laut.de-Kritik

Hommage an den letztes Jahr verstorbenen Eddie Van Halen.

Review von

Dass Weezer seit jeher eine Vorliebe für achtziger Glam- und Hardrock hegen ist kein Geheimnis. Nun erscheint mit "Van Weezer" eine Hommage an den letztes Jahr verstorbenen Guitar Hero Eddie Van Halen. Eigentlich hätte das nunmehr fünfzehnte Weezer Album bereits vor einem Jahr zur Hella Mega Tour mit Green Day und Fall Out Boy erscheinen sollen, doch pandemische Verhältnisse machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.

Nun folgt also auf das erst im Januar erschienene und orchestral angehauchte Ok Human eine klassische Rockplatte. Angeblich weil die Fans Cuomos Gitarrensoli auf den letzten Konzerten (wann war das?!) so geil fanden. Allerdings lässt das Artwork mit seinen Blitzen auf violett-dunkelblauem Hintergrund Böses erahnen. Mehr 80s Hardrock-Klischee geht nicht, aber bei Weezer schwingt die Ironie ja immer etwas im Subtext mit, von daher ...

Musikalisch fühlt man sich auf der ersten Hälfte der Scheibe allerdings erst mal in eine frühe Nuller Jahre College-Romcom versetzt. So etwa beim Opener "Hero" und "All of the Good Ones". American Pie und Pop-Punk Soundtracks lassen grüßen. Aber Weezer sind halt auch einfach eine College Rock Band.

Im Intro von "The End of the Game" tauchen dann erstmals Van Halen-Referenzen auf, Gitarrentapping und Geklatsche, Stadionrock halt. Mit "im on an island with no sun" zitiert sich Rivers Cuomo auch kurz selbst. Joa, voll meta.

A propos Zitate: Musikalisch streifen Weezer durch die Hardrock- und Metal-Geschichte. So klingt "I Need Some of That" deutlich von Blue Öyster Cults "Dont fear the Reaper" inspiriert. "Blue Dream" bedient sich bei Ozzy Osbournes "Crazy Train", "Beginning of the End" bei Billy Joels "For The Longest Time", der dem Original auch etwas mehr drive mitgibt. Mit "1 More Hit" tauchen dann sogar Slayer-Anleihen aus deren Song "South Of Heaven" auf. Schön postmodern zitiert ist das alles und kommt tatsächlich auch ganz geil. Handwerklich muss sich das auch nicht unbedingt vor Van Halen und Kollegen verstecken.

Das waren aber auch schon die Highlights der Scheibe, denn der Rest plätschert dann doch etwas unoriginell vor sich hin. "Sheila Can Do It" wurde eigentlich bereits 1996 geschrieben, hatte es aber bisher noch auf kein Album geschafft und ist ebenso wie "She Needs Me" eher im klassichen Power Pop verhaftet. Wie in den ersten Tracks auf "Van Weezer" liefert die Band hier kaum Überraschungen. Zum Abschluss gibts mit "Precious Metal Girl" dann noch einen balladesken Lovesong, der auch von Simple Plan stammen könnte. Schade.

Mit mehr Songs wie im Mittelteil hätte hier durchaus ein großer Wurf gelingen können. Auf ihrem "Teal Album" haben Weezer ja auch schon gut bewiesen, dass sie Songklassikern ihren eigenen Touch verleihen können. So bildet "Van Weezer" aber nur streckenweise eine gelungene 80s Hardroc-Pastiche mit unverkennbaren Van Halen-Motiven und geschickt verpackten musikalischen Zitaten.

Trackliste

  1. 1. Hero
  2. 2. All of the Good Ones
  3. 3. The End of the Game
  4. 4. I Need Some of That
  5. 5. Beginning of the End
  6. 6. Blue Dream
  7. 7. 1 More Hit
  8. 8. Sheila Can Do It
  9. 9. She Needs Me
  10. 10. Precious Metal Girl

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9 Kommentare mit 17 Antworten

  • Vor einem Monat

    South of heaven höre ich bei "one more hit" eigentlich nicht raus... vielleicht ein bisschen Ghosts of war... aber die Anspielung auf Slayer ist auf jeden Fall erkennbar.

    Bin ja nun wirklich kein Freund von credibility und realness, aber bei Weezer stört es mich schon, dass ich stets das Gefühl habe, dass die ihre diversen Anleihen bei anderen Künstlern/Genres nicht als Hommage sondern als Verarsche betreiben. Ganz offensichtlich war das ja beim Toto-Cover.

    Von daher Daumen runter von mir... liegt aber sicherlich auch daran, dass ich die originäre Weezer-Mucke schon nicht mag.

    • Vor einem Monat

      Ich weiß nicht, ob Verarsche das richtige Wort ist. Ich sehe Weezer, wie auch viele Äußerungen und Kommentare in den sozialen Medien (Laut!), zunehmend auf einem schmalen Grat zwischen Ironie und Wahrhaftigkeit wandelnd. Das hat ja bekanntlich den schicken und bequemen Vorteil, dass man sich letztlich immer auf den ironische Aspekt berufen kann.
      Nebenbei bemerkt ist es für mich die Seuche dieser Zeit: Jeder fühlt sich frei, alles zu tun und zu sagen, und ein kleines Zwinkersmiley dahinter zu setzen oder mit den Zeigefingern Anführungszeichen anzudeuten.

    • Vor einem Monat

      Na ja, wenn man Versatzstücke von anderen Künstlern ironisch - also nicht ernsthaft - verwendet, dann nimmt man schon in kauf, dass beim Hörer der Eindruck eines sich-darüber-lustig-machens entsteht.

      Könnte allerdings gut sein, dass es mich nur dann stört, wenn es dabei um Musik geht, die ich mag - bei Hiphop hätte ich damit vermutlich keine Probleme.

  • Vor einem Monat

    '1 More Hit' zitiert übrigens nicht Slayers 'South of Heaven' sondern Wingers 'Easy Come Easy Go'. Passt auch besser zum Text...

  • Vor einem Monat

    Ein Album, dass so peinlich und scheiße ist wie sein Cover. Was anderes war von Weezus im Jahre 2021 eh nicht zu erwarten.