laut.de-Kritik

Satanisches für die Kifferparty.

Review von

Mein lieber Schwan. Ich hab' ja nie verstanden, warum um The Devil's Blood so ein Riesentrubel veranstaltet wurde und war bislang nur mit ein, zwei Songs der holländischen Truppe bekannt. Aber jetzt liegt mir das zweite Album "The Thousandfold Epicenter" vor und ich kann mit Fug und Recht sagen: Ich versteh' den ganzen Trubel nicht, der um die Band veranstaltet wird ...

Jetzt mal im Ernst: Warum stehen momentan die 60er und 70er wieder dermaßen hoch im Kurs, dass sich Opeth komplett zur Hippie-Band wandeln und andere, die diesen Sound seit ein paar Jahren für sich entdeckt haben, auf einmal als die größte Offenbarung seit Gottes linken Klöten gefeiert werden? Vor allem auch noch von zahllosen Metal-Magazinen und Fans, also von Leuten, die als Reaktion auf das ganze Love & Peace-Geschwurbel eine Musik erschaffen haben, die den Hippies ihr Friedens-Gefasel direkt zurück in den Hals geschoben hat?

Aber seis drum. Vermutlich haben The Devil's Blood so viele Anhänger im Metal, weil sie ganz doll einen auf okkult und satanisch machen, mit all dem rumgesauten Blut und den verstrahlten Texten und Geschwätz in Interviews. Wenn sich einer öffentlich als Christ äußert und damit hausieren geht, heult die Metalszene gleich auf. Aber so was wird beklatscht? Doch hey, es funktioniert, also warum sollte man was an dem Konzept ändern, das bereits auf dem Debüt und davor funktioniert hat?

Entsprechend hat die neue Scheibe mit "The Thousandfold Epicenter" einen furchtbar mystischen Titel. Der Pressetext liest sich dermaßen salbungsvoll, dass man vermutlich selbst aus einem Führerschein im Scheckkartenformat mehr Informationen ziehen kann. Dabei könnte man das Album einfach für sich selbst sprechen lassen: Die musikalische Darbietung von Selim und Farida Lemouchi ist handwerklich weiß Gott (Ja, auch der!) nicht schlecht.

Es ist kein Geheimnis, dass sich das Geschwisterpaar musikalisch beim Psychedelic Rock der 60er und 70er bedient und mit diesen Versatzstücken ein paar richtig gute Songs im Stile von Blüe Öystercult, Uriah Heep und Co. geschrieben hat. Unter dieser Prämisse sind auf "The Thousandfold Epicenter" einige gute Nummern gelandet, auch wenn ich hier einfach mal sagen muss: I need more cowbell!

Nachdem das Intro "Unending Singularity" schon auf jede kosmische oder meinetwegen auch antikosmische Kraft vorbereitet hat, lassen sich aus "On The Wings Of Gloria" eingangs fast schwarzmetallische Klänge heraus hören, ehe ein verdrogtes Lala-Riff auf Repeat gestellt wird und Farida drüber weg trällert. Ganz nett, aber nichts, das zu mehr als der nächsten Kifferparty im Nachbarhaus taugen würde.

An der Marschrichtung ändert sich die nächste Stunde nicht viel. Farida bleibt bei repetitiven - mit der entsprechenden Substanz im Blutkreislauf bestimmt auch hypnotischen - Gesangslinien, die wie in "Die The Death" schnell gehörig auf die Eier gehen. Als Untermalung eines Tarantino-ähnlichen Streifen könnte man sich den Sound allerdings durchaus vorstellen.

Das von vielen anderen, scheinbar sogar Spiegel-Online, entdeckte Geniale an der Band bleibt mir persönlich jedoch verborgen. Vielleicht ist es ja der Kirmes-Musik-Charakter von "Fire Burning". So fängt "The Madness Of Serpents" tatsächlich stark an, lässt aber genauso stark wenig später wieder nach. Wer, wie ich, bei "Everlasting Saturnalia" kurz einnickt, muss sich nicht schämen. Spätestens beim 15-minütgen "Feverdance" fallen die Augen endgültig zu.

Trackliste

  1. 1. Unending Singularity
  2. 2. On The Wings Of Gloria
  3. 3. Die The Death
  4. 4. Within The Charnel House Of Love
  5. 5. Cruel Lover
  6. 6. She
  7. 7. The Thousandfold Epicentre
  8. 8. Fire Burning
  9. 9. Everlasting Saturnalia
  10. 10. The Madness Of Serpents
  11. 11. Feverdance

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21 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Wieder sieht man, dass TDB polarisieren, die einen (wie ich) vergöttern das neue Album, die anderen verstehen den übertriebenen Hype, der auch meiner Ansicht nach nicht unbedingt gerechtfertigt ist, absolut nicht. Dabei steckt in diesem Album eigentlich alles, was man von einem anständigen Retro Rock Album erwarten kann. Hits wie She und das ohrwurmige Fire Burning stehen eben psychedelischen Spielereien wie Feverdance gegenüber. Die Stimme kann man durchaus auch nicht mögen, einen hawkwindschen Rocksong wie On the wings of gloria dafür umso mehr. Aber wie immer gilt, absolute Geschmackssache. Ich jedenfalls bin absolut begeistert und das gute Stück wächst bei jedem Durchlauf nur noch mehr!

  • Vor 8 Jahren

    Eddy siehts wie ich. Ich kanns auch nicht verstehen.

  • Vor 8 Jahren

    Moderner Klassiker - kann man jetzt schon sagen.
    Ich hasse dieses Retro-Gelaber, können Rezensenten sich mal was Neues einfallen lassen? "Oh, die haben ja Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang und keine glattgebügelte Produktion - wie damals!"
    Nicht von der Rezension abschrecken lassen, daß was TDB hier veranstalten kriegen nur ganz wenige hin! Ausnahmealbum.

  • Vor 8 Jahren

    "Sondern als Staubsauger oder Hasenstall, oder was?" :) ist ja ein brüller

  • Vor 8 Jahren

    Den Albumtitel durchgehend und Blue Öyster Cult falsch schreiben ist schon sehr professionell...

  • Vor 8 Jahren

    Grundgütiger - was für ein Geschwurbel.
    Satanisches für die Kifferparty? Zieht Euch die Scheibe mal mit einer ordentlichen Anlage und nicht mit Euren PC-Boxen rein. Das ist Sound im Quadrat, Gitarrenläufe zum Niederknien und eine Stimmung, die weder was mit Kirmes noch mit Kifferpartys zu tun hat. Ich denke, deswegen stehen viele auf die Band; und nicht wegen ihrem Image. Wir reden doch noch von Musik, oder?

    mein Album des Jahres - und Wings Of Gloria, da bin ich sicher, wird mich auch noch in 30 Jahren ausrasten lassen.