. Wer Einmal Lügt
  10. 10. DBNMMF
  11. 11. In My Sleep
  12. 12. Run Run Run

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8 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Keine gute Rezension, sehr undifferenziert. Der Autor ist vor allem eins: bemüht, die Texte nicht oder falsch zu verstehen.
    Beispiele:
    - Die Tonne Tränen: Eine Tonne ist ein Gefäß mit relativ großem Volumen. Es geht also um sehr, sehr viele Tränen. Das ist sicher eine sehr starke (daher unübliche) Übertreibung, aber für mich wird klar, was gemeint ist.
    - Tonnenkraft: Hier ist natürlich gemeint "Tonnen Kraft", Tonne als physikalische Einheit. Das klingt in nem Popsong irgendwie besser als "Kilonewton Kraft" und lässt sich, wie aus der Physik bekannt, leicht ineinander umrechnen.
    - Song "Himmel": Für mich ist klar, dass sich alles um die Aussage "Ich krieg das nicht in den Kopf, dass wir uns nicht verantwortlich fühlen / und uns ständig sagen: 'Das kriegt schon ein anderer hin.'" dreht. Nimm deine Verantwortung für Frieden, Welthunger, Gerechtigkeit wahr und schieb's nicht auf andere, übergeordnete Instanzen. Himmel und Gott sind Beispiele dafür; "du und ich" stehen für jeden Einzelnen.

    Ich muss zugeben, aus "Was schon viertelt gegen ein Leben lang" werd ich auch nicht schlau, vielleicht singt sie da auch irgendwas Anderes.
    Songs wie "Ich hab Angst" und "Langsam" find ich textlich durchaus ansprechend und das Album musikalisch abwechslungsreich und insgesamt nicht schlecht. Aufgerundete 3/5.

    • Vor einem Jahr

      Außerdem ist es abwegig "Die Lust, die Wut entdrivet dafür" zu verstehen (wenn dann "entdrivt" mit nur einem e). Vielmehr geht es um "den Drive", ein laut Duden Wort der deutschen Sprache.

    • Vor einem Jahr

      Danke für Deinen Einsatz, die Texte von Frida Gold zu verstehen. Die Autoren hier sind dazu ja offensichtlich nicht in der Lage.
      Nimmst Du Textinterpretation gerade in der 7. Klasse im Deutschunterricht durch?

    • Vor einem Jahr

      Wenn man nur von minderbemittelten "richtig" verstanden wird, ist das definitiv ein Statement. 1/5

  • Vor einem Jahr

    Nicht meine Platte Durchschnitt für mich

  • Vor einem Jahr

    Also war es eine gute Entscheidung, das Video bisher nur ohne Ton zu schauen.