laut.de-Kritik

Mystischer Trip durch die Wüste Arizonas.

Review von

Gigantische Kakteen am Straßenrand, eine Bergkette am Horizont, die dunkelrote Sonne ballert erbarmungslos auf die karge Wüste. Der 67er Ford Mustang läuft mit Vollgas – und im Radio Xixa. Wenn sechs Typen aus der Ödnis Arizonas südamerikanische Folklore mit Desert-Psychedelic-Rock kombinieren, klingt das wie der perfekte Soundtrack für einen imaginären Tarantino Film - angesiedelt zwischen Alejandro Jodorowskys El Topo und Breaking Bad.

So raunt es im Opener "Thine Is The Kingdom" "Take me where the water is", ob der scheinbar endlosen Fahrt auf dem Highhway durch die Dürre Südwestamerikas. "Genesis", das zweite Album der Chicha-Psychedelic-Rocker aus Tucson, Arizona ist ein mystischer Trip mit weltmusikalischem Vibe.

Chicha, nicht zu verwechseln mit dem Spuckebier südamerikanischer Ureinwohner, ist die peruanische Spielart des kolumbianiaschen Cumbias, eines ursprünglich aus dem afrikanischen Guinea stammenden Musikstils und Paartanzes. Und genau so lässt sich auch "Genesis" verorten: Irgendwo zwischen Psychedelic, Americana, Stoner-Rock und Afrobeat. Calexico oder auch 70er Jahre Western-Soundtracks lassen grüßen.

Und so wird im doch sehr Latinopoprock lastigen "Eclipse" auch zum Tanz gebeten. Die zweite Singleauskopplung des Albums ist allerdings dessen schlechtester Song. "Soma" startet zunächst mit einer kratzigen Vinylsample eines vermeintlichen 70er Jahre Chicha Klassikers, um dann in fuzzig-psychedelische Sphären abzudriften.

"Eve Of Agnes", ein Feature mit der algerischen Band Imarhan und eines der Highlights der Scheibe, schickt einen dann urplötzlich nach Nordafrika – Vergleiche mit Altin Gün oder der schwedischen Sektenband Goat fallen hier leicht und stehen Xixa auch gut zu Gesicht. Mehr trippiger Fuzz und weniger glattgebügeltes pseudo-experimentelles Gewurschtel hätte dem Album durchaus gut getan.

"May They Call Us Home" kommt zunächst ganz balladenhaft daher, um einen dann flix wieder aus dem Maghreb zurück nach Lateinamerika zu manövrieren. Es ist neben "Eve Of Agnes" einer der Höhepunkte auf “Genesis“ und zeigt die eigenartige und musikalisch vielschichtige Mixtur des Zweitlings – fast als hätten maurische mit aztekischen Künstlern gemeinsam ein Mosaik kreiert, um damit ihre Lederjacken aufzupimpen. Im antiken Lowrider vor was auch immer flüchtend, die Route 66 gen Osten.

Nicht nur musikalisch sondern auch thematisch findet multikulturelle Verknüpfung statt: So geht die Reise über Gaia, der griechischen Göttin der Erde ("Genesis Of Gaea"), über die heilige Agnes von Rom ("Eve Of Agnes") zum mexikanischen Dia de Muertos ("May They Call us Home") bis hin zu astronomischen Gebieten ("Nights Plutonian Shore"). Allesamt gern behandelte Topics im Psychedelic Rock, wenn auch auf den ersten und zweiten Blick etwas wirr zusammengewürfelt.

Doch Xixa driften auf "Genesis" nicht zu sehr in esoterisch verstrahlte Hippiephantasien ab. Das ist gut. Hier sei auch noch das durch aus schicke Artwork von Daniel Martin Diaz erwähnt, dessen Werke auch irgendwo zwischen Renaissance Malerei wie von Da Vinci und prä-astronautischen Spinnereien schweben – ganz ohne in peinlichen lila und neongrünen Eskapaden auszuarten.

Andererseits kommt hier psychedelic feeling auch nur in microdosing Form auf – eine weniger cleane Produktion hätte dem Album sehr gut getan. Letztlich ist "Genesis" aber alles in allem eine solide Platte für Hobby Psychonauten mit Sehnsucht nach der weiten Welt irgendwo zwischen Mittelamerika und Nordafrika.

Trackliste

  1. 1. Thine Is The Kingdom
  2. 2. Genesis Of Gaea
  3. 3. Land Where We Lie
  4. 4. Eclipse
  5. 5. Soma
  6. 6. Eve Of Agnes
  7. 7. Velveteen
  8. 8. May They Call Us Home
  9. 9. Nights Plutonian Shore
  10. 10. Feast Of Ascension

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