laut.de-Kritik

Ganz viel Synth und eine Prise Sozialkritik.

Review von

Bei The Subways gab es eine Umbesetzung an den Drums. Seit der Veröffentlichung der Singleauskopplung "Fight" (2021) gibt Camille Phillips als Nachfolgerin von Josh Morgan den neuen Takt der Band an. Jedenfalls wenn es um den Rhythmus geht. Die Songs auf der neuen Platte "Uncertain Joys" stammen nach wie vor ausschließlich von Frontmann Billy Lunn, bei dem in den letzten drei Jahren sehr viel passiert ist: Er absolvierte einen Bachelorabschluss in Englischer Literatur an der University of Cambridge, wurde mit Borderline diagnostiziert und outete sich als bisexuell. Das ist eine ganze Menge Stoff, der geradezu danach schreit, in neuen Songs verarbeitet zu werden.

Die Singles "You Kill My Cool", "Black Wax" und "Love Waiting On You" erschienen bereits im Frühjahr 2022 und überzeugten mit wuchtigen Riffs, knackigen Drums und einem erfrischenden Optimismus. Während Billys Gitarre shredded, was das Zeug hält, wächst er gesanglich meist nicht über den Sound eines frühen 2000er Surf Pop-Sounds hinaus. Der punkig-rauhe Gesang, der die frühen Alben wie "Young For Eternity" und "All Or Nothing" prägte, ist einem ziemlich cleanen Timbre gewichen. Harten Rockeinflüssen stehen verwirrend softe Synth-Klänge gegenüber. Es ist ein neuer Sound, den man von den Subways bisher noch nicht kannte.

Lunn gibt sich hörbar Mühe, etwas Neues auszuprobieren und experimentiert mit diversen Gesangsstilen. Leider wirkt das ganze manchmal ein bisschen unausgereift und gequält. In "Fight" versucht er sich an einer Art Rap, der zwar im Laufe des Songs geschmeidiger und glaubhafter klingt, aber bei Fans des Genres einige Cringe-Reaktionen hervorrufen dürfte. Im Metal-lastigen "Incanctation" probiert er es mit Growling. In "Black Wax" endet eine Aufzählung seiner Lieblingsmusiker mit einem guttural gemurmelten "Aretha Franklin". Positiv stechen Lunns Gitarrenskills in Kombination mit Charlotte Coopers Bass hervor. Die harten Riffs in "Black Wax","Fight", "Incantation" und "Futures" wirbeln die poppige Klanglandschaft des Albums orkanartig auf.

Obwohl es seit ihrem letzten Album ("The Subways", 2015) um die Band ein wenig ruhig war, haben sie nicht geschlafen, sondern aufmerksam beobachtet, was in der Welt passiert. In "Fight" drücken die Briten ihre Solidarität mit der Black Lives Matter Bewegung aus: "Join me, and take a knee, say each and every name. All those who could not breathe." Mit diesen Zeilen nehmen The Subways auf zentrale Themen der Bürgerrechtsbewegung Bezug.

Mit "Influencer Killed The Rock Star" kommentiert Billy Lunn in gewohnter Kapitalismuskritik ("Money and Celebrity") die neuen Social Media Trends der Musikindustrie. Große Plattenlabel setzen zunehmend auf die Selbstvermarktungs-Skills ihrer Acts. Immer mehr Follower, immer mehr Likes sollen es sein. Da kann man eigentlich gleich die Gitarre wegschmeißen und zum Influencer werden: "Throw away your Fender guitar. Now this is who you are, propping up the ego bar. In the trash with the repertoire to trade in the bizarre."

"Uncertain Joys" zeigt, dass sich die Subways seit ihrer letzten Platte so einige Gedanken gemacht haben. Neue Stilexperimente und gesellschaftskritische Texte zeigen, dass sie nicht in der Zeit stehen geblieben sind. An den üppigen Synth-Sound und die etwas gewagten Rap-Einlagen muss man sich wohl noch etwas gewöhnen. Kann man darüber hinwegsehen, bietet "Uncertain Joys" viele überraschende Momente - nicht zuletzt im fulminanten letzten Track ("Futures"), der diverse Genres miteinander verwebt. Fest steht jedenfalls: The Subways sind wieder da. Mit entschlossener Haltung, frischen Drums und einer Menge Enthusiasmus.

Trackliste

  1. 1. You Kill My Cool
  2. 2. Love Waiting On You
  3. 3. Uncertain Joys
  4. 4. Incantation
  5. 5. Black Wax
  6. 6. Lavender Amelie
  7. 7. Fight
  8. 8. Influencer Killed The Rock Star
  9. 9. Swanky Al
  10. 10. The Devil And Me
  11. 11. Joli Coeur
  12. 12. Futures

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LAUT.DE-PORTRÄT The Subways

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1 Kommentar

  • Vor 18 Tagen

    Ich fand die in den 00er Jahren immer zu Unrecht als One Hit Wonder auf Rock'n'Roll Queen reduziert; sehr unterschätzte Band. Andererseits wussten die letzten zwei Alben nicht so wirklich wohin die Reise gehen soll. Schön, dass die noch Musik machen und sich neues trauen.