laut.de-Kritik

Metal-Musik für Metal-Hasser.

Review von

Bei so genannten Heavy Metal-Bands, die Ende der Neunziger Jahre gegründet wurden, muss man vorsichtig sein. Denn der Begriff 'Metal' wurde in dieser Zeit ganz anders definiert als in den zwei Jahrzehnten zuvor. Da ging es nicht mehr einfach nur nach vorne, schnörkellos und songdienlich und immer auf die Zwölf. Man bediente sich fortan, bedingt durch die damalige Dominanz von Grunge und Alternative Rock, in den unterschiedlichsten Schubladen harter Mucke und mischte verschiedenste Sound-Elemente zu dem mal gut, öfters aber auch gar nicht funktionierenden Modetrend namens Nu Metal.

Auch Avenged Sevenfold, die in der Szene gern kryptisch auf A7X abgekürzt werden, gehören bis auf den heutigen Tag zu diesen Experimentierfreudigen und haben es damit zu einigem Erfolg gebracht. Leicht machen sie es dem Zuhörer mit ihrem wilden Stilmix aber nicht, denn es gilt nun mal immer noch – Phrasenschwein hin oder her – der gute alte Spruch "Viele Köche verderben den Brei". Auch auf "The Stage" findet sich so neben ziemlich Großartigem eine Menge Fragwürdiges.

Die Platte beginnt noch recht vielversprechend, denn das Titelstück glänzt nach schräger Keyboard-Einleitung mit Frickel-Gitarren, vielfältigem Drumming, markanten Riffs und einer ausdrucksstarken Stimme. Zwar packen sie schon hier einiges in die achteinhalb Minuten des Tracks, aber insgesamt bleibt alles stimmig und nachvollziehbar. Auch das Fade Out am Schluss und die Überleitung zu akustischen Gitarrenklängen ist tolerabel.

"Paradigm" gibt sich ziemlich straight und ist sogar das zugänglichste Stück der Platte. Aber auch "Sunny Disposition" weiß mit überraschenden Zirkus-Bläsersätzen über harten Rhythmen zu gefallen. So weit, so gut. Ab "God Damn" werden A7X leider ziemlich anstrengend. Man rifft und gniedelt auf Teufel komm raus, das Schlagzeug haut jedes Luftloch zu und dazu wechselt ständig das Tempo, was eine ziemliche Unruhe erzeugt. Das ist wahrscheinlich progressiv gemeint, könnte aber auch einfach Ausdruck eines musikalischen Hyperaktivitätssyndroms sein. Sowas ist ja heutzutage in.

Der Drang des hier dienstverpflichteten Zuhörers zum Weiterskippen wird zusehends stärker. Erst das erfreulich besinnliche "Roman Sky" lässt mehr Luft zum Atmen. Danach geht die Hatz weiter und gipfelt im über fünfzehnminütigen Schluss-Opus "Exist", das unter anderem kurz mal Stakkato-Riffs von Iced Earth klaut und im weiteren Verlauf eine Masse unterschiedlichster Versatzstücke zusammenfügt, ohne wirklich zu überzeugen. Wer mit den großen Longtracks der Siebziger Jahre und ihren ausgefeilten Spannungs- und Stimmungsbögen aufgewachsen ist, wird sich mit dieser mittelprächtigen Collage eher schwer tun.

Vielleicht braucht man einfach viel Geduld, um diese Platte zu verstehen. Es ist ja durchaus eine Menge Potential und eine unverwechselbare Stimme vorhanden. Und manche Leute erzählen immer noch das Märchen von den Schallplatten, die beim öfteren Hören 'wachsen'. Wie auch immer, jetzt erst mal eine alte Motörhead-Scheibe auflegen. Das pustet die Ohren wieder frei.

Trackliste

  1. 1. The Stage
  2. 2. Paradigm
  3. 3. Sunny Disposition
  4. 4. God Damn
  5. 5. Creating God
  6. 6. Angels
  7. 7. Simulation
  8. 8. Higher
  9. 9. Roman Sky
  10. 10. Fermi Paradox
  11. 11. Exist

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16 Kommentare mit 31 Antworten

  • Vor einem Jahr

    "Und manche Leute erzählen immer noch das Märchen von den Schallplatten, die beim öfteren Hören 'wachsen'."

    Das ist kein Märchen, im progressiven Bereich ist das eigentlich der Standard, bis auf bestimmte Ausnahmen. Ebenso lässt nicht nur Roman Sky mehr Luft zum atmen, sondern bereits Angels. Für Leute, die es lieber eingängig und und die Songs beim ersten Hören mitträllern wollen, ist diese Scheibe wahrlich nichts. Man muss sich mit dieser beschäftigen und sie sich erarbeiten. Dafür wird man mit A7X's bisher besten Platte belohnt. Etwas Schade ist auch, dass in der Rezension weder auf das Konzept noch auf die wirklich starken Texte eingegangen wird.

    • Vor einem Jahr

      "Für Leute, die es lieber eingängig und und die Songs beim ersten Hören mitträllern wollen, ist diese Scheibe wahrlich nichts. Man muss sich mit dieser beschäftigen und sie sich erarbeiten." - Ironie?

    • Vor einem Jahr

      Wenn ich mir ne Scheibe erst 'erarbeiten' muss, dann ist drauf gesch ... Man hat ja noch anderes zu tun :-)

    • Vor einem Jahr

      @Din der Doldo: Nope, ist so. Diese Scheibe ist ziemlich verspielt und ganz anders als der Vorgänger Hail To The King.

      @Schlagdraufundschluss: Ja, es ist geschmackssache. Wenn man nur eingängigen Kram hören will, der nach einem mal sofort im Ohr klebt, dann gut. Ich mag auch das. Aber es darf auch Bands geben die komplexere Musik machen, die man nicht aufs erste mal Hören begreift.

    • Vor einem Jahr

      @flyingpumpkin Dann widerspreche ich dir. Das Album ist mmn nun wirklich nichts, was man sich erarbeiten muss - zumindest nicht, wenn auch nur einen fitzel an Metal-Erfahrung mitbringt. Das ist ein buntes Potpourri aus bekannten Versatzstücken. Erarbeiten muss man sich sowas wie die neue meshuggah.
      Was einem mehr gefällt, bleibt dann dem persönlichen Geschmack überlassen.

    • Vor einem Jahr

      @ flyingpumpking87:
      Ich denke der Kollege Din der Doldo verweist auf andere Werke die nicht von beginn an eingängig sind. Ich erwähne hier mal bewusst the violent sleep of reason von meshuggah. Klar, ist nicht jedermanns Geschmack aber es benötigt viel mehr zeit und arbeit bis die songs ihre komplette breite entfachen.
      Zum Thema A7X: auf jeden fall verspielter und progressiver als Hail to the King. Trotzdem nicht großartig schwierig zu entschlüsseln. Der Kommentar des Rezensenten ist einfach unglücklich gewählt und hätte in diesem Zusammenhang anders gewählt werden müssen , um Missverständnisse zu vermeiden.

    • Vor einem Jahr

      @Din Der Dodo: Also ich höre seit Jahren Heavy Metal/ Hard Rock/ Progressive/ Thrash Metal und bei mir hat sich die Scheibe jetzt nicht gleich beim ersten mal sofort erschlossen. Klar, ich fand sie interessant und hatte bock diese weiter zu hören. Aber gerade so ein Song wie "Exist" der über 15 Minuten dauert, ist aufs erste mal definitiv nicht zu begreifen. Auch die ganzen Details, die in den Songs stecken treten erst bei späteren Durchläufen zu Tage. Meshuggah sind nicht wirklich mein Fall deswegen habe ich mich mit denen noch nie näher beschäftigt.

      @Seimo: Ich finde "The Stage" auch nicht wirklich eingängig. Hier wird aus dem üblichen Strophen/Refrain/Solo Schema schon die meiste Zeit ausgebrochen. Auch springen die Refrains und Melodien einem nicht so offensichtlich ins Gesicht wie auf City of Evil oder Nightmare. Erst bei einigen Hördurchläufen mehr beissen sich diese fest. Wie weiter oben gesagt, Meshuggah kenne ich nicht sonderlich gut. "Unglücklich gewählt" ist aber auch mal die Untertreibung des Jahres. Auch noch der bescheuerte Verweis auf Motörhead, spricht ja dafür das er es lieber schnörkellos, straight und gerade aus mag. Das unterstreicht ja nur noch mehr, dass er komplexen Sachen nicht wirklich was abgewinnen kann. Hätte er jetzt im Vergleich zu anderen progressiven Acts aufgezeigt, was diese in seinen Augen besser machen, dann okay.

    • Vor einem Jahr

      Nagut, damit gehe ich dann wohl auch d'accord. ;-)

    • Vor einem Jahr

      Wenn der Herr Kürbiskopf mal andere Rezis des Autors lesen würde, was ich jetzt grad gemacht habe, könnte er sehen, dass da durchaus auch Kompliziertes geschätzt wird. Siehe ELP, Witchcraft, Genesis, Epica, Revocation. Also ist die Behauptung hinfällig und nur aus Frust gemacht ;-)

    • Vor einem Jahr

      Ja, nur ist der Herr Kürbiskopf hier um Rezis zu Platten zu lesen, die ihn eventuell interessieren könnten und nicht um sich mit den Referenzen des Kritikers auseinanderzusetzen. Ich bewerte nur das, was aus seiner Feder zu der Platte "The Stage" entsprungen ist, dass er das suboptimal formuliert hat ist ja nicht von der Hand zu weisen. Ich bin ja offensichtlich nicht der einzige, dem das ins Auge gesprungen ist. Müsste ich mir jedes mal sämtliche Rezensionen von einer Person durchlesen um seine aktuelle Kritik zu einer Platte zu verstehen weil diese schlampig formuliert ist, dann wäre das ja fast ne Lebensaufgabe. Und wie meintest du selbst so schön "Man hat ja noch anderes zu tun".

    • Vor einem Jahr

      DRAIN THE SWAMP.

      BUILD THE WALL.

    • Vor einem Jahr

      Da gebe ich dir recht pumpkin. Können wir so stehen lassen!

    • Vor einem Jahr

      "Ja, nur ist der Herr Kürbiskopf hier um Rezis zu Platten zu lesen, die ihn eventuell interessieren könnten und nicht um sich mit den Referenzen des Kritikers auseinanderzusetzen."

      Du magst es bei Kritiken also lieber eingängig, trällerst am liebsten gleich mit und magst dich nicht reinlesen? :)

    • Vor einem Jahr

      Ich mag beides. Aber diese hier war weder eingängig noch komplex. Es war mehr so wie eine von Dieter Bohlen produzierte Platte für einen DSDS-Sieger. Schnell zusammengeschustert und rausgehauen ohne wirklich viel Zeit darauf zu verschwenden. Hauptsache man kann nen Hype mitnehmen und irgendwas der Kundschaft zum Konsum vor die Beine werfen, egal ob das Produkt in sich stimmig ist. Und warum sollte ich mich näher mit Bohlens Schaffenswerk beschäftigen wenn die eine CD schon total kacke ist? :)

  • Vor einem Jahr

    "Und manche Leute erzählen immer noch das Märchen von den Schallplatten, die beim öfteren Hören 'wachsen'."

    kopf -> tischplatte.

    • Vor einem Jahr

      Ich hab in gewisser Weise Mitleid mit dem Verfasser

    • Vor einem Jahr

      Was denn. Er spricht doch berechtigterweise das Schönhör-Syndrom an. "Das Album wächst noch" ist spekulativer Quatsch, ein Totschlagargument, erfunden von amazon-Rezensenten.

      Im Übrigen: Da nennt sich einer schon "die mauer" und dann geht der Kopf dennoch auf die Tischplatte?

    • Vor einem Jahr

      Man könnte genauso gut auch sagen, dass Leute, die dieses vermeintliche Totschlagargument verleumden, einfach zu faul sind, sich mehr als ein einziges oder vielleicht zwei Mal mit einem Album zu beschäftigen. Das Motörhead-Gewäsch belegt das ja. Da muss man sich nix schönhören, das klingt seit 1000 Jahren alles gleich :)

  • Vor einem Jahr

    "Wie auch immer, jetzt erst mal eine alte Motörhead-Scheibe auflegen. Das pustet die Ohren wieder frei."

    pommesgabel bis zum truck !

  • Vor einem Jahr

    Hmm, da war der Redakteur wohl etwas hörfaul. Seit dem zarten Alter von 8 / 1985 höre ich Metal von Grindcore bis Rock. Grunge, Alternative hat mir nur in Teilen gefallen Nu-Metal ging höchstens Mal auf dem Weg zum Bäcker auf 1Live ;). Aber dieses Album ist schon was besonderes, sehr verschachtelt arrangiert, eigenständig, handwerklich auf Top-Niveau.

    Allein für den Title-Track, The Stage lohnt es sich reinzuhören. Und wo Kirk Hammett, wie hier auf laut.de korrekt analysiert, nur auf der Blues-Pentatonik rauf und runter eiert wie ein 12jähriger Gitarrenschüler (der grad das Peter Bursch Anfänger Songbook durcharbeitet) liefern die Avenged Recken! Aber sowas von. Minute 4:41 Title Track - So geht Solo 2016!

  • Vor einem Jahr

    Hmm, da war der Redakteur wohl etwas hörfaul. Seit dem zarten Alter von 8 / 1985 höre ich Metal von Grindcore bis "Rock". Grunge, Alternative hat mir nur in Teilen gefallen Nu-Metal ging höchstens Mal auf dem Weg zum Bäcker auf 1Live ;). Aber dieses Album ist schon was besonderes, sehr verschachtelt arrangiert, eigenständig, handwerklich auf Top-Niveau.

    Allein für den Title-Track, The Stage, lohnt es sich reinzuhören. Und wo Kirk Hammett, wie hier auf laut.de korrekt analysiert, nur auf der Blues-Pentatonik rauf und runter eiert wie ein 12jähriger Gitarrenschüler (der grad das Peter Bursch Anfänger Songbook durcharbeitet) liefern die Avenged Recken! Aber sowas von. Minute 4:41 The Stage - So geht Solo 2016!

  • Vor 5 Monaten

    Schon jetzt redet keine Sau mehr über diesen Fake. Nur die üblichen Langweiler, die meinen, sie hätten den vollen Durchblick. Und selbst die ham das Ding schon in die hinterste Reihe gesteckt. Wetten? :-)