laut.de-Kritik

Opulente Präzisionsarbeit, die Maßstäbe setzt.

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Brillante Solisten sind nur selten gut fürs Team. Das ist im Sport nicht anders als in der Musik. Mark Tremonti ist einer der führenden Solisten, wenn es um neuzeitliche Gitarrenkunst geht. Im Gegensatz zu so manchen Kollegen, die ihr Fachgebiet ebenfalls überdurchschnittlich beherrschen, präsentiert sich der Gitarrist mit den Flitzefingern immer wieder als perfekter Mannschaftsspieler. Das hat Tremonti bei Creed genauso unter Beweis stellen können wie bei Alter Bridge. Auch unter dem Solo-Banner bindet der Grammy-Preisträger stets sein einzigartiges Können in ein großes Ganzes ein, dass sich am Ende ein wunderbar stimmiges Gesamtbild präsentiert.

"Marching In Time" ist nun bereits das fünfte Soloalbum. Entstanden in einer Zeit der Angst und Ungewissheit, baut das Album eine imposante Brücke zwischen nachdenklicher Lyrik und beeindruckender musikalischer Energie. Ganze zwei Mal tritt die Band ein wenig auf die Bremse. Dabei entfachen die epischen Juwelen "Not Afraid To Lose" und "The Last One Of Us" aber so viel Feuer, dass einem als Freund von geschmeidigem Bombast beinahe die Spucke wegbleibt.

Die härteren und schnelleren Stücke präsentieren sich genauso vielfältig und hochwertig. Wuchtig und bedrohlich scheppert der Opener "A World Away" auf der Überholspur, ehe Tremontis markanter Gesang einsetzt und sich moderne Grunge-Sounds ausbreiten. Das anschließende "Now And Forever" beginnt ähnlich brachial wie sein Vorgänger. Abermals präsentiert Tremonti modernen Metal von der härtesten Sorte. Im Refrain zieht der Urheber dann erstmals die Melodie-Karte. Zwanzig Sekunden lang klebt man an Tremontis Lippen. Dann bricht wieder das geordnete Chaos aus.

"If Not For You" geht mit Drum-Effekten an den Start und beeindruckt mit exzellenter Gitarrenarbeit. Das ebenso wuchtige "Further Than You" fällt ein bisschen ab. "Let That Be Us" nimmt mit abgedämpften Powerchords wieder Fahrt auf und überzeugt in allen Kategorien. Power, Melodie, Intensität: Hier gehen alle Emotionen steil.

Wie bereits in der Vergangenheit, muss man auch diesmal wieder ganz genau hinhören, um auch wirklich jede Kurve und jede Wendung zu erfassen.
Mark Tremonti ist ein Großmeister der Präzision und ein Fan von Vielfalt und cineastischer Opulenz. In nahezu jedem Song vereinen sich Trademarks aus allen Bereichen der härteren Gangart zu einem großen Ganzen, das bezüglich Detailverliebtheit und Intensität Maßstäbe setzt.

Wenn das vertrackt pumpende "In One Piece" plötzlich in ein harmonisches Ende mündet, das schleppende "Under The Sun" einen ohrwurmtauglichen Refrain auf die Reise schickt und der epische, nach allen Seiten ausschlagende Titeltrack noch einmal all das Vorangegangene in knapp acht Minuten zusammenfasst, dann kann man wieder einmal nur den Hut ziehen – vor einem Künstler, der sich stets treu bleibt, aber irgendwie auch immer wieder neu erfindet.

Trackliste

  1. 1. A World Away
  2. 2. Now And Forever
  3. 3. If Not For You
  4. 4. Thrown Further
  5. 5. Let That Be Us
  6. 6. The Last One Of Us
  7. 7. In One Piece
  8. 8. Under The Sun
  9. 9. Not Afraid To Lose
  10. 10. Bleak
  11. 11. Would You Kill
  12. 12. Marching In Time

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