laut.de-Kritik

Klingt gewaltig nach Minderwertigkeitskomplex.

Review von

Der Vollrausch "Bedlam In Goliath" protzt mächtig rum. Mit verbalakrobatischem Frohsinn, Konfetti-Gitarren und geflöteten SciFi-Effektbonbons direkt vom Umzugswagen bringen Omar, Cedric und "The Mars Volta Group" uns ihre Version einer anarchistischen Karnevalsplatte. Die Finger landen bei der gierigen Zuckerhatz überall, die Gedanken bleiben niemals im Fokus (der Alkohol! das Gras! die Pilze!?), alles verschwindet in Unschärfe. Ausnahmezustand.

"The Mars Volta's Descent into Bedlam" geht eine offizielle Webseiten-Überschrift. Treffer. "The Record that did not want to be born" eine andere. Treffer. "Dieses Album ist unser Gegengift auf den Fluch, der auf uns lastet, seitdem wir mit einem Hexenbrett experimentiert und schlafende Geister beschworen haben." Treffer versenkt.

Auf einem Jerusalemtrip, so geht die Legende, habe Omar besagtes Hexenbrett erworben. Er und Cedric spielen damit ein wenig herum, das Ding spricht zu ihnen, woraufhin das Unglück seinen Lauf nimmt: Diverse Drummer steigen ein und gleich wieder aus, ein Toningenieur dreht durch, Aufnahmen gehen verloren, das eigene Studio fällt einem Rohrbruch zum Opfer. Das Bandgefüge droht zu zerfallen.

Dessen Kopf vergräbt das Brett schließlich tief in der Erde. Trotzdem steigern sich die Voltaner weiter in ihre werbewirksame Paranoia hinein. Per dazugehörigem Grafikadventure und steten Beteuerungen, "Bedlam In Goliath" sei die Antwort auf die Stimmen aus der Ouija-Tafel. Naiver Geisterglaube, oder auch einfach okkulter Firlefanz und völlig übertriebener PR-Feldzug.

Tatsächlich scheint jener Überbau lediglich eine neuerliche Entschuldigung zu sein für ein trotziges Pärchen, das am großen Spiel des Poplebens einfach nicht länger teilnehmen mag. Warum auch, mögen Sie einwenden. "De-Loused In The Comatorium" und "Frances The Mute" gelten schließlich zurecht als 1A-Grenzsprenger. Einzigartige Post-Prog-Latino-Cinemascope-Thriller. Aber jetzt?

Wie eine ganze Schulklasse sonderbegabter ADHS-Zöglinge, denen man wohlwollend Bandsetup nebst Sequenzersoftware gestiftet hat, toben sich Mars Volta hier mal so richtig barrierefrei aus. Ihre kreativen Geister erklären den totalen Freigang, ohne Zapfenstreich und so, und inkarnieren schlussendlich Rockbanddekadenz im geradeausgedachten Sinne: prätentiös, plakativ, aufschneiderisch, sinnleer.

Klingt gewaltig nach Minderwertigkeitskomplex, wenn der Soundschwall nicht unter die Drei-Gitarren-Schichtgrenze fallen möchte. Cedrics aufgekratzter Gesang ist heuer Ausdauertraining für Stimmbänder und Nerven zugleich. Dein Papa hätte sich das in den Siebzigern wahrscheinlich allein deshalb ins Regal gestellt, um mit bloßer Lautstärke gegen die Schlagerhörigkeit der Eltern zu rebellieren.

Mehr Geste denn Klangkunst bewahrheiten 76 Minuten ästhetisch anspruchsloser Gassenhauerei alle bislang ungerechten Urteile, die die Band seit Jahren - in der Tat wie ein Fluch - verfolgen. Ja, "Bedlam" ist muckende Völlerei, mühsam ins Albumkorsett gezwungene Entropie.

Dabei aufgrund ewigen Vorwärtspreschens extrem berechenbar, selbstreferenziell und wahnsinnig langweilig. Diese Superpunks lassen sich schon lange nicht mehr von Produzenten reinreden. Doch spätestens am Aschermittwoch ist alles vorbei. Nur der Kater bleibt.

Trackliste

  1. 1. Aberinkula
  2. 2. Metatron
  3. 3. Ilyena
  4. 4. Wax Simulacra
  5. 5. Goliath
  6. 6. Tourniquet Man
  7. 7. Cavalettas
  8. 8. Agadez
  9. 9. Askepios
  10. 10. Ouroboros
  11. 11. Soothsayer
  12. 12. Conjugal Burns

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245 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 11 Jahren

    Also nö

    Das kann doch nicht euer Ernst sein. Sowas als Rezension zu verkaufen. Natürlich sind THe Mars Volta keine leichte Kost und nichts für Jeden, aber wenn ihr die Platte schon runter macht dann doch ein wenig konkreter. Einfach nur mit Phrasen durch die Gegend prügeln is nicht das was ich erwarte wenn ich etwas über eine Platte lese. Schon garnicht von euch.
    Das bin ich echt anders gewöhnt von euch.
    Und nur einen Punkt für dieses Werk zu vergeben ist ohnehin indiskutabel.

  • Vor 11 Jahren

    Mhh schade das nicht auf ein paar Songs eingegangen wird. Nichts Analysiert nur mit phrasen um sich geschmissen...mhh schade

  • Vor 11 Jahren

    @dr.rimpurn77 (« Wenn das alles Stuss ist, frage ich mich wieso hier überhaupt noch jemand in diesem Forum über Musik diskutiert und sich über Geschmäcker streitet, anstatt einfach die Musik zu hören, die ihm gefällt? »):

    "Oh dear," says God, "I hadn't thought of that," and promptly vanishes in a puff of logic.

  • Vor 11 Jahren

    @dr.rimpurn77 (« @Alex (« dieser spezielle stuss ist ja gar nicht mal so das problem, sondern vielmehr die dummheit außenherum, die sich in deisem post offenbart. »):

    Mir fällt auf, daß ein gewisser "Alex" - anscheinend Minderjährig oder aber einfach nur leider nicht mit genügend Intelligenz ausgestattet ist (oder beides??) um normal argumentieren zu können. Kannst du dich nur über andere lustig machen und deine oberflächlichen Bockmistkommentare nach der Art "Alle sind dumm, nur ich nicht!" abgeben oder hast du auch eine eigene Meinung und kannst diese auch anständig formulieren? Du glaubst wohl, du mußt alles was du nicht verstehst sofort als "Stuss" bezeichnen, ohne selbst je nachgedacht zu haben. Während ein Mitarbeiter von "Laut", dessen Job es ist nützliche Kritiken zu scheiben sehr wohl versuchen sollte "objektiv" zu urteilen - soweit das bei Musik möglich ist - können alle anderen natürlich nach ihrem persönlichen Geschmack urteilen. Falls du das alles jetzt wieder nicht verstanden hast, weil in meinem Text Worte wie "formulieren" oder "Meinung" vorgekommen sind, werde ich mich kurz bemühen, es in deine Sprache zu übersetzen: Wenn du in Zukunft wieder einmal alle als "blöd" abstempelst - und das wirst du bestimmt tun - argumentiere besser und führe deine Argumente auch aus. "Jemand ist dumm, weil er "Stuss" schreibt..." ist kein Argument sondern nur der unnötige Gedankenmüll eines Vollidioten! »):

    ach spatzel, versuch doch nicht, so angestrengt argumentativ zu klingen, das geht - wie hier - so furchtbar in die hose und macht hässliche braune flecken.

    wo hier der stussus maximus begraben liegt, formulierst im folgenden post ganz hervorragend aus, wenn du schreibselst:

    Zitat (« aber soviel steht fest: es sollten nur Kenner dieser Musik urteilen, was einen gewissen Grad an Objektivität ergibt. Das Gegenteil davon wäre, einen Hip-Hopper über Metal schreiben zu lassen - verstanden? »):

    für dich süßen horst schreib ichs nochmal auf, manchen individuen hilft es ja womöglich, wenn man ihnen die fakten einfach so lange um die ohren bammelt, bis das gehirn sich endlich dazu erweichen lässt, die infos auch aufzunehmen und zu verarbeiten. der autor weiß nämlich ganz genau bescheid und ist mitnichten ein genrefremder abwatscher. eben deshalb ist das, was du hier von dir gibst schlicht und ergreifend müll. nichts weiter. mit einem hast du aber recht, und zwar hiermit:

    Zitat (« ich tue nicht so als könnte ich Psychoanalysen machen »):

    du machst keine psychoanalysen, du fabulierst dir einfach ganz vortrefflich dein eigenes bild von jemandem zusammen, bei dem du dir nicht einmal im ansatz die mühe gemacht hast, zu schauen, was der knilch denn so an musik mag. sonst wärst du ja über das hier

    http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/m/…

    und das hier

    http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/m/…

    gestolpert. und jetzt tu mir und einigen anderen hier einen gefallen und geh!

  • Vor 2 Jahren

    Eine der peinlichsten Rezensionen der laut.de Historie. :koks:

    Ganz allgemein strotzen fast alle Artikel zu Mars Volta nur so von einer Salzigkeit, die selbst das tote Meer in Verlegenheit bringen würde.

    Oder um es mit den Worten des Crazemasters zu sagen: salty af.

    :D

    • Vor 2 Jahren

      Mir ist vor allem die "Hilft mir dabei, die Wohnung schneller zu putzen, aber sonst isses für nix zu gebrauchen."-Line im Geächtnis geblieben, müsste aus der Rezi zu Amputechture sein...