7. Januar 2008

The Gossip - Nur ein One-Hit-Wonder?

Interview geführt von

Die britische Stadt Leeds zählt zu den angesagtesten, musikalischen Hotspots im UK - und das nicht erst seit den Kaiser Chiefs! Seit geraumer Zeit macht sich die Stadt in der Region Yorkshire and the Humber aber auch durch ein Vielzahl aufstrebender, junger und erfolgreicher Gitarren-Bands einen Namen, die der New Musical Express unter dem Mode-Genre "New Yorkshire" zusammenfasste.Gruppen wie The Pigeon Detectives, The Sunshine Underground, Black Wire oder ¡Forward, Russia! zählen zu dieser musikalischen Bewegung und haben mittlerweile nicht nur auf der Insel von sich hören gemacht. Vor einem Auftritt in Sheffield sprach ich mit den ¡Forward, Russia!-Mitgliedern Katie Nicholls und Rob Canning über die Leedser Bandszene, britische Musik-Hypes der letzten Jahre und das eigene Dance To The Radio-Label, das viele ihrer New Yorkshire-Kollegen beheimatet. Drummerin Katie und Bassist Rob beantworteten redselig und gut gelaunt alle Fragen, plauderten über die Debüt-Songs und gaben Einblick in die neue LP "Life Processes", die dieses Jahr in die Läden kommen soll.

Ihr kommt aus Leeds, einer der großen Musikmetropolen Großbritanniens. Ich war bisher noch nicht in Leeds, kenne mich dort also, was die Musikszene angeht, nicht aus. Wie würdet ihr denn die dortige Musikszene beschreiben?

Katie: Naja, es gibt eine Menge Veranstaltungsorte in Leeds und es ist viel los dort. Zeitweise ist jede Nacht, in jeder Venue etwas los.

Rob: Momentan gibt es eine Menge Bands dort. Wir waren lange Zeit nicht mehr in Leeds, weil wir den Sommer in Amerika verbracht haben, aber es gibt definitiv eine Menge Bands in Leeds. Viel Leute treffen dort aufeinander, einfach weil es in Leeds so viele Gelegenheiten dazu gibt.

Katie: Und es gibt außerdem derart viel verschiedene Musik in Leeds. Es gibt nicht nur eine Musikszene, die aus uns und unseren Freunden besteht und das war es dann. In Leeds hat man verschiedene Arten von Leuten, verschiedene Freundeskreise, die in unterschiedlichen Bands sind...

Rob: Und es gibt ein cooles Publikum in Leeds.

Katie: Aber ich denke, dass jeder den anderen kennt. Die meisten Leute kennen sich untereinander und unterstützen sich gegenseitig. Manchmal redet man über die Bands seiner Freunde, und auch, wenn man deren Show oder so nicht mag, unterstützt man sie trotzdem, weil sie eben einfach mit dir befreundet sind.

Rob: Außerdem ist Leeds seit den letzten zwei, drei Jahren am aufsteigen.

Katie: So lange du noch in Sheffield bist, solltest du mal nach Leeds fahren, es ist nur etwa eine Stunde Fahrt entfernt.

Ja, das werde ich auf jeden Fall, der Ausflug ist schon in Planung. Ich habe gelesen, dass ihr zuvor bereits in anderen Gruppen Erfahrungen gesammelt habt.

Rob: Ja, genau. Ich und unser Sänger Tom wir haben zusammen in einer Band namens The Black Helikopters gespielt, die wir in der Highschool gegründet haben – eine Sommer-Highschool-Band – dadurch haben wir auch Whiskas kennen gelernt, der zu dieser Zeit als Veranstalter gearbeitet und uns einen Auftritt verschafft hat. Er war damals auch Mitglied in einer Leedser Band namens Laying Flat.

Katie: Ja, und Whiskas ist mein älterer Bruder.

Rob: Whiskas kam dann zu mir und sagte, er wolle etwas Neues machen, etwas Neues ausprobieren und fragte uns, ob wir daran interessiert wären, und so haben wir ¡Forward, Russia! gegründet.

Über das Debüt "Give Me A Wall" und die neue LP "Life Processes"


Als euer erstes Album "Give Me A Wall" veröffentlicht wurde, habt ihr immer wieder betont, wie wichtig es euch war, musikalisch etwas wirklich Neues zu schaffen. War das beim neuen Album "Life Processes" auch wieder euer treibendes Ziel?

Rob: Was das neue Album angeht, denke ich, wollten wir eher etwas Neues für ¡Forward, Russia! schaffen. Ich meine, als wir die Band gegründet haben, hatten wir nicht wirklich eine klare Idee, was wir tun werden, es hat sich einfach so ergeben – durch eine Menge Üben und aufgrund der verschiedenen Einflüsse, die jeder von uns mitbrachte - das kam dann alles zusammen. Die zweite LP ist mehr eine Tour-LP, wir sind einfach die ganze Zeit auf Tour gewesen und haben verschiedene Arten von Musik gehört.

Katie: Es war eine wirklich natürliche Entwicklung. Als wir das zweite Album geschrieben haben, waren wir bereits zwei Jahre auf Tour, es war also auch eine Menge Verzweiflung dabei, weil wir all diese Ideen hatten, die wir unbedingt zusammenbringen wollten... aber dann hat es doch etwas länger gedauert, die Ideen zu sortieren und die Songs zu beenden.

Rob: Ja, wir hatten dieses Mal viel mehr Ideen, die wir einbringen wollten. Wogegen es beim ersten Album eher darum ging, den eigenen Sound zu finden, Dinge auszuprobieren. Die neue LP ist dagegen etwas reifer, wir wollten sie etwas strukturierter.

Ich habe gelesen, dass ihr "Life Processes" in Seattle aufgenommen habt. Warum nicht in Großbritannien?

Rob: Weil es billiger war, das war einer der Gründe. Es war billiger aufgrund des Wechselkurses.

Katie: Der Produzent, mit dem wir zusammenarbeiten wollten, kommt aus Seattle, und er kennt dort jeden. Es war günstiger einerseits was den Umtauschkurs angeht und andererseits, weil er dort Studios hat, in denen er regelmäßig arbeitet.

Rob: Außerdem wollten wir keine Ablenkung. Hätten wir hier aufgenommen, hätten wir jedes Wochenende unsere Freundinnen oder Freunde getroffen. Wir wollten aber von allem etwas Abstand haben, uns konzentrieren und alles richtig ordnen, denn das ist es, was wir beim ersten Album nicht getan haben. Das erste Album war überstürzt, wir haben es in insgesamt drei Wochen aufgenommen, was, jetzt betrachtet, einfach lachhaft ist. Nun nachdem wir das zweite Album fertig gestellt haben, scheint es uns wirklich lächerlich, dass wir das erste in drei Wochen aufgenommen haben.

Katie: In Seattle hatten wir etwa zehn Wochen. Wir hatten mehr Zeit, das zu tun, was wir tun wollten.

Ihr habt das neue Album gemeinsam mit Produzent Matt Bayles aufgenommen, der bereits mit Bands wie Sound Garden oder Pearl Jam zusammengearbeitet hat. Wie seid ihr auf Bayles gekommen?

Katie: Ich glaube, sein Name ist generell einfach ins Gespräch gekommen. Er ist ein Typ, den wir wirklich mochten, in Bezug auf die Alben, die er produziert hat, Mastodon etwa oder Botch und Isis. Sein Name kam einfach auf und als wir über Produzenten diskutierten, machten wir eine Liste mit etwa zehn, zwanzig Produzenten und am Ende waren er und noch ein anderer Typ übrig. Und dann hat eben der zeitliche Rahmen gepasst und er stand zur Verfügung. Matt Bayles wollte außerdem auch mit uns zusammenarbeiten, da er immer auf der Suche nach etwas Neuem ist.. und wenn man sich Bands wie Botch oder Isis anhört ... er ist einfach bekannt als Metall-Produzent und dafür, neue Sachen zu machen.

Er hat ja beispielsweise auch mit den Blood Brothers zusammengearbeitet.

Rob: Ja, genau. Wir haben uns die Bands, die er vorher produziert hat angehört und gedacht: "Wenn wir etwa so klingen können, wäre das wirklich gut."

Ich frage das, weil euch bei eurem Debüt ja noch ein anderer Produzent unterstützt hat.

Rob: Ja, Paul Tipler. Er war wirklich gut. Er war definitiv die richtige Person zur richtigen Zeit. Er hat eine Menge Live-Energie eingefangen, mehr als auf dem zweiten Album, aber dafür ist dieses geschliffener, glatter – es ist etwas erwachsener ...

Katie fällt ihm ins Wort. Katie: Aber nicht zu glatt! (lacht)

Rob: Glatter für unsere Verhältnisse, aber das heißt vermutlich nichts! (lacht)

Die Songs auf "Give Me A Wall" habt ihr anstelle mit Titeln nach Zahlen benannt, und zwar in der Reihenfolge, in der sie aufgenommen wurden. Einige Zeit nach eurem Debüt habt ihr dann euren ersten nicht nummerierten Song "Don't Be A Doctor" veröffentlicht. Ist auf dem neuen Album nun endgültig Schluss mit den Nummern-Titeln?

Katie: Ja. (lacht)

Rob: Ich glaube, wir haben uns nach "Twenty" dazu entschieden. Das war’s – wir wollten nach "Twenty" damit aufhören. Wir waren es schon gewohnt Shows zu spielen und jemand hat gebrüllt: "Spielt 'Fiftyseven'!"

Und wahrscheinlich hat euch auch jeder gefragt, warum ihr eure Songs nummeriert?!

Katie: Ja, jeder hat nach den Nummern gefragt. Und die Leute haben auch gefragt: "Warum habt ihr eure Songs dann nicht mit eins bis elf benannt?" Und so was.

Rob: Und dann haben wir uns gedacht: "Genug ist genug." Und wir dachten, dass uns nun niemand mehr fragt, warum wir unsere Tracks mit Nummern-Titeln versehen, aber jetzt fragen die Leute, warum wir das nicht mehr machen! (lacht)

Ja, so wie ich. Ein Teufelskreis! Hoffentlich fragt beim dritten Album dann niemand mehr danach! Ihr habt einen sehr charismatischen Frontmann mit einer ebenso charismatischen Stimme ...

Katie: Ja, sie ist sehr individuell.

Schreibt ihr eure Songs um Toms Gesang und seine Lyrics herum? Entstehen die Texte also zuerst?

Rob: Beim ersten Album hat er seine Lyrics ganz zum Schluss dazugefügt. Jeder Song wurde zuerst geschrieben und dann hat Tom darüber gesungen. Wenn Tom Lyrics zu einem Song fügt, dann singt er erst etwas und schreibt die Lyrics später. Aber beim zweiten Album hatte er eine Menge Ideen, bei einigen Songs hatte er sogar vorher schon die Musik im Kopf - welcher Musik dann im Hintergrund sein soll.

Katie: Das war beim zweite Album ein wenig mehr durcheinander. Dennoch haben wir manchmal einen kompletten Song in einem Tag fertig gestellt. Ich glaube, bei einem Stück habe ich die Vocals nur ein einziges Mal gehört, bevor wir nach Seattle gefahren sind, aber dann hat man andererseits auch Songs auf dem zweiten Album, die zuerst von den Lyrics ausgehen ...

Rob: ...was wir vorher so noch nicht hatten. Das kommt einfach mit den mehr strukturierten Songs. Sie konzentrieren sich mehr auf die Vocals, was vorher nicht der Fall war. Vorher ging es mehr um die Musik.

Was hat es denn mit Toms Seiten-Projekt AnteAter auf sich? Arbeitet er momentan auch an diesem Projekt?

Katie: Er arbeitet eigentlich konsequent daran. Es ist nicht so, dass er zwei Tage bei ¡Forward, Russia! ist und zwei Tage bei AnteAter. Er fügt einfach immer ein bisschen dazu, wenn er Zeit hat. Das ist einfach eine fortlaufende Sache.

Rob: Es ist einfach etwas, das ihm, wenn er daran arbeitet, Spaß macht.

Also sind demnächst auch keine AnteAter-Auskopplungen in Planung?!

Rob: Ich glaube, er will etwas mehr Zeit für das Projekt aufwenden und es etwas weiter entwickeln, wenn er die Chance dazu bekommt. Im Moment ist das nur etwas schwierig, wegen ¡Forward, Russia!, aber er arbeit ständig weiter daran.

Dance To The Radio


Wie würdet ihr die derzeitige UK-Musikszene generell charakterisieren? Was ist das Spezielle an der britischen Musikszene? Welche neuen Trends gibt es zurzeit?

Katie: Ich denke, in den vergangenen drei Jahren gab es zwei große ...

Rob: ... Bewegungen.

Katie: ... Aufstiege. Das eine sind Bands wie etwa The Fratellis und die Dirty Pretty Things, die – ich hasse es, das zu sagen – aber die sehr männerdominiert sind, das ist etwa wie mit einer Fußball-Crowd. Und dann gibt die andere Seite – aber das ist einfach nur meine Meinung – das sind diejenigen, die sich ihre Haare glätten, bevor sie raus gehen, skinny Jeans und fluoreszierende Farben tragen, New Rave-Bands, wie die Klaxons oder Haodouken zum Beispiel. Aber andererseits denke ich auch, dass 2007 ziemlich gut gewesen ist, weil Bands, wie Biffy Clyro etwa, mit ihrem neuen Album zurückgekommen sind. Ist es ihr viertes oder fünftes Album? Aber erst jetzt werden sie wirklich wahrgenommen.

Rob: Das liegt einfach daran, dass sie jetzt einen Major-Deal haben und mehr gepuscht werden.

2007 gab es auch eine Menge Singer-Songwriter, nicht wahr?

Katie: Ja, genau. Kate Nash etwa oder Jack Penate.

Rob: Genau. Aber wie gesagt, wir waren die meiste Zeit des Jahres nicht da. Also ist es schwer, dies zu kommentieren, aber es gibt definitiv eine Menge Songwriter im Moment und, wie erwähnt, ist da noch diese New Rave-Szene, in der es eine Menge Dance-orientierte Music, Dance-Indie-Musik, gibt ... mit all diesen Leucht-Stäbchen. (lacht)

Katie: Eigentlich war das ja schon vor etwa einem Jahr groß.

Ja, die Klaxons habe ich zum Beispiel bereits beim Berlin Festival 2006 gesehen. Da seid ihr ja auch aufgetreten.

Rob und Katie: Ja, ganz genau.

Katie: Und wenn du jetzt in einen Top-Shop gehst oder zu H&M, dann sieht du all diese New Rave-Klamotten. Das ist seltsam.

Rob: Es dreht sich alles nur um diese Bewegungen. Erst ist das Ganze im Aufschwung und dann geht alles wieder unter und etwas Neues kommt auf und wird ganz groß.

Katie: Das Eigenartige an 2007 war auch, dass Bands wie The Gossip einen einzigen Song hatten, der wahnsinnig groß rausgekommen ist. The Gossip sind zum Beispiel schon seit Jahren auf Killrockstars und sie hatten einfach diesen einen Song und plötzlich bespielen sie die Main-Stage auf riesigen Festivals. Und trotzdem interessiert sich niemand dafür, abgesehen von diesem einen Song. Das ist einfach ein wenig seltsam.

Rob: Aber das passiert immer bei Mainstream-Musik.

Katie: Ja, die One-Hit-Wonder-Leute.

Rob: Es gibt jetzt eine Menge smarter Gitarren-Bands, die unmittelbar in den Mainstream durchbrechen, einfach weil sie auf Radio1 gespielt werden - deren Soft-Gitarren-Musik ist genauso populär, wie sie es schon immer war. Du brauchst heutzutage nur diesen einen Song, dieses Image und dann kommst du direkt an die Spitze und danach schert sich niemand mehr um dich.

Katie: Meiner Meinung nach zählen dazu diese 18-jährigen Typen, die über Mädchen reden und so was, wie The Enemy, The Pigeon Detectives. Das ist dann in etwa so, wie wenn Jungs darüber reden Mädchen flachzulegen. (lacht)

Rob: Aber das war doch schon immer so, abgesehen von Underground-Musik, wie Leftfield zum Beispiel. Aber der Großteil der kommerziellen Musik braucht eben Themen, mit denen sich die Leute identifizieren können, und das sind nun mal hauptsächlich Themen wie Party, Bier und Girls.

Gibt es denn auch Newcomer-Bands, die ihr euch zurzeit gerne anhört?

Katie: Eines meiner liebsten Alben 2007 ist das Battles-Album.

Rob: Ja, die Battles. Diese Art Musik, diese Art Math-Dance-Musik ist immer gut.

Aber denkt ihr denn, dass die Battles wirklich groß rauskommen?

Rob: Nein.

Katie: Ich denke, das sind sie. Ich denke, sie sind bereits größer, als die Leute es momentan realisieren.

Rob: Diese Art Musik ist wirklich sehr speziell. Sie [Battles, Anm. d. Red.] haben viel NME-Presse bekommen und das ist es, was all die Kids anzieht, aber nicht das Publikum generell.

Katie: Ja, sie sind keine Fan-Band.

Und die Battles sind im Gegensatz zu The Gossip wohl kaum eine Band, die man in der Indie-Disco zu hören bekommt.

Katie und Rob: Ja, das stimmt.

Rob: Das ist genau die Sache. Es ist wirklich schwer, keine Zugeständnisse zu machen, was seine Musik oder seinen Geschmack angeht, und berühmt zu werden.

Katie: Biffy Clyro sind ein gutes Beispiel was das angeht. Das klingt etwas komisch, aber ich glaube, sie sind eine Band, die groß geworden ist, weil sie sich von Album zu Album weiterentwickelt haben. Und ich glaube, das ist jetzt das beste Album, das sie bisher gemacht haben, und es hat ihnen eine Menge Erfolg eingebracht. Aber sie sind keine Hype-Band. Sie sind bekannt, und ihre Fans sind ihre wahren Fans, das sind keine Leute, die das Album kaufen, weil es gerade in den Charts ist.

Rob: Sie haben sich eine wirklich solide Fanbase aufgebaut. Als wir vor zwei Jahren mit ihnen gespielt haben, konnte man die Energie und die Spannung fühlen, bevor sie auf die Bühne gegangen sind, einfach weil die Leute Biffy Clyro absolut geliebt haben. Und so haben sie sich eine feste Fanbase aufgebaut, was wirklich ein guter Weg ist, was aber heutzutage auch recht schwer ist.

Denkt ihr, dass es einfacher ist als Band entdeckt zu werden, wenn man aus England und nicht aus Wales, Schottland oder Irland kommt? Andererseits, Biffy Clyro kommen ja beispielsweise aus Glasgow.

Rob: Momentan würde ich dem schon zustimmen.

Katie: Das ist wie mit allem. Wenn deine Band in London ist, dann ist da wahrscheinlich eher ein Plattenlabel, dass dich sehen will, als in Manchester, aber andererseits gibt es in London eine Million Mal mehr Bands, also wird es trotzdem schwieriger für dich sein.

Rob: Ja, es gibt eine Menge mehr Möglichkeiten, aber auch eine Menge mehr Bands. Und Leute suchen nach dieser einen Band, nach diesem Song und wenn du nicht modisch genug bist, nicht zu diesem Typ Band gehörst, dann ist es eben schwerer für dich.

Ihr habt ja eine eigenes Label oder besser gesagt, Whiskas hat sein eigenes Dance To The Radio-Label. Wie kam es dazu bzw. wie kommt man dazu, ein Plattenlabel zu gründen?

Rob: Es hat so richtig damit angefangen, als wir eine ¡Forward, Russia!-Single auf den Markt bringen wollten. Wir haben "Nine" als Split-Single mit einem Track von This Et Al, einer anderen Band aus Leeds, herausgebracht, weil niemand wirklich Interesse – also gab es gab schon Interesse, was die Shows anging – aber niemand war wirklich daran interessiert, uns Geld für den Markt zu geben. Also entschieden wir uns dazu, das selbst zu machen. Ursprünglich ging es also darum, die Single rauszubringen. Und dann wuchs das Ganze, weil wir erkannten, was wir von da aus erreichen können.

Also ging es euch anfangs nicht darum, auch andere Bands über Dance To The Radio unter Vertrag zu nehmen und zu fördern?

Katie: Ich denke, Whiskas hat mit dem Label begonnen, weil es einfach das war, was er tun wollte. Er wollte ursprünglich die This Et Al-Single herausbringen und sie [This Et Al, Anm. d. Red.] haben uns dann gefragt, ob wir eine Seite bespielen wollen. Die erste wirkliche Label-Auskopplung, war die Dance To The Radio-Compilation. Sein Anliegen war es, die Leute in London auf Bands aus Leeds aufmerksam zu machen.

Rob: Aber am Anfang ging es ihm, glaube ich, hauptsächlich darum, uns und anderen Bands zu helfen.

Katie: Was die Compilations angeht, war es ein bisschen so, als ob man ein Mixtape für seine Freunde macht, die man mag. Also hat er die Compilations gemacht, auch um sie Record-Leuten und anderen zu zeigen. Und wenn man sich an die erste zurückerinnert, da waren The Pigeon Detectives, The Sunshine Underground und Dead Dsico drauf, und all diese Bands waren damals nicht wirklich bekannt, es waren einfach Leeds-Bands, als sie der Compilation beigefügt wurden, und nun touren sie um die ganze Welt.

Abgesehen von der anstehenden Tour, was sind eure Zukunftspläne für 2008? Und noch wichtiger, wann kommt das neue Album "Life Processes" in die Läden?

Rob: Ja, wir wollen das Album wirklich auf den Markt bringen, weil wir sehr zufrieden damit sind. Wir werden touren, wenn das Album veröffentlich ist. Und dann wird sich zeigen, was danach kommt. Wir werden dann sicher eine kleine Auszeit nehmen. Aber es kommt alles auf diese Veröffentlichung an, und wir wollen das auch wirklich sorgfältig machen, denn was ¡Forward, Russia! angeht, war bisher alles immer etwas kurzfristig. Wir wollen etwas mehr Kontrolle über alles gewinnen.

Und wann kommt die LP nun genau raus? Gibt es schon ein definitives Veröffentlichungsdatum?

Katie: Nein. Nur 2008 steht fest, mehr nicht!

Ich habe gelesen, dass es bereits im Frühjahr erscheinen soll. Das stimmt dann also nicht?

Rob: Das ist momentan einfach schwer zu sagen. Es ist zurzeit alles etwas schräg. Wir sind noch nicht so oft aufgetreten, wie wir gern wären, wir waren zehn Wochen in Seattle ... Ehrlich gesagt, wissen wir es wirklich noch nicht. Wir wollen alles einfach so gut planen, wie möglich.

Gut, dann heißt es also noch etwas abwarten. Vielen Dank für das sehr nette Interview!

Rob und Katie: Vielen Dank auch!

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