laut.de-Kritik

Wie jede x-beliebige Onkelz-Platte.

Review von

Bei D'Artagnan kann es sich nur um ein Missverständnis handeln. Einerseits verfügen sie über eine Mantel- und Degen-Ästhetik. Andererseits spielen sie bierseligen Folk- und Mittelalter-Rock, der klanglich rein gar nicht zum Image passt. Im Grunde mutet das wie ein schlechter Film an. Dazu muss man wissen, dass es sich hier um Ben Metzners eigenes Bandprojekt handelt, der unter dem Pseudonym "Prinz Hodenherz" auch bei Feuerschwanz mitwirkt. Tiefgang oder ein ausgeklügeltes Bandkonzept sollte man also nicht erwarten. D'Artagnan bedienen eine anspruchslose Anhängerschaft bei gleichzeitiger Annäherung an ein Schlager-Publikum. Nun bringen sie mit "Feuer & Flamme" zum vierten Mal ihre musikalische Ramschware unters Volk.

"Rockiger als zuvor" sollen die Nürnberger auf dieser Scheibe klingen, behauptet der Pressetext. Doch schon der Opener "C'est La Vie" verbreitet mit saft- und kraftlosem Gefiedel, blutleerer Gitarrenarbeit und dem nichtssagenden Gesang Metzners auf erschreckende Art und Weise Innovationslosigkeit. An der Schlagerhaftigkeit der Arrangements hat sich nichts geändert. Nur fischen D'Artagnan vermehrt in Deutschrock-Gewässern. Dazu lassen Durchhalteparolen wie "vorwärts immer, rückwärts nimmer", "nur wer fällt, steht wieder auf" oder "gib niemals auf" zum nächstbesten harten Getränk greifen, weil man sie nicht anders erträgt.

Parts zum Mitgrölen begegnet man im Titeltrack, wenn die Truppe gemäß des Credos "einer für alle, alle für einen" zum Zusammenhalt aufruft, die Musik bleibt deckungsgleich zum Opener. Auch im weiteren Verlauf trifft harmlos gespielter Deutschrock auf eintönige Rhythmen zum Mitklatschen. Lässt man das größtenteils akustisch gehaltene "Solang Dein Blut", das sich melodisch nah an Mike Oldfield bewegt, außer Acht, sind die Songs kaum auseinanderzuhalten. Nur das ein oder andere lebhafte Folk-Arrangement sticht positiv heraus.

Textlich ergibt sich ein genauso düsteres Bild. Zwar findet man in "Auf Uns're Frauen" sogar ein paar leicht feministische Töne, aber ansonsten unterscheidet sich das Werk nicht nennenswert von jedem x-beliebigen Böhse Onkelz-Album, wenn es um Abschied ("Farewell"), um "tausend schwere Krüge" ("Drei Brüder") oder um Heldenverehrung ("Völkerschlacht") geht. Da passt es gut ins Bild, dass sich die Nürnberger in "Scharlatan" an politischen Tönen versuchen, dabei aber so unkonkret bleiben, dass sich der Text in alle möglichen Richtungen deuten lässt.

Um dem Irrsinn die Krone aufzusetzen, präsentieren D'Artagnan noch eine Bonus-CD, deren Songs die Gleichförmigkeit nicht nur ausweiten, sondern um Coverversionen zum Fremdschämen ergänzen. Zumindest machen D'Artagnan mit der Neueinspielung von Udo Jürgens' "Griechischer Wein" keinen Hehl daraus, wo sie musikalisch zuhause sind. Trotzdem hört man vom Zauber des Originals nicht mehr viel, wenn die Band das Stück zu einem banalen Mitgrölrocker umfunktioniert. Der Entertainer dreht sich vermutlich im Grabe um.

Noch schlimmer fällt die Schlagerisierung von David Bowies "Helden" aus. Hier paaren D'Artagnan einen mitklatschbaren Rhythmus für den Musikantenstadl mit hüftsteifem Deutsch-Pop, für den sich selbst Heinz Rudolf Kunze zu schade wäre. Eine englischsprachige Neueinspielung des Songs, die musikalisch genauso wie die deutsche klingt, rundet das unfassbar lieblose Gesamtpaket ab.

Trackliste

  1. 1. C'est La Vie
  2. 2. Feuer & Flamme
  3. 3. Farewell
  4. 4. Feste Feiern
  5. 5. Scharlatan
  6. 6. Glücksritter
  7. 7. Solang Dein Blut
  8. 8. Ja, Ich Will
  9. 9. Drei Brüder
  10. 10. Auf Uns're Frauen
  11. 11. Mein Leben Lang
  12. 12. Völkerschlacht
  13. 13. Helden
  14. 14. An Der Tafelrunde
  15. 15. Pesnya Mushketerov (Das Lied Der Musketiere)
  16. 16. Griechischer Wein
  17. 17. Wenn Helden Tanzen
  18. 18. Ode An Die Freude
  19. 19. Heroes

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8 Kommentare mit 19 Antworten

  • Vor einem Monat

    Typisch Pro7-core. Das ist die Art von Musik, die am Wochenende vormittags auf Pro7 (ggf. DMAX) beworben wird. Für mich immer gleichzeitig Offenbarungseid für den Künstler und Prädikat für die unterste musikalische Schublade.

  • Vor einem Monat

    Geez, Toni, an dieser Stelle kondoliere ich aufrichtig!

    • Vor einem Monat

      EDIT: Selbst einem LeChuck wäre dieses Schmierentheater hier doch zu substanzlos und der Typ ist seit 30 Jahren nur noch sein eigener Geist... Und der verdammte 8Bit-OST zu "The Secret of Monkey Island II" versprüht mit jeder einsetzenden Synthtröte mehr echtes Piratenflair und authentische Karibikatmosphäre als diese Karneval-Clownstruppe hier.

      Den Absatz zu Bowie möchte ich gerne geflissentlich überlesen haben.

    • Vor einem Monat

      Nö kein Verständnis, das tun die "Herrn der Musikohren für die Nation" doch freiwillig sich an.

      Kein Mitleid, never!

      Erst der Yannik mit "K Pop Grütze Rubrik, brauch keiner aber ich tu es euch trotzdem an", dann der Toni mit "Kann man nur im Vollrausch(5‰)hören Mucke" - Review.

    • Vor einem Monat

      Hier riecht's nach faulem Fisch...

      Soul, kennst diese Version:

      https://www.youtube.com/watch?v=4UYhVVLKr3k

    • Vor einem Monat

      Nee, kannte ich nicht - wobei das "Sologitarristen"-Coverding bei mir echt über Jahre hinweg mehr Zug im Zusammenhang mit dem Street Fighter 2 / Ken-Stage-Theme entwickeln könnte.

      Dass Monkey Island dann nach den kommerziellen Höhenflügen mit Klassik-Umsetzungen alter C64-Hülsbeck-Scores auch irgendwann ne Orchster-Version und Live-Aufführungen kredenzt bekam hat mich schon zur ein oder anderen Freudenträne anrühren können - daher danke für den Einwurf, aber um darauf ähnlich reagieren zu können wie auf die Orchester-Aufführung ist er bei aller Virtuosität halt einfach auch zu wenige Menschen und Instrumente... ;)

      Und innerhalb eines sich entwickelnden Game-Theme-Coverthreads nicht mindestens im zweiten Kommentar den sicherlich auch schon an anderer Stelle hier präsentierten A Capella-Krempel von Smooth McGroove anzusprechen wär halt auch echt low, aber ganz so unten wie der Tightill am Ende vom "Dealer"-Video simmer ja auch zum Glück noch nicht ganz. :)

    • Vor einem Monat

      Zelda: Wind Waker - Dragon Roost Island auch ganz vorzüglich ♥ ♥

      https://www.youtube.com/watch?v=VIIash8hp28

    • Vor einem Monat

      Ah, I see you're a man of culture as well.

      Und gerade die vermutet mensch unter nem Camp David Hemd ja nun mal erfahrungsgemäß am allerwenigsten. :lol:

    • Vor einem Monat

      Ach, und wenn heir ja jetzt eh schon auf Game-OST umgestellt wurde:

      Immer und immer und immer wieder: "Ladies of the woods" aus dem Witcher 3 OST...

      Überhaupt, diese in jeder Hinsicht das mMn beste Kapitel dieses Spiels eindeutig beschließende Begegnung mit denen in Velen - Top 3 Epic Moments in Video Game History... und da haben dieses Stück Musik sowie der abartig trippige Voice-Delay-Effekt auf den Stimmen der Ladies halt maßgeblichen Anteil dran.

    • Vor einem Monat

      "...das tun die "Herrn der Musikohren für die Nation" doch freiwillig sich an."

      Weiß nicht, ob ich das so mit einer Handbewegung gleich als endgültig als Berufsrisiko abtun wollte, wenn Du halt privat sehr wahrscheinlich auch mal gerne ein filigran und elaboriert bespieltes Jazz-Piano zu deinen musikalischen Vorlieben zählst und eines lieben und bis dahin völlig unbehelligten Morgens grinst dich dann vom Cover der CD diese Hackfresse auf dem Redaktionsschreibtisch als deine nächste Auftragsarbeit an... grinsend, weil sehr wohl wissend, dass die Personen, die es aus irgendwelchen Gründen hören müssen, halt in diesem Zweig vom Game einfach die nochmal so viel härter Gefickteren sind als die, die ihr Geld dafür rausschmeißen und für sich in ihrer Blase aber tatsächlich irgendwie noch einen spürbaren Mehrwert dabei rausziehen können...

      ...denn die subjektive Empfindung dabei kannste keiner der Gruppen absprechen, so unterschiedlich sie in diesem Fall auch ausfallen mag.