Die Musikindustrie schreibt nach wie vor tiefrote Zahlen. Warum also sollte man das in Berlin feiern?

Berlin (alc) - Die Popkomm ist gelandet. In den Gebäuden des alten Flughafen Tempelhof hat sich die dreitägige Musikmesse 2011 eingenistet - interessieren tuts jedoch fast keinen. Die ehedem größte Musikmesse des Universums ist auf Gartenzwerg-Format zusammengeschrumpft, große Player sind gar nicht gekommen, von den fünf Majorlabels lässt sich auch keiner mehr blicken.

Die Zeiten, in denen sich die Industrie selbst abgefeiert hat, sind vorüber. Nach wie vor baumelt die Internetpiraterie wie ein Damoklesschwert über der Branche, die sich gleichwohl in Gestalt von Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, "gut für die digitale Zukunft gerüstet" sieht.

75% illegale Album-Downloads 2010

Problem: Trotz eines "recht gut ausgeprägten Unrechtsbewusstseins" (Drücke) in der Gesellschaft wurden 2010 noch immer 75% aller Alben illegal heruntergeladen. Auch das im Rahmen der Messe stattfindende Berlin-Festival wünscht sich für morgen noch einen Schwung interessierter Musikfans: Bislang konnten lediglich 10.000 Tickets abgesetzt werden.

Vom selbst proklamierten Metropolen-Anspruch ist die Popkomm jedenfalls weiter entfernt denn je. Was war das noch für ein Jubel, als die Messe von Köln an die Spree zog. 2011 wissen nicht einmal mehr Taxifahrer, was man unter "Popkomm" zu verstehen hat. Bis auf Harald Wolf, Berlins Wirtschaftssenator von der Linken, der in Berlin nach wie vor ...

die Musikhauptstadt erkennt!

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50 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Schon schade das soviel Musik illegal geladen wird... für viele scheint Musik keinen wirklichen Wert mehr zu haben.
    Ich kann mit nem Haufen loser Dateien aufm Rechner immer nichts anfangen, ne CD im Regal is da doch viel schöner^^

  • Vor 9 Jahren

    "Die Zeiten, in denen sich die Industrie selbst abgefeiert hat, sind vorüber."

    Wenn das jetzt auch mit der Deutschen High Society und der Deutschen Comedygesellschaft passiert bin ich glücklich.

  • Vor 9 Jahren

    Sehr schade. :(
    Ich finde es geht nicht darüber eine richtige CD in der Hand zu halten, Booklet zu studieren etc.
    Ich lade mir CD's meist auch aus dem Internet ums mir durchzuhören, wenn mich ein Album aber richtig überzeugt leg ichs mir trotzdem zu.

  • Vor 9 Jahren

    @JaDeVin
    ts, als würde nur mainstreamschrott illegal gesaugt. diese vorstellung ist pure nerd-arroganz und für einen liebhaber, connaisseur oder eben einfach NERD eine ziemlich geldfixierte vorstellung: man muss geld dafür bezahlen, um etwas wertschätzen zu können.
    wofür brauch ich z.B. bei einer orange juice, edwyn collins, bohren oder einer pj harvey diskographie die booklets? mir gehen die am arsch vorbei. und das argument, dass man die dann nicht wirklich hört stimmt ja auch nicht (immer). man saugt sich nur viel mehr einfach mal aufs hören-sagen hin. ich hatte z.B. die pj harvey disko schon einige zeit aufm rechner, hab sie aber nie wirklich gehört. erst seit dem letzten album bin ich von ihr begeistert und hab mich jetzt erst mal in is this desire und to bring you my love eingehört. bohren hab ich von anfang an in mich eingesaugt. die beiden zuerst genannten bands/künstler warten noch auf den funken des interesses. wärs denn soviel anders, wenn ich sie mir auf cd besorgen müsste? ich müsst nur geld dafür bezahlen und rumlaufen oder auf das amazonpäckchen warten.

  • Vor 9 Jahren

    "das Booklet aus 10 Seiten nacktfotos von ihr besteht OHNE LYRICS!"
    DAS ist mal ein echter kaufgrund

  • Vor 9 Jahren

    Ich glaube, wenn man mehr alben kostenlos vorhören könnte, gäbe es weniger illegale Downloads. Denn viel musik wird einfach nur, wie hier schon gesagt wurde, aus Interesse runtergeladen. Falls das Album einem doch nicht gefällt bleibt es trotzdem auf der Festplatte, weil eine 500GB festplatte heute kaum noch was kostet.
    Ich kaufe mir Musik nicht, weil ich angeblich nur dann Musik wertschätzen kann (was für eine dumme Unterstellung, mal so nebenbei), sondern weil ich die Band/Musiker unterstützen will.