laut.de-Kritik

Bluesrock aus der Schweiz: keine Frage des Alters oder des Geschlechts.

Review von

Wer schon einmal in den Schweizer Bergen war, der weiß: So einfach lässt sich diese Landschaft nicht umpflügen. Die Velvet Two Stripes aber arbeiten genau daran – zumindest musikalisch. Die Kunde von den drei jungen Frauen mit der großen Leidenschaft für Rockmusik verbreitet sich fast schon gespenstisch rasch im Lande der Eidgenossen. Die größte Zeitung prägte den Superlativ "die coolste Band der Schweiz", und auch die Radiosendung 'Rock Special' – sozusagen die staatlich legitimierte Instanz für Rock'n'Roll – widmete sich den Mädels ausgiebig. Ein medialer Ritterschlag, noch bevor Velvet Two Stripes überhaupt ein Album draußen hatten.

Und wie reagieren die Musikerinnen auf den ganzen Hype? Mit "VTS", einem Erstlingswerk, das eine geradezu unverschämte Lässigkeit versprüht. Musikalisch manifestiert sich diese in bluesigem Rock, schön unpoliertem Garagen-Appeal und Ausflügen ins Psychedelische. Ergänzt wird das Ganze mit elektronischen Beats als moderne Komponente (live dagegen haut ein – männlicher – Schlagzeuger in die Felle).

Besonders prägend für den Bandsound ist das Gitarrespiel von Sara Diggelmann. Was diese an Melodien und Riffs auspackt, ist schon allerhand. Im straight geradeaus marschierenden "Mad Machine" und dem tänzelnden "Cloud Seven" etwa reiht sie ein Lick ans nächste, dass ein Jack White zumindest anerkennend nicken würde. Zusammen mit dem stampfenden "Fire" gehören diese Songs zu den rockigsten der Platte.

Doch Velvet Two Stripes können auch anders. "Bottleneck" etwa hat eine ganz andere Klangfarbe. Die Gitarre wandert in den Hintergrund, dafür übernehmen der flott programmierte Beat und tiefes Synthie-Geblubber. Darüber schwebt die halb singende, halb sprechende Stimme von Sophie Diggelmann (übrigens die Schwester der Gitarristin). Feinste Tanzbein-Stimulanz, der Track.

Generell passt die Gesangsleistung von Sophie bestens zum Bandsound. Die 21-Jährige versucht sich gar nicht erst mit gesanglichen Kapriolen in Szene zu setzen, weil das schlicht nicht nötig ist. Sie bleibt bei simplen Melodien, gerne auch in tieferer Stimmlage und betont ruhig vorgetragen. Mal säuselt sie verführerisch, dann gibt es einen Ausbruch in Form eines Schreis. Was immer halt gerade passt.

Im wabernden "Supernatural" etwa wiederholt sie mantraartig die Zeilen "You are supernatural, you are a supernatural high" und trägt so maßgeblich zur hypnotischen Wirkung des Songs bei. Ebenso trippy gelingt der düstere Rausschmeißer "Dead Man", den Sara mit einem langen, kreischenden Gitarren-Sololauf krönt.

Gestützt auf diese beiden Pfeiler – der variantenreichen Gitarrenarbeit und dem stets dazu passenden Gesang – ist den Ostschweizerinnen ein starkes Debütalbum gelungen. Ausreißer im positiven oder negativen Sinne lassen sich unter den elf Songs nicht finden. Okay, von "Mafia" bleibt nicht allzu viel hängen. Der Bass von Franca Mock setzt auf dem Album keine nennenswerten Akzente, und in manchen Passagen klingt die Gitarre zu dünn. Doch ein perfektes Debüt soll erst mal einer hinkriegen.

Oder eben nicht. Denn der große Trumpf ist die Atmosphäre, die "VTS" versprüht. Dazu gehört auch ein DIY-Charme, der einfach authentisch wirkt. Man kann sich gut vorstellen, wie die Mädels das Studio betreten, arschcool ihr Ding durchziehen und fertig. Machen sie live ja nicht anders. Bis zur Perfektion polieren können andere. Sich um den ganzen Hype scheren ebenso.

Trackliste

  1. 1. Cloud Seven
  2. 2. Bottleneck
  3. 3. 789
  4. 4. Supernatural
  5. 5. Mafia
  6. 6. Honey
  7. 7. Fire
  8. 8. Hellhound
  9. 9. S.E.X.
  10. 10. Mad Machine
  11. 11. Dead Man

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