laut.de-Kritik

Das Album gibt sich so bescheuert wie man selbst vielleicht mal war.

Review von

Die Bloodhound Gang kotzt und pisst auf "Hard Off" dort weiter, wo sie mit "Hefty Fine" aufgehört hat. Knietief steht sie in den eigenen Fäkalien und schwenkt die versiffte Fahne des schlechten Geschmacks, als würden wir noch immer das Jahr 2000 schreiben, "Hooray for Boobies!" schreien und als sei Jimmy Pop noch 28 Jahre alt, nicht 43.

Ich erinnere mich an einen guten Schulfreund, der damals den Song "The Ballad of Chasey Lain" als Maxi-Single besaß. Der CD-Aufdruck zeigte eine Frau in Beine spreizender Pose, die Intimsphäre ließ das Loch des Silberlings aus. Damals beömmelten wir uns über diesen vermeintlich raffinierten Sex-Witz, auch wenn keiner von uns die Lücke in seiner Fantasie ausfüllen konnte.

15 Jahre später bringt die Bloodhound Gang mit "Hard Off" diese infantile Perversion zurück, das musikalische 'Höhöhö' nach einer halben Flasche Jägermeister. Schon das Cover schreit danach, das neue Album auf CD, besser noch als Kassette zu kaufen. Bloß nicht auf Vinyl, um das Abbild der reifen Dame mit den überreifen Brüsten möglichst klein zu halten.

Der Anblick eignet sich sicher nicht für schwache Nerven. Aber "Pussies" wollen die Bluthunde sowieso nicht unter ihren Hörern. Die, die Fair-Trade-Kaffee trinken, Haarprodukte verwenden oder noch schlimmer: Klopapier benutzen. Alles Kram für Weicheier, heißt es in "My Dad Says That's For Pussies". Der Einstieg in das Sammelsurium der Körperflüssigkeiten erfolgt mit Pop-Punk aus dem letzten Jahrtausend, der Menschen mit Stauballergie Tränen in die Augen treibt. Was für ein ideenloser Quatsch, den die Gang hier vom Stapel lässt. Trotzdem: In Gedanken trinke ich wieder verbotenerweise Bier und kichere heimlich in mich hinein.

Musikalisch entspricht der Output der Bloodhound Gang auf "Hard Off" in etwa dem, was Bassist 'Evil' Jared Hasselhoff regelmäßig bei Circus Halligalli hochwürgt. Dumpfe Bumms-Beats paaren sich mit Billo-Synthies auf "Dimes", ebenso auf "Chew Toy". Bestenfalls fabriziert die Band belangloses Geklimper wie in "American Bitches". Ein Highlight bietet aber "Uncool As Me" mit dem haarsträubendsten Feature-Gast der Bandgeschichte. Joey Fatone (Ex-N-Sync) steuert auf dieser Ode an schräge Außenseiter Vocals bei, die sich nicht ganz mit seiner Boyband-Vergangenheit vereinbaren lassen ("Hey you, you dance like those assholes I see / in old Molly Ringwald movies / I think you're as uncool as me").

Die lyrischen Ausscheidungen Jimmy Pops finden auf "Diary Of A Stranger" ihren Höhepunkt. Zu grausigem Synthie-Piepen schmückt der Frontmann ein sanitäres Erlebnis der unschönen Art aus: "Barf into a toilet, full of the stranger's diarrhea." Dieses Mal gehen Text und Musik Hand in Hand. Schrottiger geht es kaum, und wieder kann ich mir das Lachen nicht verkneifen. Die Zeile "Hausgemachter Toilettensalat" traf mich unvorbereitet, ich kapituliere vor dieser irren Text-Anarchie. Mit "Socially Awkward Penguin" gelingt der Bloodhound Gang noch ein akzeptabler Ohrwurm, den sie sich jedoch mit banalem Singsang und platten Riffs erkaufen.

Erinnert sich jemand an den Golgathaner aus dem Film "Dogma"? Ein Dämon aus Exkrementen, der aus einer Toilette aufsteigt, um die Helden anzugreifen. So wirkt "Hard Off". Ein Haufen Mist, der aus der Vergangenheit auftaucht und erwachsene Männer wieder über Fäkalhumor lachen lässt. Braucht niemand mehr, tut aber auch nicht weh. Im Gegenteil: Das Album gibt sich so bescheuert wie man selbst vielleicht mal war. Mit einer Menge Nostalgie, Bier und abgedecktem Cover geht das Ding getrost als peinlicher Partyfüller durch.

Trackliste

  1. 1. My Dad Says That's For Pussies
  2. 2. Dimes
  3. 3. American Bitches
  4. 4. Chew Toy
  5. 5. Uncool As Me feat. Joey Fatone
  6. 6. Clean Up In Aisle Sexy
  7. 7. Diary Of A Stranger
  8. 8. Socially Awkward Penguin
  9. 9. Think Outside The Box
  10. 10. We're Gonna Bring The Party To You
  11. 11. Bumblebees

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16 Kommentare mit 18 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Leider kann ich dieser Bewertung nicht zustimmen. Ich gebe dem Album nach mehrfachem Anhören 4 von 5 Punkten.
    Offensichtlich scheint Christian Kollasch nicht allzu viel Humor zu besitzen. Wen interessiert es, ob die Mitglieder der Bloodhound Gang mittlerweile Anfang 40 sind? Man ist nie zu alt für Witze oder Fäkalhumor. Die Texte auf dem Album sind humorvoll und ironisch und zeigen auf, dass man das Leben bloß nicht ernster nehmen sollte, nur weil man jetzt ein paar Jährchen älter ist.
    Ich freue mich, dass ich auch als erwachsene Person noch fähig dazu bin über solche Lyrics zu lachen.
    Mal abgesehen davon, dass es doch merkwürdig wäre, wenn die Bloodhound Gang nun seriöse Texte schreiben würden...da würde man sie noch weniger ernst nehmen. Ich finde es super, dass sie ihrer Spur treu bleiben.
    Auch die Kombination aus Synthiesounds und Gitarrenriffs ist auf dem Album super gelungen.
    Weiter so, Jungs!

    Schade nur, dass offensichtlich viele gar nicht mitbekommen haben, dass es ein neues Album gibt. Habe es auch eher zufällig Anfang Januar mitbekommen.

  • Vor 11 Monaten

    Unterscheidet sich doch schon stark von dem ganzen alternativen Einheitsmüll den wir sonst so geboten bekommen. Klar haben wir nicht mehr 2003 aber zählt heute ein wenig Nostalgie gar nichts mehr. Die BHG hat schon immer das gemacht was sie wollten und das setzen Sie hier eindeutig fort. Einiges zum schmunzeln dabei. Der opener ist ein guter Einstieg und zeigt das man das Leben nicht zu ernst nehmen sollte. Mittlerweile hab ich bei vielen Rezensionen, auch von anderen Seiten, das Gefühl das diese geschrieben werden wenn der Autor gerade seine Periode hat.

  • Vor 3 Monaten

    mein ranking:

    1. track 10/10
    2. track 9/10
    3. track 9/10
    4. track 7/10
    5. track 8/10
    6. track 7/10
    7. track 9/10
    8. track 9/10
    9. track 9/10
    10. track 8/10
    11. track 1/10