laut.de-Kritik

Wer nicht zuhört, hat schon verloren.

Review von

"I don't do hypes. I check my own mic. I'm oldschool, I can rock a party or a night if I want to." Solches steht außer Frage, sobald Ty seine superflüssigen Zeilen vom Stapel lässt. Sein Credo: "I wanna be loved for what I bring to ya" auf der einen, "doesn't really matter what you think about me" auf der anderen Seite. Wie passt das zusammen?

Problemlos, so lange die Hauptdirektive lautet: "I'm just trying to be me. Everyday I try to be me." Anstatt Trends nachzujagen, inszeniert sich der Brite als genau das, was er seit seinem Debüt darstellt: "A Special Kind Of Fool".

Wer seine Zeit nicht damit verplempert, gleich beim Aufstehen nach der passenden Maske zu suchen und dann dem vermeintlich gerade führenden Trend nachzujagen, kann es sich erlauben, Gehalt über technische Ausgefuchstheit zu stellen. Ty war immer ein Lyriker - und wird immer einer bleiben.

Seine Texte leben nicht von komplexen Reimkonstruktionen. In seiner Welt gilt oberflächliches Größer-schneller-weiter einen Scheiß, "look good, sound hard" genügt nicht. Messerscharfe Beobachtungen, akkurate Analysen und die richtigen Schlussfolgerungen daraus wiegen dagegen um so schwerer.

Auf dem Altar dieses Selbstverständnisses opfert Ty, wenn es sein muss, auch die Eingängigkeit. Wer nicht zuhört, verliert erst den Faden, dann das Spiel. Beim unkonzentrierten Nebenher-Konsum verlieren seine Tracks schnell an Reiz.

Die Wirkung schlummert in den Worten, nicht darin, wie diese vorgetragen werden. Hier mangelt es nämlich tatsächlich zuweilen an Abwechslungsreichtum - sehr im Gegensatz zum Inhalt.

Ty lädt zu einem "trip over memory lane", ein, erinnert an goldene Zeiten, als im Hip Hop nicht weithin nur Fassadenpolitur betrieben wurde: "The music used to reflect the joy and the pain." Daran möchte Ty anknüpfen und schwört: "Over my dead body I will contribute to the wacknicity."

Statt dessen feiert er - "try to count blessings before I count sheep" - die kleinen Freuden, preist Selbstvertrauen und -bewusstsein und ruft auf den Tanzboden, als schreibe man noch das Jahr 1988: "It's a rap, baby. Come on!" Das Lebensgefühl stimmt, leider fehlt - wie eben weiland '88 - stellenweise doch die Wucht.

Spielereien mit entspannten Melodien, spacigen Sounds und Fragmenten arten - beispielsweise in "Falling" - durchaus mal ins Unübersichtliche aus. Co-Produzent Drew Horley macht es Tys Hörerschaft so wenig leicht wie der Rapper selbst. Das höchste Gut: unberechenbar bleiben, auch wenns manchmal anstrengend wird.

Zum Ausgleich gibt es angenehme bis überraschende Gesangsparts von mannigfaltigen Feature-Gästen, Orgeltöne, Drumbeats und Percussion, mal flirrende, mal quakende Klänge, also: "Go ahead, babes, please shake those maracas. See why: I'm the B.A. Baracus for rappers."

Ach, vielleicht hat Ty auch einfach nur das Nas'sche Luxusproblem des grandiosen Erstlings an der Backe: Die Erwartungen liegen hoch, und so wie mit "Awkward", das einst völlig aus dem Nichts kam, wird er mich schwerlich ein zweites Mal aus den Socken hauen.

Einem Rapper, der so offensichtlich in sich selbst ruht wie Ty, dürfte darauf so wenig geben wie auf den zweifelhaften Ruf, den Hip Hop in zu vieler Kritiker Augen genießt: "I won't apologize for my culture. Fuck it."

Trackliste

  1. 1. Don't Cry feat. Corey Mwamba
  2. 2. Wait feat. Leo Ihenacho & Soweto Kinch
  3. 3. Heart Is Breaking feat. Sway & Roses Gabor
  4. 4. Little Star feat. Wreh-asha
  5. 5. Something Big feat. Carroll Thompson
  6. 6. Emotions feat. Sarina Leah & Shaun Escoffery
  7. 7. Phantom Of The Opera feat. Anthony Mills
  8. 8. Get To The Sky feat. Vula Malinga & Terri Walker
  9. 9. Happiness feat. Vula Malinga
  10. 10. I'm Leaving feat. Anthony Mills
  11. 11. Me feat. Erik Rico
  12. 12. I Get Up feat. D-Cross
  13. 13. Falling feat. Shaun Escoffery & Finn Peters
  14. 14. Special Kind Of Fool feat. Erik Rico
  15. 15. Endtro feat. Leo Ihenacho & Robin Mullarkey

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LAUT.DE-PORTRÄT Ty

Scheinbar aus dem Nichts materialisiert sich im Januar des Jahres 2001 mit "Awkward" das Debüt einer neuen Perle unter den Rappern der britischen Inseln.

2 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Ich kenn Ty (oh Gott wie spricht man das überhaupt aus Tei, Tü Tüpsilon kein Plan)von nem Feat. mit Roots Manuva. War auf sonem UK HipHop Samlern und gefiehl mir eigendlich ganz gut. Das dazugehörige Album (wahrscheinlich dat Erste)hab ich nich bekommen deswegen werd ich dem auf jeden Fall ma ne Chance geben. Der Review nach müsste das aber eigendlich mein Ding sein....
    Ma schaun..

  • Vor 10 Jahren

    Ich kann mich dem Rezensenten nur anschließen. Mich haute Ty mit seinem Debüt von den Socken, geradezu erschüttert wurde mein Weltbild durch diese Platte. Seelig, unaufhörlich grinsend über meine Entdeckung verblieb ich beim Hören jener Platte für mindestens zwei Wochen. Seit dem hat Ty ein Stein im Brett und ich sauge alle Informationen über Ihn auf wie ein TeenagerIn einen Take-That Artikel in den 90ern.

    Vielen Dank für diese schöne, reflektierte Betrachtung von "Special Kind Of Fool"