laut.de-Kritik

Entspannung pur: wie der kleine Hippie-Bruder von Neu!

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Electronica, die dem Dancefloor nicht bedingungslos zugewandete Spielart elektronischer Musik, erfreut sich wachsender Popularität. Ihren Teil dazu tragen Acts wie Kanadas Caribou oder die beiden Kompakt-Acts The Field und Walls bei. Mit Tycho erscheint nun ein Artist auf der Bildfläche, den man sich merken sollte.

Tycho heißt Projekt des Amerikaners Scott Hansen. Der zeigt, dass für ihn analoge und digitale Produktion zwei Seiten einer Medaille sind. Das Ergebnis ist ein Longplayer, der den Anspruch formuliert, über der Zeit zu schweben.

Entstanden sind die zehn Stücke ausschließlich an der Gitarre. Keine Spur von elektronischer Klangerzeugung in der Inspirations- und Schaffensphase von Scott Hansen. Hier steht er ganz in der Tradition seiner Eltern. Die haben ihre Jugend als Hippies in San Francisco verbracht. Dort wohnt auch Hansen für einige Jahre und arbeitet als Graphik-Designer und Musiker. Und auch wenn ihn sonst nicht viel mit der Hippie-Vergangenheit seiner Altvorderen verbindet, so ist doch der starke Bezug zur Gitarre als wichtigstem Instrument künstlerischen Ausdrucks geblieben.

Im Studio verfeinert Tycho dann die an der Gitarre komponierten Tracks und ergänzt sie um Spuren aus seiner Sammlung elektronischer Klangerzeuger. Am Ende dieses Prozesses stehen Stücke, die allesamt durch ihren runden und ausgewogenen Klang bestechen. Entspannung verheißender Wohlklang lautet das Motto, dem sich Tycho auf seinem inzwischen dritten Longplayer voll und ganz verpflichtet. Mit dieser Philosophie schreibt der Amerikaner eine Geschichte fort, die Boards Of Canada in den 90er Jahren in Perfektion auf Vinyl pressten.

Im Gegensatz zu den Briten findet man bei Tycho keine komplexen Beat-Arrangements. Tracks wie "Coastal Break" oder "Adrift" gleiten vielmehr auf einem straighten Groove dahin. Das Spannungselement liegt nicht im Rhythmus, sondern in den Melodien der rein instrumentalen Tracks. Sucht man einen Vergleichspunkt, dann findet man ihn am ehesten in Klaus Dingers und Michael Rothers-Band Neu!, nur dass Scott Hanssen wie der kleine fröhliche Hippie-Bruder der legendären Krautrock-Combo klingt.

Man sollte sich durch die dezente Oberflächlichkeit in Tychos Sound nicht täuschen lassen. Das Album legt an Profil zu und erweist sich auch nach mehrfachem Anhören noch immer als spannendes Stück Musik.

Trackliste

  1. 1. A Walk
  2. 2. Hours
  3. 3. Daydream
  4. 4. Dive
  5. 5. Coastal Brake
  6. 6. Ascension
  7. 7. Melanine
  8. 8. Adrift
  9. 9. Epigram
  10. 10. Elegy

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