laut.de-Kritik

Schlagerfeuermusik vom Goldesel.

Review von

"Zefix". Was heißt das eigentlich? Mundmische.de sagt: Ein anderes Wort für "Verdammt!" / "Scheiße!". Streichen wir nun Satzzeichen und Slash, ergibt der Albumtitel erstaunlich viel Sinn. Immerhin blickt Chris Stegers' Team den Tatsachen ins Auge und betitelt das Album so, wie es klingt. Verdammt Scheiße.

Dass der 17-jährige Chris am wenigsten dafür kann, ist wohl das Traurigste. Der hat nämlich eigentlich eine schöne Stimme und scheint auch ein ganz sympathisches Kerlchen zu sein. Irgendjemand muss ihm nur erlaubt haben, an diversen Talentwettbewerben mitzumachen - darunter "The Voice Kids", "Kiddy Contest" oder "Falco Goes School". Damit zog er die Aufmerksamkeit des Wiener Produzenten Christoph Straub auf sich. Dieser sieht in Chris höchstwahrscheinlich einen kleinen Goldesel. Für "Zefix" drückte er ihm 13 Songs auf, für die er in pongaurischer Mundart mit seiner Stimme herhält.

Straub hat, bevor er sich der Musik widmete, Architektur studiert. Es scheint, als hätte er versucht, alle erlernten Studieninhalte auf die Musikproduktion zu übertragen. Jeder einzelne Song klingt wie mathematisch ausgerechnet und zusammengebaut. Aalglatt, voraussehbar und langweilig.

Dass ca. 14 von 13 Songs jugendlichen pseudo-dramatischen Herzschmerz thematisieren, macht "Zefix" nicht wirklich erträglicher. Schaut man sich den Chris an, befinden wir uns hinsichtlich Authentizität - wir bleiben mal im Fachbereich Mathematik - im Minusbereich. Der sieht nämlich aus, als hätte er gerade erst aufgehört, mit Lego zu spielen.

Oh und da wir schon bei einem klischeebehafteten Rollenbild sind: Alle Texte und Videos zeigen natürlich junge, heterosexuelle, Liebe zwischen Weißen - wie könnte es auch anders sein? Besonders das Video zum Titeltrack repräsentiert diese schützenfestkonforme Attitüde ganz wunderbar.

Chris verzweifelt dann und wann an den großen Fragen des Lebens: "Denn warum führ'n di Menschen Kriege / [...] Warum brennen ma olls nieda, unsre Erd'n is ja olls, wos ma hom". Seine Mama kann ihm in "Leicht Kennt Ma's Hom" wohl leider keine Antwort darauf geben. Im Chorus scheint dann aber kurz wieder alles ok zu sein - oder wenigstens zu werden, denn am Ende sei die Liebe ja immer stärker als der Hass.

In "Präsident" berichtet Chris - untermalt von Streichern und deplatzierten spanischen Gitarrenfills - wie gern er doch einfach auf eine einsame Insel abhauen würde und dort dann Präsident wäre. Fragt sich nur warum, wenn doch eigentlich alles so schön ist, so wie es gerade ist?

Einen Police-Schlager-Abklatsch hat Straub mit "Die Schenste" entworfen. Chris weiß ganz genau, dass die Besungene die Richtige für ihn sei - sie nur noch nicht. Doch das soll sich ändern: "Und i woass, wos i wü / Woass genau, des is sie / I woass nit, ob i's hom konn / Sie is die Schenste fia mi / Und i woass, wos i fühl / Und heut muass i's ihr sogen / Und heut muass i sie frogen / 'Mogst mi so wia i di? / Bist die Schenste fia mia'". Na, das kann ja eigentlich gar nicht schief gehen. Denn wer ist nicht direkt Hals über Kopf verliebt bei dem Kompliment, der oder die Schönste zu sein?

Klingt alles so, als wäre eine Großfamilie nach einer langen Wanderung durch die Alpen in einer Hütte eingekehrt. Alle sind gut drauf, es macht ordentlich Gaudi. Draußen wird ein Lagerfeuer entzündet. Das ein oder andere Bier wird getrunken. Ausnahmsweise darf auch der kleine Cousin mittrinken. Nach ein paar Schlücken verspürt er dann die unglaubliche Lust, die Gitarre (die zufällig an der Wand hängt) zu nehmen und ein paar Hits am Lagerfeuer zu schmettern, die er bisher nur ganz allein in seinem Zimmer geübt hat. Das dann noch verpackt in die ultimative Schlagerproduktion. Und damit es nicht ganz so klingt wie Heintje, gibt's noch ein paar Gems in Form von E-Drumfills oder rockigen E-Gitarren-Riffs.

Bevor sich der bodenständige Chris voll und ganz der Musik widmen werde, will er übrigens seine Ausbildung zum Zimmerer fertig machen, damit er etwas in der Tasche hat. Ich halte das für keine schlechte Idee.

Trackliste

  1. 1. Oans, Zwoa, Drei
  2. 2. Leicht Kennt Ma's Hom
  3. 3. Woan Nua
  4. 4. Die Schenste
  5. 5. Da Beste
  6. 6. Präsident
  7. 7. Zefix
  8. 8. Fuat Auf'd Nocht
  9. 9. Nua da Wind
  10. 10. Heit Nocht
  11. 11. Du Entschuldige I Kenn Di
  12. 12. Du Bist Du
  13. 13. Mach Die Aug'n Zu

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Chris Steger

Na wer schaut denn da so unschuldig drein? Chris Steger, süße 17, Eroberer der Herzen sowie der Austropop-Charts. So oder so ähnlich berichtet zumindest …

4 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 11 Monaten

    Beim Geschlecht könnt ich mirs sogar vorstellen, aber erwähnt jedes Lied Ethnie und Alter der Protagonisten?

  • Vor 10 Monaten

    "Alle Texte und Videos zeigen natürlich junge, heterosexuelle, Liebe zwischen Weißen"

    Uff...

    • Vor 10 Monaten

      Liebe Fr. Feldmann,
      dass Sie wahlweise aus einem niederbayerischen oder niedersächsischen Kuhdorf stammen, zählt auch nicht wirklich als Migrationshintergrund...

    • Vor 10 Monaten

      Ich frage mich wirklich, warum es immer wieder Menschen gibt, die es für moralisch offenbar völlig richtig halten, eine Ungerechtigkeit mit einer anderen auszutauschen. Ja, es ist wichtig, Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen Vorlieben, ihres Geschlechts, ihrer Herkunft usw. zu diskriminieren. Aber diese Maxime gilt für alle Menschen, auch heterosexuelle Menschen mit heller Hautfarbe. Insofern empfinde ich die Aussage, junge, heterosexuelle Liebe zwischen weißen Menschen sei ein Klischee, als dumm und diskriminierend.

  • Vor 10 Monaten

    Also Kritik in allen Ehren und ich bin wahrlich absolut keine Schlagerfreundin. Aber Frau Feldmann wird teilweise ganz schön fies und zynisch wenn ihr etwas nicht gefällt. Spaß beim Lesen macht das nicht. Verfolgt nicht jeder Song die Meinung die er davor besungen hat (wie ihr Bsp mit dem Präsidenten-Song), wird er als unglaubwürdig dargestellt … warum denn? Sind wir alle schwarz/weiß? Sie spricht doch noch quasi davon dass es mehr Vielfalt braucht („natürlich nur weiße heterosexuelle Liebe…“).

  • Vor 8 Monaten

    Also ich habe noch nie solch eine schwachmatische Kritik gelesen und über diesen Artikel hier lachen gerate avisierte Stars aus Österreich und Deutschland, Musiker, Profis, die in einer Runde sagen: "Ihr habt keine Ahnung von Musik!" Schuster bleib bei deinen Leisten. dahinter stecken wohl eher persönliche Konflikte?!