laut.de-Kritik

Scooter würden sich schämen für solche Tracks.

Review von

"Oh Mami, ich fass es nicht". Diese Worte aus dem Song "Mami" lassen einen die ganze Spielzeit von "Flätrate" nicht mehr los. Ja, Mami, ich fasse es einfach nicht!

Die beste Musik war man auch vorher nicht von Culcha Candela gewöhnt, der Vergleich mit Seeed hinkte immer gewaltig. Aber im Notfall konnte man es noch irgendwie hören. Wie schön waren doch die Zeiten von "Hamma", verglichen mit diesem Nonsens. Heute scheint das Vorbild eher bei den Atzen zu liegen. Und das Niveau erreichen sie spielend.

Bei "Blaumann" und "Verdammt guter Tag" werden sogar längst verdrängte Erinnerungen an Mr. President und die Vengaboys wach. Scooter würden sich für solche Tracks schämen. Culcha Candela lassen die letzten Black Eyed Peas-Alben wie einen Picasso dastehen.

Die Musik, gepresst auf den neutralen Körper dieses bemitleidenswerten Tonträgers, hat den Namen kaum verdient. Dieser Schlonz wurde nicht für den Autoscooter produziert, die Jahrmarktattraktion wurde erfunden, weil die Menschheit nicht wusste, wo man solch einen Rotz spielen soll. Die (bis auf Johnny Stranges) lächerlichen Stimmchen werden mit dem heutzutage allgegenwärtigem Auto-Tune so entfremdet, dass es vollkommen egal scheint, wer da im Studio war. Ein Zufall, dass Auto-Tune und Autoscooter mit den gleichen vier Buchstaben beginnen? Wohl eher eine teuflische Allianz.

Dabei stellt die Musik nicht einmal das größte Ärgernis des Albums dar. Es sind diese Texte, die einen dann endgültig plätten. Nichts scheint den sechs Jungs von der Flätrate-Tankstelle zu doof, um es nicht unter die Menschheit zu blöken. Beispiel gefällig? "Ich will nur eine mit Herz, Kopf, Arsch und Pepp / draußen Prinzessin und Freak in meinem Bett / ein klein bisschen Lady, ein klein bisschen gaga / so was fänd' ich voll perfekt."

Von 'voll perfekt' könnten Textausflüge wie "Hey Girl, lass uns parken und dann Rambazamba" aus "Am Start" kaum weiter entfernt sein. Roberto Blanco lässt grüßen. Jeder Reim auf "Flätrate" kommt mit der Sprechstange daher. "Du bist so gierich, ich glaub ich verlier' mich." Ihre Street Credibility bringen sie dann in "Verdammt guter Tag" mit den Worten "Atschibätsch und Tralala" auf den Punkt. In da Ätschibätschi Hood.

Beim Titeltrack und Opener könnte man zuerst auf den Gedanken kommen, Culcha Candela setzen sich kritisch mit der Flatrate-Thematik auseinander - "Runter mit dem Niveau, und alle hoch die Tassen" - aber je länger das Elend andauert, um so mehr denkt man sich: Jesses, die meinen das ernst!

Insgeheim betet man dafür, dass Torfrock schon sehr bald auffällt, wie Culcha Candela bei "Von Allein" von ihrem "Beinhart" geklaut haben und sie bis auf den letzten Cent aus dem Verkauf dieses Albums verklagen. Leider kommen wie bei den Vorgängerplatten sicherlich einige davon zusammen. Begreifen muss man das nicht.

Das größte Fragezeichen bleibt aber am Ende hinter dem Entschluss, die Promo-CD mit einem Wasserzeichen zu versehen. Was für ein Mumpitz. Diese "Musik" will man nicht mal an seine größten Feinde weitergeben. Viel eher wünscht man sich nach dem Genuss der 52 Minuten eine gepflegte Lobotomie, um diesen Schund zu vergessen. Dann bestünde vielleicht noch die Chance auf einen "Verdammt guten Tag". Atschibätsch und Tralala.

Trackliste

  1. 1. Flätrate
  2. 2. Hungry Eyes
  3. 3. Wildes Ding
  4. 4. Nix Zu Verlieren
  5. 5. Von Allein
  6. 6. Megaherz
  7. 7. Millionäre
  8. 8. Big Fat Smile
  9. 9. Dieses Gefühl
  10. 10. Am Start
  11. 11. Mami
  12. 12. Blaumann
  13. 13. Rise And Shine
  14. 14. Verdammt Guter Tag
  15. 15. Morgen Fliegen

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49 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    es ist -eindeutig ein Maulwürfhügel. Entschuldige mich hiemit bei deinem Hündchen!

  • Vor 3 Jahren

    @miquelcarvantes: Als Reggae und Dancehall lassen sich die Culchis schon lange nicht mehr bezeichnen, eine Beleidigung für dieser viel zu wunderabre Genre. Jah bless it!
    Jedenfalls hatte ich, nachdem Johnny Strange 2010 ein durchaus gutes Charity Ablum rausgebracht hat, dass sie wieder auf den alten Weg zurückfinden. Aber im Gegenteil, es wurde noch schlimmer. Mögen Menschen mit Musikgeschmack eure Konzerte infiltrieren und euch gnadenlos ausbuhen!

  • Vor 3 Jahren

    @Luksoropoulos: jupp richtig, seh ich ja gar nicht anders als du oder der krasse Buju... ich war 2005 am Chiemsee Reggae und musste zwischen Amadou Mariam und Jimmy Cliff ihre Performance ertragen. Schon da fielen sie vor allem durch ihre Backstreet-Boys-Nostalgie-Choreografie auf. Ich will sie ja gar nicht in dieses Genre pressen. Diese Arbeit haben ihre Manager schon längst selbst verrichtet.
    Meiner Meinung nach hat z.B. Patrice's letztes Album auch nicht mehr viel mit Reggae gemein, trotzdem spricht man von ihm halt vorwiegend als Reggae-Künstler, da er davor doch sehr auf diesem Pfad unterwegs war. Mir deshalb wegen dem Begriff Dancehall-Boygroup bezüglich Candela einen Strick drehen zu wollen, ist dann schon sehr gesucht. Vor allem aber unwichtig. Immerhin scheinen wir uns ja alle einig zu sein dass ihr Sound Grütze ist. Ich würde mal sagen, dass ist einiges mehr wert, als sie irgendwo einordnen zu wollen. Das muss sowieso scheitern. Haile bless.