laut.de-Kritik

Nur das wirre Ende verhindert den Einmarsch in den Olymp.

Review von

Es wurde im Vorfeld wahrlich viel geredet, diskutiert und gemutmaßt. Wie wird das neue Amplifier-Album wohl klingen? Gibts ein zweites Tentakel-Fest? Biegt man erneut in die "Echo Street" ein? Oder drehen die Briten im Jahr 2014 an völlig neuen Zeigern? Ich mach mich lieber frei von Erwartungen, drücke auf play und lasse "Mystoria" einfach mal machen.

Nach nicht einmal zwanzig Sekunden hat mich die Band schon am Schlafittchen. Spätestens wenn Sel Balamirs Anfangsriff das erste Mal gedoppelt wird, gibt es kein Zurück mehr. Das sich immer weiter aufplusternde Eröffnungs-Instrumental ("Magic Carpet") erinnert mit seinen hinterherhechelnden Rhythmen, den apokalyptischen Harmoniestrukturen und einer schon fast gar nicht mehr für möglich gehaltenen Energie an eine spontan einberufene Jam-Session der Herren Gilmour, Braithwaite und Bellamy. Top!

Das anschließende "Black Rainbow" nimmt ähnlich beeindruckend Fahrt auf. Abermals drischt Matt Brobin wie wild auf seine Felle ein, während Balamir mit einem tiefergelegten Distortion-Teppich und in Hall gebetteten Gesangseinlagen den eigentlichen Startschuss des Albums markiert. Trotz eines zwischenzeitlichen Milchstraßen-Zwischenstopps bleiben die Briten konsequent auf Kurs und sorgen nach nicht einmal zehn Minuten bereits für wundgescheuerte Gehörgänge.

Auch das schleppende Spacerock-Spektakel "Named After Rocky" lässt die Herzen all derer höher schlagen, die Amplifier nur allzu gerne umgeben von verkopften Riff-Strukturen und ausufernden Wah Wah-Ekstasen genießen.

"Cat's Cradle" startet ähnlich impulsiv, ehe die Band in den Offbeat-Modus schaltet und in mitunter fast schon poppige Sphären abdriftet. Auch das anschließende "Bride" schält sich eher bedächtig durch die Boxen. Hier treffen dynamische Prog-Elemente auf große Melodiebögen - Definitiv ein Eckpfeiler des Albums.

Mit "Open Up" setzt die Band sogar noch einen drauf. Der Song startet in Form eines 80er-Jahre-Soundmoduls. Kurz darauf fahren die Herren aus Manchester die Amps hoch und verabschieden sich in Richtung Arena. Großes Klang-Kino!

Mit dem wirren Effekt-Bulldozer "OMG" biegen die Briten dann aber leider in holprige Straßen ein. Plötzlich ist der Faden gerissen. Statt die vergangenen Großtaten einzutüten, zuzuschnüren und das Paket vielleicht noch mit etwas Törö und Tamtam versandfertig zu machen, reißen Amplifier nochmal alles auf und verstreuen den Inhalt wahllos in der Gegend.

Zwischen den abschließenden "The Octopus"-Gedenkminuten ("Crystal Mountain", "Crystal Anthem") schieben sich zwar nochmal großspurige Riff-Abenteuer, doch ändert das nur wenig am eher enttäuschenden Album-Schlussdrittel. So bleibt ein etwas fader Beigeschmack haften, der sich auch nach dem dritten Durchlauf nicht so richtig wegschlucken lässt. Nichtsdestotrotz: Vorspeise und Hauptgang gehören in jede 5-Sterne-Küche. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer braucht schon immer ein Dessert?

Trackliste

  1. 1. Magic Carpet
  2. 2. Black Rainbow
  3. 3. Named After Rocky
  4. 4. Cat's Cradle
  5. 5. Bride
  6. 6. Open Up
  7. 7. OMG
  8. 8. The Meaning Of It
  9. 9. Crystal Mountain
  10. 10. Crystal Anthem

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