laut.de-Kritik

Das funktioniert am besten ohne Metal.

Review von

Nightwish, Within Temptation, Beyond The Black? Die heilige Dreifaltigkeit des Symphonic Metal? Wenn man so die Reaktionen auf die gerade mal zwei Jahre alten Mannheimer liest, scheint das gar nicht so weit hergeholt.

Relativieren wir das erst einmal: der Nightwish-Vergleich hinkt sehr. Mal ganz abgesehen davon, ob man nun Fan der Musik ist oder nicht. Insbesondere was Komplexität und Kompositionskunst angeht, ist Tuomas Holopainen doch eine ganz andere Liga. Within Temptation? Schon eher. Allerdings haben die sich in jüngster Vergangenheit auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Betrachten wir Beyond The Black doch einmal völlig losgelöst. Eine ziemlich poppige, melodienreiche Melange, zwischen die Heavy-Riffs grätschen. Nichts Ungewöhnliches, klassische Genrevertreter. Die Songs sind schlüssig, klar strukturiert. So bleiben Überraschungen zwar aus, dafür geht alles wunderbar gefällig ins Ohr. Darauf steht man oder eben nicht.

Von technischer Seite aus betrachtet, gibt es auf "Lost In Forever" im Grunde nichts zu bemängeln. Produziert hat die Platte Sascha Paeth, und dessen Sound ist zwar für meinen Geschmack hier etwas zu glatt poliert, erweist sich aber als ziemlich druckvoll. Die einzelnen Elemente kommen schön zur Geltung, insbesondere der Bass positioniert sich gut im Mix.

Probleme braucht man also nicht am Mischpult zu suchen, eher in der Musik elbst. Die will in erster Linie episch sein. Und genau das gelingt ihr auch mit Bravour. Nur darüber hinaus fehlt leider die Tiefe. Die Melodien sind da, der Bombast ist da, die Kitschschicht muss man teilweise mit einem Schaufelradbagger abkratzen – nur springt der Funke irgendwie nicht recht über. Nähe verspürt man in den seltensten Augenblicken.

Beyond The Black sind auf "Lost In Forever" zwar alles andere als schlecht unterwegs. Doch sie bewegen sich leider die ganze Zeit in ausgetretenen Pfaden. Müsste ich mich auf ein Wort festlegen, um das Album zusammenzufassen, wäre es "austauschbar". Am besten zeigen das die hin und wieder eingebauten Screams von Gitarrist Christopher Hummels, die eher stören, als dass sie den Song irgendwie bereichern. Man hat wohl mitbekommen, dass andere Bands das auch so machen und dachte sich: "Hey, wir sind Metal – wir brauchen Gutturalgesang." Absolut nicht. Mit Jennifer Haben hat man eine tolle Sängerin an der Front, grölende Unterstützung ist dabei eigentlich nicht nötig.

Tatsächlich gefallen mir "Beyond The Black" am besten, wenn sie den Metal hintenanstellen. Ab und an packt die Band die Akustikklampfe aus, und plötzlich schrumpft die Distanz zwischen Musiker und Hörer merklich. Beispiele: Das Konzertgitarrensolo im Schlussakt zu "Forget My Name" sowie die abschließende Ballade "Love's A Burden", die vor allem Jennifer Habens Stimme in den Vordergrund rückt und angenehm unprätentiös daherkommt. Die begleitenden Streicher halten sich im Hintergrund.

Als Fan von Symphonic Metal mit großzügigem Pop-Faktor kann man mit "Lost In Forever" sicher nichts falsch machen. Das ist durchweg überdurchschnittlich solide Kost, mit einem tollen Sound ausgestattet: jeder weiß innerhalb weniger Momente, woran er ist. "Lost In Forever" ist eben in erster Linie ein Zielgruppenprodukt, das innerhalb seines Bereiches die Leute mehr als zufriedenstellen, darüber hinaus aber vermutlich nicht viele abholen wird.

Trackliste

  1. 1. Lost In Forever
  2. 2. Beautiful Lies
  3. 3. Written In Blood
  4. 4. Against The World
  5. 5. Beyond The Mirror
  6. 6. Halo Of The Dark
  7. 7. Dies Irae
  8. 8. Forget My Name
  9. 9. Burning In Flames
  10. 10. Nevermore
  11. 11. Shine And Shade
  12. 12. Heaven In Hell
  13. 13. Love's A Burden

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Im Jahr der Gründung (2014) der Debütauftritt auf dem Wacken Open Air, ein paar Monate später im Vorprogramm von Saxon durch Großbritannien, im Februar …

4 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 7 Monaten

    Der Kritik ist nichts hinzuzufügen. Man sollte aber erwähnen, dass die Band auf dem Album kein einziges Instrument selber spielt. Das haben andere übernommen, damit wohl Zeit gespart wird. Beyond the Black ist einfach ein Castingprodukt, mit dem Universal jetzt auch in Nischengenres Geld scheffeln will. Immerhin sind sie damit musikalisch besser aufgestellt, als z.B. diese unsägliche Ethnopop-Sache "Oonagh". Daher ist es auch in meinen Augen als Fan des Genres nicht so schlimm, aber es nimmt dem Ganzen, wie die Kritik eben auch sagt, die Nahbarkeit. Wenn Tuomas Holopainen in "Nemo" von Einsamkeit schreibt, dann glaubt man ihm das einfach, weil er es aufgrund der turbulenten Bandgeschichte mit Tarja vermutlich selber erlebt hat und weil Nightwish als Band groß geworden sind. Bei "Beyond The Black" spielen Marionetten die Songs von ausgewählten Produzenten und daher bleibt diese Austauschbarkeit und Kälte. Zumal man erwähnen muss, dass die Texte komplett aus einem Gothtextbaukasten zu stammen scheinen. Nichtsdestotrotz ist die Musik top produziert und sehr eingängig und genau das ist der Grund, warum ich diese Maschinerie hier gutheißen kann. Hätte sich die Band selber gefunden, dann wäre es interessant gewesen zu sehen, wie ihre Musik sich anhören und vor allem anfühlen würde. Live sind sie übrigens auch in Ordnung. Jennifer Haben ist eine gute Sängerin und die Band hat ihre Parts gut geübt. Ich bin jedenfalls gespannt, was Universal noch mit dieser "Band" (in fetten Anführungszeichen) anstellt, denn musikalisch gesehen ist das in meinen Augen guter Kommerz. Und "Lost in Forever" ist weitaus besser, als das Debüt. Gerade in Sachen Abwechslung und Arrangements.

    • Vor 7 Monaten

      durchaus richtig, doch muss man sagen, dass sie live echt gut sind...die haben wirklich spaß auf der bühne.

      ob es wirklich so ist, dass die band die Songs nicht selbst spielt weiß man nicht...

    • Vor 7 Monaten

      Doch, das weiß man, denn es steht in den Credits der CD's. Es gibt auf dem neuen Album gerade mal einen Song "Beyond The Mirror", der komplett vom Bassisten geschrieben wurde. Der Rest geht auf die Haut von Sascha Paeth und Songwritern von Elephant Music. Jenny hat allerdings auch noch bei zwei Songs mitgewirkt. Das wars dann. Wie sollte das denn auch anders gehen, wenn die band staendig auf Tour war und es gerade mal ein Jahr Produktionszeit für das neue Album gab.

      Und live sind sie okay. Jenny singt ausgezeichnet und der Drummer bekommt gerne mal eine Soloeinlage. Die Vorband Masterplan hat da aber in meinen Augen mehr Stimmung verbreitet . da hat man die Energie einfach gespürt.

  • Vor 7 Monaten

    Alles funktioniert am besten ohne Metal.

  • Vor 7 Monaten

    Schlimme Band ohne Seele. Dass sie live gut sind, ist kein Qualitätsmerkmal, denn immerhin sind hier Berufsmusiker am Werk, die Geld dafür kriegen, eine ordentliche Leistung auf's Parkett zu bringen. Schade, dass so etwas unterstützt wird, spricht aber für das debile Konsumverhalten oberflächlicher Wacken- bzw. Mainstream-Metaller, die einfach nur beschallt werden möchten, ohne sich mit irgendetwas auseinandersetzen zu müssen. Ekelhaft, aber auch diese Castingband wird ihr Ende finden.

    • Vor 7 Monaten

      Natürlich findet die Band ihr Ende. Man siehe bloß die ganzen anderen Retortenbands, die maximal 2-3 Jahre überlebt haben.....

    • Vor 7 Monaten

      Jetzt mal abgekoppelt von allen emotionalen Aspekten die man mit einer Band verbindet. Wenn die Musiker eine gemeinsame Vergangenheit hätten, wäre die Musik an sich ja auch nicht besser oder schlechter dadurch.
      Außerdem kriegt jede halbwegs bekannte Band Geld dafür, eine "ordentliche Leistung auf das Parkett zu bringen", was sie alle zu Berufsmusikern macht, also was ist schlimm daran? Eine gute Liveshow ist immer ein Qualitätsmerkmal, sonst wäre es ja ein Oxymoron. ;)
      Die Typen kenne ich natürlich nicht.

    • Vor 7 Monaten

      Das ist eine gute Frage. Ich denke aber, dass die Band durchaus anders klingen würde, wenn sie zusammen als Band gewachsen wären. Reine Vermutung natürlich ;)

    • Vor 7 Monaten

      Ich sage gar nicht, dass die Musik schlecht ist. Mir ist einfach dieses "Casting"-Prinzip dahinter zuwider und die völlig übertriebene Promomaschinerie sowieso. Mir geht's lediglich um die Tatsache, dass da draußen zig "stärkere" Bands unterwegs sind (genreunabhängig) und sich den Arsch aufreißen (alles selber schreiben, produzieren usw.), um wenigstens ein bisschen Erfolg zu haben. Natürlich, Erfolg definitiert jeder Künstler für sich wohl anders, aber ihr wisst, worauf ich hinaus will. BTB kriegen all das in den Arsch geblasen, weil das Label in diesem Projekt eine ordentlich schröpfbare Geldkuh wittert. Klingt verdammt unfair, ist es auch und widerspricht vor allem nahezu jedem Grundsatz "guter" (oder richtiger, ehrlicher) Musik. Und das ist nicht nur auf Metal bezogen.

  • Vor 6 Monaten

    Zum Glück darf der Mensch ja eine eigene Meinung haben. Mir gefallen beide Alben von Beyond the Black. Lost in Forever finde ich etwas besser als Songs of love and Death. Es ist zwar nicht der "reine" Metal, aber zum berieseln lassen und abschalten sind beide Alben super. Für Hardcore Metaller vielleicht nicht das richtige, aber für Otto Normal Frau perfekt.