laut.de-Kritik

Rollator-Geschunkel meets Klassiker.

Review von

Ja, richtig: Drei Jahre sind seit dem Comeback der Böhsen Onkelz vergangen. Wer nicht so gern mit Kalenderdaten rechnet, dem stellt Deutschlands Hassliebe ein bequemes Livealbum-Zählsystem zur Verfügung: "Live In Dortmund II" ist nämlich bereits das dritte seit 2014. Melke, was du melken kannst. Erst recht, wenn sich neben Abrundung der Tour auch noch ein Jubiläum zu Vermarktungszwecken anbietet: Denn "Live In Dortmund" Teil eins jährt sich 2017 zum 20. Mal.

Nur: Warum genau sollte ich mir das jetzt gleich wieder ins Regal stellen? Ach ja, im Veröffentlichungswahn zwischen Liveschlacht und Sinfonie-Gedöns fast ein bisschen untergegangen: Die Onkelz haben ein neues Album. Also, so ein richtiges Studioalbum, mit neuen Songs, neuen Texten und allem drum und dran. "Memento" heißt es und gar sieben Songs davon haben es auf "Live In Dortmund II" geschafft. Schade, dass dabei ausgerechnet die beiden fehlen, die dem gewohnten Trott entfliehen ("Der Junge Mit Dem Schwefelholz", "Nach Allen Regeln Der Sucht").

Den Neffen wird das ziemlich wurst sein, live will man schließlich grölen und dafür sind "52 Wochen", "Auf Die Freundschaft" und "Jeder Kriegt Was Er Verdient" eh viel besser geeignet. Der Opener "Gott Hat Ein Problem" sowieso. Und das hört man entgegen der Aussage vieler Kundenrezensionen auf gewissen Online-Shopping-Portalen auch auf den Aufnahmen. Niemand will, dass das Publikum auf Platte lauter singt als die Band, ganz stumm sollte es bei einem Livealbum allerdings auch nicht sein. Die Onkelz finden diesmal eine ganz gute Balance. Unter dem klaren Bandsetting liegt ein stets präsenter, aber nie zu aufdringlicher Fan-Teppich.

Die Band selbst spielt wenig verwunderlich in Höchstform auf, gerade Kevin Russell am Mikro stellt einmal mehr unter Beweis, wie gut er sich gesundheitlich und stimmlich erholt hat. Weidner gibt wie immer den Zeremonienmeister, macht zwischen den Songs auf Best Buddy, lobt die Anhänger und bellt gefühlt häufiger als sonst Backing-Vocals in die Arena. Da die Ansagen auf der CD aber eh recht rar gesät sind, hätte man auf Sparwitze à la "Danke für 36 Jahre! – Auf die nächsten 36! – Dann heißt die Tour 'Demento'", getrost verzichten können.

Die Performance steht glücklicherweise meist über diesem Niveau. Gerade im Gassenhauer "Gehasst, Verdammt, Vergöttert" und dem extra fies und tempofreudig dargebotenen "Danke Für Nichts" brettern die Burschen gut ab. Ob man davon, von "Finde Die Wahrheit" und Co., wirklich noch ein weiteres Live-Dokument gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, aber geschenkt, da sich die neuen Songs problemlos ins Set fügen. Durchhänger stellen allerdings die Balladen "Wieder Mal Nen Tag Verschenkt" und "Wo Auch Immer Wir Stehen" dar. Ersteres spottet der großartigen "La Ultima"-Version und verkommt zur Routine-Show. Dynamik? Fehlanzeige. Letzteres macht seinem Album-Eindruck alle Ehre und kommt live sogar noch dröger rüber. "Und ist das Leben noch so hart", solch ein Rollator-Geschunkel rechtfertigt das trotzdem nicht.

Spätestens wenn das niemals totzuspielende (oder vielleicht doch?) Schlussquintett "Auf Gute Freunde"/"Wir Ham' Noch Lange Nicht Genug"/"Kirche"/"Mexiko"/"Erinnerungen" angeführt von Gonzos Solo-Teaser reinklickt, liegen sich eh wieder alle in den Armen. "Nichts Ist Für Die Ewigkeit" muss heute draußen bleiben, dafür sorgte "Dunkler Ort“ mit seinen Rammstein-Synths zuvor für ein wenig Abwechslung. "10 Jahre" und "Schutzgeist Der Scheiße" waren bei den vorangegangenen Reinkarnations-Livealben auch noch nicht an Bord – nimmt man also trotz des nicht besser werdenden Titels gerne mit.

Mal sehen, wie lange Böhse Onkelz ihre Release-MG noch im Anschlag behalten. Demnächst soll ja noch der Berlin-Konzertrun vom Dezember 2016 auf DVD erscheinen. Die Setlist ist übrigens identisch zur Dortmunder. Aber da es zu "Live In Dortmund II" kein Filmchen gibt, werden die Neffen schon brav ein weiteres Mal ihren Geldsack öffnen. Solange Stephan Weidner und Co. allerdings ihre Qualitätsstandards so hoch halten wie momentan, kann man sich darüber leider gar nicht so doll aufregen. Auch wenn man das vielleicht gerne möchte.

Trackliste

CD I

  1. 1. Intro
  2. 2. Gott Hat Ein Problem
  3. 3. 10 Jahre
  4. 4. Finde Die Wahrheit
  5. 5. Irgendwas Für Nichts
  6. 6. Nie Wieder
  7. 7. Gehasst, Verdammt, Vergöttert
  8. 8. Auf Die Freundschaft
  9. 9. Schutzgeist Der Scheiße
  10. 10. Lieber Stehend Sterben
  11. 11. Nur Die Besten Sterben Jung
  12. 12. Jeder Kriegt Was Er Verdient
  13. 13. Dunkler Ort
  14. 14. Wieder Mal Nen Tag Verschenkt

CD II

  1. 1. 52 Wochen
  2. 2. Danke Für Nichts
  3. 3. Bomberpilot
  4. 4. Wo Auch Immer Wir Stehen
  5. 5. Mach's Dir Selbst
  6. 6. Auf Gute Freunde
  7. 7. Wir Ham' Noch Lange Nicht Genug
  8. 8. Kirche
  9. 9. Mexiko
  10. 10. Erinnerungen

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27 Kommentare mit 232 Antworten

  • Vor 4 Monaten

    Meine Fresse was waren das damals vor 20 Jahren in Dortmund noch für Zeiten! Zeiten in denen ich noch an die Onkelz geglaubt und zu ihnen aufgeblickt habe. Doch heute sind die Onkelz in meinen Augen nur noch Kommerz und die Reunion ist ja wohl das verlogenste was mir je untergekommen ist. Aber sei´s drum, ich kann mit den Onkelz heute eh so gut wie nichts mehr anfangen.

    Ungehört 1/5

    • Vor 4 Monaten

      Auf solche Verräter wie Dich scheissen wir wahren Fans einen großen Haufen. Geh doch weiter Hosen oder Ärzte hören. Echte Annhänger bleiben treu!

    • Vor 4 Monaten

      So so wer also die Onkelz nicht mag oder kritisch sieht hört automatisch Hosen oder Ärzte? Bist du wirklich so dumm wie du tust?

    • Vor 4 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor 4 Monaten durch den Autor entfernt.

    • Vor 4 Monaten

      Es ist zumindest naheliegend, dass ein Judas, wie Du es einer bist, sich für 30 Silberlinge an diese Schundkapellen verkauft. Einfach ekelhaft.

    • Vor 4 Monaten

      Ihr Onkelz Fans fordert immer Toleranz für euch ein seid aber selbst die intolerantesten überhaupt. Das finde ich ekelhaft. Übrigens sind Campino und Weidner inzwischen Freunde. Das nur zur Info.

    • Vor 4 Monaten

      Man muss seinen Feind ja auch kennen, um Ihn zu bekämpfen. Die genauen Motive hinter dieser "Freundschaft" wirst du wohl auch nicht kennen.

    • Vor 4 Monaten

      Ich würde mich ja gern weiterhin geistig mit dir duellieren aber ich sehe das du unbewaffnet bist. Also lass gut sein.

    • Vor 4 Monaten

      Für dich nur noch soviel: Wenn Freundschaft bedeudet sein Wort zu brechen und seine Ideale an den Kommerz zu verkaufen kann ich gern darauf verzichten. Schönes Leben noch und pass ja auf das du ja kein Konzert und kein Release verpasst. Du bist ja ein "wahrer" Fan :-)

    • Vor 4 Monaten

      Eine Retourkutsche aus der rethorischen Abstellkammer macht dein albernes Auftreten hier nicht besser Neffe3. Außerdem sollte es hier um die neue DVD der BO gehen. Da du kein Fan mehr bist (und vermutlich auch niemals warst) solltest du dich hier lieber heraushalten.

      Auf den sogenannten "Frauenfreund" werde ich nicht mehr weiter eingehen. Scheint hier wohl der Hofnarr zu sein.

    • Vor 4 Monaten

      Zum Album habe ich meine Meinung gesagt aber du musstest mich ja unbedingt dumm vollquatschen. Also halte mal schön den Ball flach.

    • Vor 4 Monaten

      von Bluecher wer in Bezug von Musik von Feind spricht zeigt wessen geistes Kinde du bist. In meinen Augen ist eine Musikalische Veränderung das normalste auf der Welt.

  • Vor 4 Monaten

    1. Kevin ist ein Hurensohn
    2. Die Onkelz sind Nazi-Dreck
    3. Die Mucke ist wirklich der hinterletzte Haufen Scheisse
    4. Kevin ist ein Hurensohn

    Fazit: Ungehört 1/5

  • Vor 4 Monaten

    Andererseits kann man den Onkelz auch nicht übelnehmen was sie machen. Die "gläubigen" und verblendeten Massen wollen doch verarscht werden. Aber ohne mich!

    • Vor 4 Monaten

      ne, diejenigen die sich verarschen lassen wollen hören die Hosen und die Ärzte!

    • Vor 4 Monaten

      Mit ein klein wenig Grips sollte man eigentlich ganz leicht dahinter steigen warum die Reunion gestartet wurde :-)

      "Wer die Onkelz kennt der weiss das es keinen Weg zurück gibt..." Das waren anno 2005 Weidners Worte.

      Aber Pappnasen wie du raffen es einfach nicht und genau das ist den Onkelz ihr Kapital.

    • Vor 4 Monaten

      die Onkelz machen was sie wollen. So wie es echte Rocker zu tun pflegen!

    • Vor 4 Monaten

      Sie ziehen dir und tausenden anderen "gläubigen" und verblendeten Deppen das Geld aus der Tasche und legen sich backstage eine Schiene nach der anderen :-) Ihr Geschäftsmodell funktioniert nach wie vor hervorragend, sogar noch besser als in den 90ern als sie noch einigermaßen glaubwürdig waren.

    • Vor 4 Monaten

      also machen sie das was jede andere Band auch macht. Schon komisch das man dies nur bei den Onkelz kritisiert......

    • Vor 4 Monaten

      ist ja vollkommen in ordnung, du wirst doch nicht gezwungen, die musik der onkelz zu hören oder zu kaufen. aber es gibt genug fans, die das hören wollen und auch kaufen. wo ist das problem?

    • Vor 4 Monaten

      yep gravit, du bringst es auf den Punkt. Deshalb bin ich froh das die Onkelz an mir vorbei gehen.

    • Vor 4 Monaten

      hmmm..schon komisch...wenn an mir etwas vorbei geht dann hinterlasse ich üblicherweise keinen Kommentar dazu. Wenn ich selbiges nämlich tun würde dann würde dies ja an sich bedeuten das es doch nicht an mir vorbei geht, nicht wahr? ;-)