laut.de-Kritik

Volle Möhre 80er, aber weder retro noch gestrig.

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Eklektisch bis der Arzt kommt, aber dennoch eigenständig? Volle Möhre 80er, dabei weder retro noch gestrig? Synthiepop ohne Ende und doch organisch und vielschichtig? Normalerweise kann man als Hörer mit solch einem Wunschzettel gleich zu Hause bleiben. Xul Zolar jedoch packen den musikalischen Zauberstab aus und vereinen auf ihrem Debüt "Fear Talk" alle genannten Qualitäten.

Ein Dutzend Lieder pumpt der alten Tante Synthiepop frisches Blut in die Venen. Xul Zolars Rezept scheint so einfach und offenkundig - man wundert sich, dass bislang niemand drauf kam. In einem Slogan: Melancholischer Weltschmerz trifft elegante Cocktailparty!

Die vier Kölner geben The Smiths, Talking Heads und exotischerweise Phil Collins als prägend an. Im Zentrum steht der von Verlust und Unbill kündende Gesang Ronald Röttels. Der Frontman kredenzt dem Publikum eine Kür absoluter Emotion.

Nicht unbedingt das Timbre, sehr wohl aber Phrasierung und Betonung einzelner Silben erinnern mitunter an Mark Hollis leidenden Talk Talk-Spirit. Röttel legt den Vortrag allerdings weniger geschunden an. Er federt die Ausstrahlung mit einem Schuss angedunkelten Dandytums ab, wie man es von Bryan Ferrys elegantem 1985er Meilenstein "Boys & Girls" kennt. Obwohl Röttel offensichtlich viel von den Ikonen lernte, bleibt er in jeder Sekunde ganz er selbst. Anspieltipp hierzu: "Nye".

Entsprechend kreative Individualität findet sich ebenso auf der instrumentalen Ebene. Die Keyboards werfen ein Netz wabernder Synthieflächen aus, die nicht selten in griffige Hooks und melodische Figuren münden. Diese verspielten Details klingen ausnahmslos inspiriert und greifen u.a. im famosen "Combat" auf, was Lehrmeister wie Shriekback in den Achtzigern bereits auf Kultsongs wie "Faded Flowers" erfanden.

Doch das ist nur die halbe Miete. Erst die organischen Elemente holen die Songs aus der Genre-Nische. Besonders im Titeltrack hat die warme Gitarre einen fast dekadenten Groove, dessen Dinnerparty-Appeal dort weiter macht, wo Nile Rodgers das Feld bereits für Bowies "Let's Dance" und Ferrys genannte Scheibe beackerte. Sehr schöner Kontrast zum dramatischen Gesang.

Als absolute Wunderwaffe geht Dennis Hoffmann durchs Ziel. Der Drummer bricht die Stücke endgültig aus jeder stilistischen Schudlade heraus. Mit einer Vielzahl clever eingestreuter Percussion verleiht er den Rhythmen eine Stellung im Bandgefüge, die zugleich Rahmen und Herz verkörpert. Alles zusammen erzeugt Nachtmusik mit großer Strahlkraft.

Trackliste

  1. 1. Two Months
  2. 2. Vacuum
  3. 3. Fear talk
  4. 4. Meridian
  5. 5. Pursuit
  6. 6. Cloth
  7. 7. Soft Drones
  8. 8. (-)
  9. 9. Combat
  10. 10. Japanese Money
  11. 11. Nye
  12. 12. W.A.R.N.I.N.G.S.

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LAUT.DE-PORTRÄT Xul Zolar

Bei der knackigen Mischung aus Synthiepop, Indie-Pop und großer 80er Geste denkt man fast automatisch an berühmte Brutstätten wie Manchester oder London.

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