laut.de-Kritik

I Was Made For Loving You Baby: Partyalarm im Spaceship.

Review von

Harte Schale, weicher Kern. The Night Flight Orchestra sind ein gutes Beispiel für die stilistische Vielfalt, die sich hinter Metalbands der härteren Gangart verbirgt. Ähnlich Dan Swanö, der gerne mit Rostnägeln gurgelt und diverse Knüppel-aus-dem-Sack-Bands produziert, gehen das Soilwork-Tandem aus Sänger Björn Strid und Gitarrist David Andersson sowie Arch Enemy-Tieftöner Sharlee D'Angelo einer harten Hauptbeschäftigung nach. Daneben pflegt Swanö mit dem AOR-lastigen Projekt Nightingale seine Plüschseite während die drei Melodic Death Metal-Recken ihre Seele mit dem Night Flight Orchestra streicheln.

Hier frönen Strid und Co. ihrer Vorliebe zu Classic Rock. Überwiegen zu Anfang noch die Siebziger-Anteile, wildert das Sextett seit "Amber Galactic" verstärkt in den Achtzigern und ist somit in bester Gesellschaft mit Steven Wilson ("To The Bone"), Subsignal ("La Muerta") oder Ghost ("Prequelle"). Der großspurige Titel "Sometimes The World Ain't Enough", der auch einen James Bond-Film zieren könnte, verfolgt das Motto 'mehr Hits, mehr Chicks'.

Stets catchy legen die Schweden hohe instrumentale Fertigkeiten bei Riffs und Solospots an den Tag. Anklänge finden sich bei ABBA, Suzi Quatro und den Bee Gees sowie bei Kiss, Foreigner oder Journey. Den Startschuss markiert der Rock'n'Roll-Uptempo-Opener "This Time" mit Orchestration und pompösem Finale, das an John Miles "Music" erinnert. "Turn To Miami" geht als Hommage an 80er-Serienhits ins Ziel. "Paralyzed" startet mit zünftigem Hüpfschwung in der Disco und einem freudigen "Hey Baby" von Sänger Strid. Nuff Said? Denkste! Zum Ende wartet die Gitarrenfraktion neben hohen Disco-Voicings noch mit einem krachigen Metalriff auf.

Es regiert das Over The Top-Songwriting, das Größen wie Bon Jovi, Europe und Def Leppard sowie Songwriter und Produzenten wie Mutt Lange und Desmond Child entscheidend mitprägten. Der Titeltrack verbindet "Runaway"-Keys mit "I Was Made For Loving You"-Riffs. Die weiblichen Backings hieven Strids coolen Klargesang auf ein neues Level und sorgen für Partyalarm im Spaceship. In eine ähnliche Kerbe schlägt "Can't Be Bad".

Mit "Moments Of Thunder" kommt der erste ruhige Song um die Ecke. Ein kurzes Luftholen vor dem nächsten Zungenkuss. "Speedwagon" und "Lovers In The Rain" markieren die melancholischen Momente der Platte, das Aufwachen nach dem Goldrausch. In "Barcelona" startet die Band eine Fiesta zu Ehren der katalanischen Metropole und macht mit dem überlangenen Classic Rock-Meisterwerk "The Last Of The Independent Romantics" den Deckel drauf.

Natürlich trieft "Sometimes The World Ain't Enough" vor klischeebehafteten Momenten, aber solche Songs schreibt nur ein Musiker, der knietief in der Rock- und Pophistorie verwurzelt ist. Wo sonst verbinden sich Disco-Finger und Rock-Faust auf solch harmonische Weise?

Trackliste

  1. 1. This Time
  2. 2. Turn To Miami
  3. 3. Paralyzed
  4. 4. Sometimes The World Ain't Enough
  5. 5. Moments Of Thunder
  6. 6. Speedwagon
  7. 7. Lovers In The Rain
  8. 8. Can't Be That Bad
  9. 9. Pretty Thing Closing In
  10. 10. Barcelona
  11. 11. Winged And Serpentine
  12. 12. The Last Of The Independent Romantics

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