laut.de-Kritik

Die Indiepopper fordern volle Aufmerksamkeit - ein letztes Mal.

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In den vergangenen zehn Jahren lieferten We Invented Paris verlässlich Indie-Pop zum Schmusen und Weinen ab. Trotz unbestreitbarer Qualitäten flog das Baseler Künstlerkollektiv stets unter dem Radar. Mit ihrem bis dato letzten Album "Catastrophe" schnupperte die Truppe um Frontmann Flavian Graber 2017 auch kurz Chartsluft. Generell galt die Band allerdings als Liebhaberthema ohne Ehrgeiz für die Hitparade. Warum die Vergangenheitsform? We Invented Paris hören nach einer Dekade auf.

"Lastone Inone Go" heißt der Abschiedsgruß, der zwar offiziell als Album erscheint, sich den Regeln des Formats aber verweigert. Lediglich neun Tracks haben WIP aneinandergereiht. Zwei davon gehen als Interludes durch. Die 29 Minuten Spielzeit ergeben ein einziges Stück, was das direkte Anskippen der Lieder erschwert. Graber und Co. fordern noch ein letztes Mal die volle Aufmerksamkeit ihrer Hörerschaft.

Dass ihnen der Durchbruch verwehrt blieb, liegt nicht an der Zugänglichkeit ihrer Stücke. Auch "Lastone Inone Go" ist reich an Indiepop-Nummern, die die ganze Familie mögen kann. Beliebig oder billig wirkt die Musik trotzdem nicht. Dafür tüfteln WIP zu gerne an ihrem Sound. "Cheese And Chocolate" setzt auf Mundharmonika, "Nightliner" überrascht mit Panflöte und für "Mannequin" staubte die Truppe ein ausgedientes Piano ab.

We Invented Paris ließen sich noch nie von Synthesizern und Drumcomputern abgeschreckt. Auch "Lastone Inone Go" strotzt vor elektronischen Klängen. Allen voran entpuppt sich "Celeste" als astreines Synthwave-Stück mit drückendem Drumloop und kräftigem Bass. Aus der Reihe tanzt der Song aber nicht: Die knappe halbe Stunde klingt wie aus einem Guss.

"I feel so fucking alive every time you're by my side", singt Graber im Opener "Still The One". Seine Familie, seine Freunde und das Lebewohl von We Invented Paris – der 35-Jährige behandelt die ganz großen Gefühle. Dieses Goodbye wirkt allerdings nicht nur aufgrund des unhandlichen Formats gehetzt: Das fünfte und letzte WIP-Album ist ab dem 3. Juni für zehn Tage erhältlich. Danach verschwindet es von den Streaming-Diensten. Wirklich gut sind We Invented Paris im Adieusagen nicht.

Trackliste

  1. 1. Still The One
  2. 2. Driftwood
  3. 3. Celeste
  4. 4. Mannequin
  5. 5. Waltz Away
  6. 6. Zoo
  7. 7. Nightliner
  8. 8. Cheese And Chocolate
  9. 9. Brass It Till You Make It

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